Unterstützung
Kulmbacher setzen auf Hilfe zur Selbsthilfe
Ein Rückschlag für die Nepalhilfe war das Erdbeben 2015. Devi Maja Subedi, ein Patenkind der Nepalhilfe Kulmbach, war durch das Erdbeben mit ihrer Schwägerin und deren Kindern obdachlos geworden.
Ein Rückschlag für die Nepalhilfe war das Erdbeben 2015. Devi Maja Subedi, ein Patenkind der Nepalhilfe Kulmbach, war durch das Erdbeben mit ihrer Schwägerin und deren Kindern obdachlos geworden.
Foto: Archiv/Nepalhilfe Kulmbach
F-Signet von Werner Reißaus Fränkischer Tag
Kulmbach – Die Kulmbacher Nepalhilfe ist jetzt seit 20 Jahren aktiv. Jetzt schaute sie auf die Höhepunkte ihrer Arbeit.

Gemeinsam mit den Gründungsmitgliedern und zahlreichen Gästen feierte die Kulmbacher Nepal-Hilfe 20-jähriges Bestehen. Mit dabei auch Shyam Neupane, der Vertreter der Nepal-Hilfe Kulmbach in Kathmandu, der auch als Beirat Mitglied im Vorstand ist und mit herzlichen Worten für Unterstützung in den vergangenen 20 Jahren dankte.

Vorsitzender Johann Hunger zeigte zunächst die Aktivitäten und Projekte während der vergangenen 20 Jahre auf. Er verwies auf die Entstehung der Nepal-Hilfe, als er gemeinsam mit Peter Pöhlmann und Sonja Promeuschel bei den jährlichen Trekking Touren einen intensiven Kontakt mit Nepal, seinen liebenswerten Menschen und seiner herrlichen Landschaft bekam: „Wir machten uns aber noch keinerlei Gedanken, uns darüber hinaus zu engagieren, aber das änderte sich fast schlagartig, als unser Tracking Guide, Temba Sherpa, uns sein Anliegen vortrug.“

Sprunggelenke gebrochen

Ein junger Mann habe sich schon vor Monaten beide Sprunggelenke gebrochen, war auch schon in Indien erfolglos operiert worden, war aber immer noch gehunfähig und konnte sich nur mit dem Rollstuhl fortbewegen. Wie Hunger betonte, war es ein Bild des Jammers, ohne Perspektive für die Zukunft – und hier war Handlungsbedarf vor allem für den Chirurgen angesagt, der in zwei Sitzungen beide Beine im damaligen Krankenhaus Kulmbach erfolgreich operiert hat.

Während Peter Pöhlmann das notwendige Geld mit rund 15.000 Euro für die OP akquiriert hat, sorgte Sonja Promeuschel für „Gottes Lohn“ für die krankengymnastische Behandlung von Dambar Rai. Damit schien die Sache eigentlich für die Kulmbacher erledigt, doch es wurde ihnen bewusst, dass Nepal mit seinen freundlichen Menschen nicht nur hohe Berge und eine faszinierende Landschaft hat.

Johann Hunger: „Wir sahen, dass die Mehrzahl dieser liebenswerten Menschen in bitterer Armut lebte, verbunden mit einer sehr verbesserungsbedürftigen Schulbildung und einem maroden Schulsystem. Nach einem Spendenaufruf anlässlich meines 60. Geburtstages hatten wir 8000 Euro zur Verfügung, und wir planten eine Schule zu bauen . Und so gründeten wir am 29. Juni 2002 unseren Verein, die Nepal-Hilfe Kulmbach.“

Schulpatenschafts-Programm

Parallel dazu wurde das Schulpatenschafts-Programm gestartet, ein Verdienst von Sonja Promeuschel, die mit großem Fleiß, Durchsetzungskraft, Umsicht und Akribie, wie Hunger feststellte, dieses Programm aufgebaut hat. Man musste aber auch frühzeitig feststellen, dass die Kinder durchweg unterernährt waren, und so wurde die Schulspeisung eingeführt, es wurde auch für sauberes Trinkwasser gesorgt.

Deutsche Zahnärzte aus Kulmbach und Umgebung opferten einen Teil ihres Urlaubs in Nepal für die Zahnbehandlung der Schüler. Für einen herben Rückschlag sorgte allerdings das Erdbeben im Jahr 2015. Während die Schulgebäude erdbebensicher gebaut waren, stürzten viele der Hütten und Häuschen der Paten-Eltern ein, so dass sich die Menschen lange mit Notunterkünften behelfen mussten.

Johann Hunger dazu: „Die Nepal-Hilfe startete mit Hilfe freiwilliger Helfer aus Deutschland und Unterstützung deutscher Firmen und Sponsoren und errichtete 37 Einfamilienhäuschen für die Paten-Familien.“ Hunger dankte hier besonders dem Weismainer Bauunternehmen Dechant-Bau und der Raps-Stiftung und stellte abschließend fest: „Man kann mit einem gewissen Stolz und einer Genugtuung feststellen, dass der Einsatz der Nepalhilfe in allen Bereichen sehr erfolgreich war.“

Hoher persönlicher Einsatz

Vorsitzender Johann Hunger sprach zwar von einer Gemeinschaftsleistung, stellte aber den hohen persönlichen Einsatz von Sonja Promeuschel und Peter Pöhlmann noch besonders heraus: „Wir dürfen aber unsere Hände noch nicht in den Schoß legen. Für all diese Projekte ist eine Nachhaltigkeit erforderlich. Sie müssen so lange betreut werden, bis unsere Schützlinge soweit gerüstet sind, dass sie uns nicht mehr benötigen. Das ist keine Bevormundung, denn nicht wir entscheiden, wann es so weit ist, sondern unsere nepalesischen Freunde. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe.“

In ihren Grußworten würdigten Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD), Bezirkstagspräsident Henry Schramm (CSU) und Landrat Klaus Peter Söllner (FW) das großartige Hilfswerk der Kulmbacher Nepal-Hilfe und überreichten Geldspenden. Die Jubiläumsfeier wurde von den Geschwistern Klara und Henriette Gollner musikalisch umrahmt.

 

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