„Unser Wendekreis wird eine Woche lang gesperrt. Denn in den nächsten Tagen wird dort ein über 40 Tonnen schwerer Kran stehen“ – so warnte das Klinikum Kulmbach jüngst per Facebook Patienten, Besucher und Anlieferer.
Eigentlich nur für Übergang gedacht
Bis Ende der Woche wächst das Interimsgebäude des Klinikums, das neben dem Hauptgebäude steht, um ein ganzes Stockwerk. 17 Module werden dafür in dieser Woche geliefert und aufgestellt.
„Das sogenannte Interimsgebäude ist seit Anfang 2019 in Betrieb und sollte während des zweiten Bauabschnitts genutzt und danach wieder abgebaut werden, um fehlende Bettenkapazitäten zu kompensieren“, sagt Geschäftsführerin Brigitte Angermann.
Dann kam Corona – und das Provisorium bekam plötzlich eine völlig neue Bedeutung. „Während der Corona-Zeit hat das Gebäude wertvolle Dienste geleistet, weil dort fernab des Klinikbetriebs die Corona-Stationen untergebracht waren“, sagt Angermann.
Seit Sommer 2022 werden dort alle Patienten aufgenommen, die ambulant operiert werden. Auch stationäre Patienten, mit geplanten Operationen werden dort aufgenommen und vorbereitet, wenn der Eingriff direkt am Aufnahmetag stattfindet. Danach kommen sie auf die Normalstation.
„Jährlich konnten so 6000 Patienten über diese Station aufgenommen und auf die OP vorbereitet werden“, sagt Angermann.
Aus dem Provisorium wird jetzt eine dauerhafte Einrichtung. Das Klinikum hat das gemietete Gebäude gekauft. Die Kosten für die Aufstockung belaufen sich nach Angaben der Geschäftsführerin auf 7,5 Millionen Euro: „Die Finanzierung erfolgt aus Eigenmitteln des Zweckverbands Klinikum Kulmbach.“
Neue Anforderdungen
Der Hintergrund: Immer mehr Eingriffe sollen ohne stationären Aufenthalt durchgeführt werden. „Der Gesetzgeber treibt aktuell die Ambulantisierung durch Ausweitung des Katalogs für ambulante Operationen und neue Abrechnungsformen massiv voran“, sagt Angermann.
Das bisherige Interimsgebäude wird deshalb künftig als Ambulantes Zentrum genutzt. Im Erdgeschoss bleibt das MVZ Chirurgie erhalten. Im ersten Obergeschoss finden weiterhin die Vor- und Nachbereitungen der Operationen statt.
Im neuen Geschoss entstehen zwei ambulante Operationssäle mit Aufwachbereich, Ruheräumen und allen notwendigen Nebenräumen. Damit soll künftig alles unter einem Dach stattfinden. „Ambulant operierte Patienten werden dann von der Aufnahme bis zur Entlassung in diesem Gebäude versorgt“, sagt Angermann.
Möglich wird die schnelle Erweiterung durch Modulbauweise. Die 17 Module stammen von der Firma Cadolto Modulbau. Die Module sind weitgehend vorgefertigt und ausgestattet. Leitungen, technische Installationen und große Teile des Innenausbaus sind vorbereitet. Sobald die Elemente auf dem Dach positioniert und miteinander verbunden sind, folgt der endgültige Innenausbau.
Zwei Kräne sind notwendig
„Der Vorteil liegt in der schnellen Bauweise“, sagt Angermann. Gerade einmal vier Monate vergehen demnach vom Aufstellen der Module bis zur Nutzung der neuen Räume. Nach einer Testphase vor Weihnachten soll das Ambulante Zentrum bereits Anfang Januar 2027 in Betrieb gehen.
Der Aufbau ist angesichts der Enge am Klinikum alles andere als einfach, erklärt Angermann: „Da der Kurvenradius nicht für eine Direktanlieferung ausgereicht hat, wurden zwei Kräne benötigt.“
In den Morgen- und Abendstunden rollen die Schwertransporte an. Der erste Kran versetzt die Bauteile vom Wendekreis Richtung Baustelle. Kran zwei hebt die Module schließlich auf das bestehende Gebäude.
Jeden Tag wächst das Gebäude um einige Module. Patienten und Besucher bleiben stehen und schauen nach oben. „Das ist spektakulär“, sagt ein Mann, als eines der riesigen Bauteile nach oben gehievt wird. „Es ist gut, dass weiter gebaut wird“, sagt ein Anderer und staunt über die riesigen Kräne und die Ingenieurleistung.
Ganz ohne Auswirkungen auf den Verkehr geht die Aktion allerdings nicht vonstatten. Teile der Albert-Schweitzer-Straße können täglich zwischen 8 und 18 Uhr zeitweise nicht befahrbar sein. Die Bushaltestelle wurde kurzfristig auf Höhe der Abzweigung zum Hubschrauberlandeplatz verlegt. Auch die Verkehrsführung zum Parkhaus musste geändert werden.
Vormittags führen die Transporte schon mal kurzzeitig zu Stauungen im Kreisverkehr bei Mönchshof und Handwerkerhof. Um die Verkehrslenkung kümmern sich Mitarbeiter des Klinikums.
Die Verkehrsteilnehmer hätten viel Verständnis gezeigt, freut sich Angermann. „Für die Rettungsdienste kommt es aufgrund der südlich vorhandenen Umfahrung des Klinikums zu keinerlei Verzögerungen“, betont Angermann.
Das einstige Provisorium, das eigentlich längst wieder verschwunden sein sollte, bekommt so eine dauerhafte Zukunft.














