Bierwoche
Das Klassenzimmer ist jetzt ein Abstellraum
Die 13 c mit Klassleiter Otto Kneitz (vorne, Mitte) im Jahr 1972.
Die 13 c mit Klassleiter Otto Kneitz (vorne, Mitte) im Jahr 1972.
Foto: Archiv
Kulmbach – BR-Mitarbeiter Klaus Klaschka erinnert sich an das Abitur am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium vor 50 Jahren.

Die Bierwoche lockt alljährlich nicht nur Massen von Besuchern in die heimliche Hauptstadt des Bieres, sondern regelmäßig auch eine kleine Gruppe von mittlerweile alten Herren: die Schüler der ehemaligen Klasse 13 c des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums. Einer von ihnen ist unser Mitarbeiter Klaus Klaschka, d

er beschreibt, warum

das Treffen in diesem Jahr ein ganz besonderes war:

„Wir haben 1972, also vor 50 Jahren, unser Abitur gemacht und das, genauso wie vor einem halben Jahrhundert, auf unsere Weise gefeiert: ohne Schlips und Kragen, ohne offizielle Gratulationsveranstaltung mit Überreichung des Zeugnisses der Reife in der Aula beziehungsweise der Turnhalle der Schule, ohne Lehrer;

nur mit uns selbst.

„Was waren wir da stolz auf uns!“

Unsere damalige Weigerung, an einer offiziellen Abiturfeier teilzunehmen, ist dem einen oder anderen Lehrer schon unangenehm aufgestoßen. Das Abizeugnis durfte man uns trotzdem nicht verweigern. Wir konnten es beiläufig im Direktorat mit einem Händedruck abholen. Was waren wir da stolz auf uns! Damals waren die Zeiten halt anders. Die Studentenrevolten der 1968er Jahre, mit denen wir von der Provinz aus gelegentlich sympathisierten, war

en zwar abgeklungen; aber irgendwie grundsätzlich gegen alles waren wir trotzdem.

Lange Haare waren Pflicht, die wir gegen die anderslautenden Vorschriften zu Hause ebenso durchsetzen mussten wie die unten weiten Schlaghosen, die damals Mode waren. Trotzdem ist aus uns 23 Abiturienten der 13 c etwas geworden. Doktoren, Diplomierte, Magister; selbstständige Kaufleute, beamtete Lehrer, Physiker, Betriebswirte, Apotheker, Mediziner, Mental-Coaches, Journalisten, Designer, Künstler und sogar ein Professor an der renomierten Berkley-University; kurzum: alles das, was uns damals als verdächtig und spießig-etabliert vorkam.

Das MGF war zu unserer Zeit noch eine Jungenschule. Ein paar wenige Mädchen waren die Ausnahme, die wurden im Lyzeum, dem späteren CVG, beschult. Zu unse

rer Einschulung hieß das MGF kurze Zeit auch noch Oberrealschule (mathematisch-naturwissenschaftlicher Zweig), der Zusatz ,mit Gymnasium’ stand für den humanistischen Zweig. Die Lehrer hatten wir mit ,Herr/Frau Professor’ (letzteres ohne ,in’) anzusprechen. Bis zur Zehnten wurden wir geduzt, ab der Elften gesiezt. Und wir waren älter als die heutigen Abiturienten. In der Regel 20. Denn der Übertritt ins Gymnasium war ab der vierten, häufiger nach der fünften Volksschulklasse möglich.

Wohlsortierte Ordnung

Mit Beendigung der Mittelstufe in der zehnten (mithin sechsten Gymnasial-)Klasse hatten wir die Mittlere Reife. Danach folgte die Oberstufe in den Klassen 11 bis 13. So hatte damals alles seine wohlsortierte Ordnung ohne Ausnahmen im schulischen Alltag.

Wir wurden auch nicht mit extra Schulbussen von Haustür zu Haustür gebracht. Öffentliche Verkehrsmittel waren die Regel und für die Fahrschüler von außerhalb de

r tägliche Fußweg vom Bahnhof bis in die Obere Stadt.

Zwölf waren gekommen

50 Jahre danach: Von 23 Absolventen waren zur 50-Jahr-Feier immerhin zwölf gekommen (drei sind bereits verstorben). Bei der Besichtigung des Schulhauses muss

te uns eines entsetze

n: Unser ehemaliges Klassenzimmer ist jetzt ein Abstellraum. Das geht natürlich nicht. Ansonsten hat sich das Gebäude gewaltig gemausert. Nicht nur durch Anbauten, sondern auch durch die Einrichtungen mit einem Lehrangebot, von dem wir seinerzeit höchstens träumen konnten. Und wir selbst? In aller Bescheid

enheit müssen wir feststellen, dass wir damals schon perfekt waren. Denn, auch wenn wir im Lauf der Zeit grauer und fülliger geworden sind: Jeder ist seinem Charakter treu geblieben. Daran hat sich nichts geändert. Bis zum nächsten Jahr um halb Elf zur Bierwoche.“