Erweiterung
101 Millionen fließen ins Klinikum Kulmbach
Die Richtkrone erhob sich gestern über dem zweiten Bauabschnitt.
Die Richtkrone erhob sich gestern über dem zweiten Bauabschnitt.
Foto: Matthias Hoch
Ein Bild von den  neuen und modernen Zweibettzimmern im Kulmbacher Klinikum machten sich gestern (von links) Ministerpräsident Markus Söder, Landrat Klaus Peter Söllner und Bezirkstagspräsident Henry Schramm. Anlass des Besuches aus München war da...
Ein Bild von den neuen und modernen Zweibettzimmern im Kulmbacher Klinikum machten sich gestern (von links) Ministerpräsident Markus Söder, Landrat Klaus Peter Söllner und Bezirkstagspräsident Henry Schramm. Anlass des Besuches aus München war das Richtfest zum zweiten Bauabschnitt.
Foto: Matthias Hoch
Groß war die Gästeschar beim Besuch von Markus Söder.
Groß war die Gästeschar beim Besuch von Markus Söder.
Foto: Matthias Hoch
Der zweite Bauabschnitt
Der zweite Bauabschnitt
Foto: Matthias Hoch
Staatsminister Klaus Holetschek
Staatsminister Klaus Holetschek
Foto: Matthias Hoch
Kulmbach – Am Mittwoch wurde Richtfest für den zweiten Bauabschnitt gefeiert – mit Ministerpräsident Markus Söder.

Im April 2017 fand der erste Spatenstich für das größte Bauprojekt statt, das es je am Klinikum Kulmbach gegeben hat. Dies war der Startschuss für ein Projekt, das für die Zukunft des Klinikums von immenser Bedeutung ist, wie Geschäftsführerin Brigitte Angermann bekundet.

Die Zahlen sprechen demnach für sich: Rund 150 Millionen Euro wird das gesamte Projekt kosten, das zwei Erweiterungsbauten, in Richtung Süden und in Richtung Westen, umfasst. Rund 100 Millionen Euro kommen vom Freistaat Bayern.

Der erste Bauabschnitt hat laut Angermann mit 46 Millionen Euro Baukosten abgeschlossen und wurde mit 34 Millionen Euro vom Freistaat gefördert. „Die Verleihung von gleich drei renommierten Architekturpreisen zeigt, dass vieles richtig gemacht wurde. Nicht nur die innovative Architektur, sondern auch der ,German Design Award’ wurden verliehen. Das Bauwerk zählt nach Ansicht der Juroren zu den visionären Gebäuden des Jahres 2021“, so Angermann.

Für den jetzt laufenden zweiten Bauabschnitt, die sogenannte Erweiterung West, sind rund 101 Millionen Euro Gesamtkosten veranschlagt. Der Freistaat Bayern fördert diesen Teilbereich mit rund 66,41 Millionen Euro. Die Differenz werde vom Klinikum aus Eigenmitteln erbracht.

Was den Baufortschritt angeht, so befinde man sich im Zeitrahmen, bestätigt Landrat Klaus Peter Söllner. Bei diesem Bauabschnitt handelt es sich um eine zweigeteilte Baumaßnahme mit dem Neubau West und der anschließenden Sanierung des Nordbaus. Die Fertigstellung des Neubaus soll im Frühjahr 2024 erreicht werden, die Gesamtfertigstellung ist für 2025 geplant. „Hochmoderne Bettenstationen auf fünf Ebenen werden errichtet. 540 Betten wird es nach Abschluss geben“, sagt Söllner.

Zweibettzimmer werden demnach der künftige Standard sein. „Moderne Strukturen und kurze Wege bieten viele Vorteile für Patienten und Mitarbeiter. Im Erdgeschoss entsteht eine direkte Verbindung von der Eingangshalle zum elektiven Behandlungszentrum für einbestellte Patienten.“

Viel Wert werde auf das Design unter Verwendung natürlicher Materialien und nachhaltiger Baustoffe, wie dem außen verwendeten Naturstein gelegt. In der Eingangshalle soll als gestalterisches Element eine „grüne Wand“ verbaut werden. Aber auch das Thema Energie hatte von den ersten Planungen an einen hohen Stellenwert: der Bau eines Blockheizkraftwerks, Heiz-/Kühldecken in den Patientenzimmern, Kühlungen durch die Nutzung von Verdunstungskälte und dreifach verglaste Fenster und LED im gesamten Gebäude sorgten für ein angenehmes Raumklima bei gleichzeitig niedrigen Energieverbräuchen.

