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Kabarettistin überzeugt mit Witz
Kulmbacher Publikum kürt Siegerin beim Kleinkunst-Brettla
Tina Häussermann gewann mühelos die Sympathie des Publikums und holte sich Platz 1 im Mönchshof-Kabarettpreis.
Tina Häussermann gewann mühelos die Sympathie des Publikums und holte sich Platz 1 im Mönchshof-Kabarettpreis. // Kulmbacher Kleinkunstbrettla
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Kulmbach – Tina Häussermann gewann bei ausverkauftem Haus den Mönchshof-Kabarettpreis. Ihre brillante Performance wird unvergessen bleiben.
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Vor ausverkauftem Haus und in einer Atmosphäre purer Begeisterung fand  das Finale des 3. Mönchshof-Kabarettpreises statt. Am Ende eines sehr unterhaltsamen  Abends sicherte sich die Stuttgarterin Tina Häussermann den ersten Platz.

Tina Häussermann setzte sich durch

Präsentiert wurde die Veranstaltung vom Verein Kulmbacher Kleinkunst-Brettla (KKB) in Kooperation mit den Museen im Mönchshof. Dass die Veranstaltung mit insgesamt 3000 Euro Preisgeld dotiert war, ermöglichte auch in diesem Jahr der Hauptsponsor Mönchshof. In einem Finale auf künstlerischem Spitzenniveau setzte sich Tina Häussermann durch und nahm ein Preisgeld von 1500 Euro mit nach Hause.

Die gebürtige Bayreutherin Mia Pittroff schaffte es auf den dritten Platz.
Die gebürtige Bayreutherin Mia Pittroff schaffte es auf den dritten Platz. // Kulmbacher Kleinkunstbrettla

Den zweiten, mit 900 Euro dotierten Platz belegte die Berlinerin Alice Köfer, gefolgt von ihrer Berliner Kollegin Mia Pittroff, die sich über den dritten Platz und 600 Euro freuen durfte. Alle drei Künstlerinnen präsentierten jeweils ein 30- bis 40-minütiges Programm, das durch Witz, Musikalität und eine beeindruckende Bühnenpräsenz bestach.

Alice Köfer macht den Auftakt

Den Auftakt machte Alice Köfer. Als Enkelin eines Metzgers und einer DDR-Schauspiellegende schien ihr Weg auf die Bühne vorgezeichnet. Die studierte Sängerin schlachtete genüsslich die Pointen des Alltags aus und bewies, dass man komplizierte Sachverhalte am besten musikalisch erklärt.

Ob scharfer Witz oder liebevoller Blödsinn – Köfer beherrschte die gesamte Klaviatur. Besonders in Erinnerung blieben ihre „Löffelliste“ (Dinge, die man vor der persönlichen „Deadline“ erledigt haben will, wie etwa Isländisch lernen) und ein technisches Kunststück: Ein live aufgenommenes Winterlied, das rückwärts abgespielt plötzlich „Oh Tannenbaum“ ergab. Den skurrilen Höhepunkt bildete ihre singende Erklärung einer Wärmepumpe, bevor sie den Abend mit einer kompletten Emoji-Übersetzung von Goethes „Erlkönig“ krönte.

Mia Pittroff: „Wurst im Buch“

Als zweite Künstlerin betrat die gebürtige Bayreutherin Mia Pittroff die Bühne. Die Wahlberlinerin entzieht sich jeder klassischen Schublade; ihre Beobachtungen zwischen Provinz und Metropole, Dialekt und Hochdeutsch sind treffsicher und bisweilen charmant-hinterfotzig. Pittroff gestand, dass sie das Zahnarzt-Wartezimmer als Wellness-Oase vor dem Stress mit den Kindern nutzt. Auch gesellschaftspolitische Themen wie das Gendern streifte sie mit lakonischer Logik: Da ihre Kinder bis vor Kurzem nur eine Kanzlerin kannten, sei es nur fair, nun auch den aktuellen Kanzler als Bundeskanzlerin anzusprechen.

Mit Blick auf das viel diskutierte Stadtbild forderte sie mehr Schwimmbäder statt Rüstung – denn das eigentliche Problem im Stadtbild seien die Nichtschwimmer, die im Sommer ertrinken. Als Oberfränkin in Berlin resümierte sie zudem den Mentalitätsunterschied: Während der Franke mit einem „bassd scho“ das höchste Lob ausspricht, werde man in Berlin förmlich „totgequasselt“.

Tina Häussermann: Eine Portion Selbstironie

Ihr kulinarischer Marketing-Tipp für ihr nächstes Buch: Eine Kulmbacher Wurst in jedem Exemplar – damit das Buch nicht „für die Wurst“, sondern „mit Wurst“ (oder eben wurst) ist.

Gute Laune und eine gesunde Portion Selbstironie sind die Markenzeichen von Tina Häussermann. Schonungslos ehrlich erzählte sie von den Anfängen ihrer Karriere und der Skepsis ihres Ehemannes: „Damit willst du Geld verdienen?“ Sie konnte. Seit ihrem fünften Lebensjahr am Klavier zu Hause, hat sich die Jazz-Pianistin zu einer brillanten Singer-Songwriterin entwickelt. Ihre kessen Texte und melodischen Glanzlichter gaben im Finale den entscheidenden Ausschlag.

Tina Häussermann trifft den Nerv des Publikums

Häussermann nahm das Publikum mit zum „Waldbaden“ ihrer Freundin Friederike. Die kritische Frage „Will der Baum das überhaupt?“ führte zu einem Live-Experiment mit Zuschauer Karsten als pantomimische Eiche (die eher an einen Betonpfeiler erinnerte).

Häussermanns messerscharfe Analyse: „Das Umarmen ist der Grund für das Baumsterben. Man sah es ja an dem Baum, den Marcus Söder umarmte – der ist jetzt auch tot!“ Ob der frustrierende Staubsaugerkauf im Elektromarkt, der mit einem schlichten Besen endete, oder ihr mitreißender Song „Hitzewallung“, bei dem der gesamte Saal mitsang: Häussermann traf den Nerv des Publikums.

Manfred Spindler führt locker und witzig durch das Programm

Nach den Auftritten lag die Entscheidung beim Publikum, das in geheimer Wahl abstimmte. KKB-Vorstand Manfred Spindler, der locker und witzig durch das Programm führte, dankte allen Beteiligten, für die Unterstützung.

In den Pausen sorgten „Manni & Heinz“ mit zünftiger Live-Musik für Kurzweil. Zum Abschluss gab es dann noch eine freudige Nachricht für alle Fans: Für das Jahr 2027 ist bereits ein Wiedersehen mit der Siegerin Tina Häussermann und ihrem kompletten Soloprogramm in Kulmbach fest eingeplant.

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