„Das ist ja mal ein Wahnsinnsausblick!“ Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek schaute in dem Moment aus einem Klinikfenster im fünften Stock und direkt auf die scheibenfüllende Plassenburg. Um die Ecke stand Ministerpräsident Markus Söder in einem der neuen Zweibettzimmer und bekundete anerkennend: „Wirklich schick. Hier kann man ja nur gesund werden.“ Die beiden hohen Gäste aus München zollten Klinikumsgeschäftsführerin Brigitte Angermann Respekt für das, was sich in den vergangenen Monaten und Jahren in Kulmbach getan hat. Grund des aktuellen Besuches: das Richtfest für den zweiten Bauabschnitt, zu dem der Freistaat bei 101 Millionen Euro Gesamtkosten 66,4 Millionen beisteuert (siehe dazu auch Artikel oben).

Ideen statt Jammerei

„Kulmbach hat mich in den vergangenen Jahren immer wieder beeindruckt, weil nicht gejammert wurde, sondern stets neue Konzepte auf den Tisch kamen, wie man die Region und dabei nicht zuletzt die Gesundheitsstruktur stärken kann“, lobte Söder. Das Geld sei das eine – das andere seien Engagement und die Ideen der kreativen Köpfe vor Ort. „Gute Ideen finden immer Geld.“

Und Geld floss reichlich in den zweiten Bauabschnitt. „Wir wollen dafür sorgen, dass Spitzenmedizin nicht abhängig davon ist, in welchem Teil von Bayern man lebt. Hier in Kulmbach entsteht nicht nur ein toller Bau, sondern er beheimatet High-Tech-Medizin, die es den Menschen ermöglicht, an den besten Möglichkeiten, die die Medizin zu bieten hat, auch teilhaben zu können, ohne dafür in die Zentren nach München oder Nürnberg zu müssen oder gar ins Ausland. Hier bieten wir mit dem besten Equipment und dem besten Fachpersonal die bestmögliche Betreuung für die Menschen in der Region.“

„In der gleichen Klasse spielen“

Die 100 Millionen Euro des Freistaats für den Klinikstandort Kulmbach seien daher „nicht einfach nur eine Förderung“, so Söder, sondern ein echter Beitrag, damit die Region in der gleichen medizinischen Klasse spiele wie die Zentren. Jenseits der finanziellen Unterstützung für den Ausbau von Kliniken forderte Söder eine „gerechte Entlohnung“ für jene ein, die täglich das System Medizin mit Leben und Menschlichkeit erfüllten: die Pflegerinnen und Pfleger.

Ohne Menschen ist alles nichts

An die Mitarbeitenden, von denen sich einige zur Richtfestfeier eingefunden hatten, richtete auch Staatsminister Klaus Holetschek die ersten Worte in seiner Grußrede: „Wir können viele Gebäude fördern – aber ohne die Menschen, die hinter dem System stehen, würde das alles nicht funktionieren, würde kein Bett betrieben werden können. Deswegen müssen wir als Verantwortliche in der Politik nicht nur Strukturen schaffen, sondern auch die Arbeitsbedingungen so gestalten, dass jede Fachkraft ihrer Tätigkeit hier bestmöglich nachgehen kann.“

Seit 1972 sind laut Holetschek 25 Milliarden in die Krankenhaus-Infrastruktur in Bayern investiert worden. „Jetzt müssen wir – endlich – auch die Betriebsfinanzierung auf bessere Füße stellen, und da ist Berlin gefragt, das darf nicht allein Ländersache sein.“ Dazu kämen Herausforderungen wie steigende Energiekosten und auch ein Inflationsausgleich in Krisenzeiten. „Wir in Bayern sind nicht der Ausfallbürge für Zuständigkeiten, die woanders liegen.“ Die Menschen überall im Freistaat hätten das Recht, die exakt gleiche bestmögliche Versorgung zu erhalten.

Herausragende Entwicklung

Für Landrat Klaus Peter Söllner wird mit dem Richtfest für den zweiten Abschnitt die Erfolgsgeschichte des Klinikums weitergeschrieben. „Es hat eine herausragende Entwicklung genommen und ist sicher ein Leuchtturm des Gesundheitswesens in ganz Oberfranken.“ Das Haus zeichne sich aus durch medizinische Kompetenz und eine außergewöhnliche wirtschaftliche Stabilität. Dennoch sei ohne finanzielle Unterstützung vieles nichts. „Die zügige Einplanung in das Krankenhausbauprogramm ist für uns ein Segen.“

Johannes Müller verwies namens der bauausführenden Architekten auf die besondere ökologische Bauweise und das „neue Gesicht“ des Krankenhauses. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass gute Architektur zur Genesung des Menschen beitrage. Der Musikverein Marktleugast umrahmte die Feier und spielte dabei unter anderem den bayerischen Defiliermarsch – und zum Glück nicht, wie man auf Klinikboden vielleicht vermuten könnte, den Defibrilliermarsch.

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen: