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Tierschutz
Einsatz für Kulmbachs Krötenretter
Straßen sind buchstäblich ein gefährliches Pflaster für Kröten und Frösche.
Straßen sind buchstäblich ein gefährliches Pflaster für Kröten und Frösche. // Evelyn Kobben - stock.adobe
Hinweisschilder zur Krötenwanderung stehen derzeit an vielen Straßen.
Hinweisschilder zur Krötenwanderung stehen derzeit an vielen Straßen. // Jochen Nützel
Die Warnweste gehört zur Standardausrüstung der freiwilligen Helfer.
Die Warnweste gehört zur Standardausrüstung der freiwilligen Helfer. // Jochen Nützel
Günter Teufel an seinem Einsatzort: dem rund 400 Meter langen  Krötenschutzzaun entlang der Kreisstraße zwischen Lindau und Leuchau.
Günter Teufel an seinem Einsatzort: dem rund 400 Meter langen Krötenschutzzaun entlang der Kreisstraße zwischen Lindau und Leuchau. // Jochen Nützel
Kulmbach – Günter Teufel gehört zu den Krötenlotsen im Landkreis Kulmbach. Der Trebgaster hilft, Amphibien zu retten, damit sie nicht zu Verkehrsopfern werden.

78, 79, 80, 81, 82… Es wimmelt im schwarzen Eimer. Schwer für Günter Teufel, bei dem Gewusel den Überblick zu behalten. Zumal die Objekte, die er zählen soll, nicht stillhalten. Sie wollen raus aus der Falle – dabei können sie nicht ahnen, dass die Falle in Wahrheit die Freiheit bedeutet. Und Günter Teufel ihre Lebensversicherung.

Trebgaster hilft seit fünf Jahren

Kaum ist die Warnweste mit dem Label „Krötenlotse“ übergestreift, geht es für den Trebgaster ab in Richtung Straßengraben. Seine Aufgabe zwingt ihm eine Art Bücklinghaltung auf. „Nicht alle Kröten, die hinter dem Fangzaun entlang laufen, landen gleich im Eimer.“ Also hilft er nach. Das Sammelgut ist gut getarnt: braune Kröte auf braunem Laub-Erde-Grund. Wer suchet…

Dass es sich um eine Massenbewegung handelt, belegen die Zahlen. „Anfang der Woche waren es 328 Tiere an einem einzigen Tag“, berichtet Günter Teufel. Mehrere Male musste er den Weg antreten zwischen Graben und Weiher, wo die Tiere letztlich landen. Rekord ist das noch nicht. „Es waren auch schon über 400. Da wollten die Kollegen aber wissen, ob ich mich nicht verzählt habe.“

400 Meter zu kontrollieren

Seit fünf Jahren ist der 60-Jährige ehrenamtlich bestellter Krötenträger, zuständig für den Abschnitt zwischen Trebgast/Rehleiten und Leuchau. Das Hoheitsgebiet Teufels, Mitglied im Bund Naturschutz, sind knapp 400 Meter Fangzaun, installiert von der Straßenmeisterei des Landkreises. „Es gab vor einigen Jahren mal einen Aufruf in der Lokalpresse, dass Leute gesucht werden, die sich um das Einsammeln der Tiere kümmern. Da habe ich mich gemeldet.“

Zwei Tage pro Woche blickt er mit Argusaugen auf den Graben entlang der Kreisstraße KU 15. Dann läuft immer das gleiche Prozedere ab: Hinfahren, parken, Weste und Gummistiefel an, Handschuhe überstreifen – und die Stirnlampe nicht vergessen. „Es ist morgens und abends, wenn ich hier langlaufe, oft noch oder schon wieder dunkel.“ Und: Viele Autofahrer gingen erst vom Gas, wenn sie ihn sähen. „Das Tempolimit von 70 km/h ist aber auch für die Kröten wichtig, denn wenn sie mit hoher Geschwindigkeit zwischen die Räder geraten, werden sie hochgeschleudert und getötet.“ Ende Februar, wenn die Tunnel installiert werden, beginnt Günter Teufels sinnhafte Arbeit.

Tümpel lockt die Amphibien

Seine Zielgruppe ist da besonders aktiv, denn zu dieser Jahreszeit drängt es die Amphibien zum Laichen in nahegelegene Gewässer. Der Trebgaster deutet durch die Nebelwand auf einen Tümpel. Dorthin trägt er die gesammelten Werke, auf dass sie ihrem natürlichen Verhalten gefahrlos frönen können. Das war nicht immer so. Früher – ohne Schutz – bedeutete das Überqueren der Fahrbahn tausendfach den sicheren Tod für die Tiere, fanden sie nicht den Weg zum Glück, sondern höchstens Eingang in die Statistik als Unfallopfer.

Teufels Daten landen in einer großen Liste. Die trägt die Amphibienzahl für elf Straßenabschnitte zusammen – von Veitlahm/Höferänger über Fohlenhof/Waldau und Leuchau/Lindau bis Oberzettlitz und Berndorf. Das beste Ergebnis weisen die Bücher für 2017 aus: Damals wurden mehr als 8000 Tiere gerettet. Im vergangenen Jahr waren es mit 3869 nicht einmal die Hälfte. Dabei handelte es sich in erster Linie um Erdkröten; weniger häufig an den Fangzäunen vertreten waren Frösche und Molche.

Kooperationen in Kulmbach

Nach Angaben des Landratsamts wurden heuer neun Amphibienschutzzäune aufgestellt. Die Koordination erfolgt zwischen den Kulmbacher Ortsgruppen der Naturschutzverbände „BUND“ Bayern und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) sowie der unteren Naturschutzbehörde. Beteiligt am Aufbau der Zäune sind das Staatliche Bauamt Bayreuth, die Kreisstraßenmeisterei Leuchau und die Bauhöfe in Thurnau und Kulmbach. Die Koordination der Helferinnen und Helfer übernimmt unter anderem Monika Winkler von der „BUND“-Ortsgruppe Kulmbach.

Das Gesetz schreibt es vor

Straßen tragen häufig dazu bei, die Lebensräume oder Wanderwege von Amphibien zu beeinträchtigen. Das Bundesfernstraßengesetz verpflichtet den Baulastträger zur Verkehrssicherheit und zur Berücksichtigung des Umweltschutzes. Demzufolge kann dieser zum Errichten von Amphibienschutzanlagen herangezogen werden. Für den „BUND“ Bayern ein wichtiges Argument für die Sicherheit von Mensch und Tier, denn: „Amphibienmassaker haben schon so manches Auto ins Schleudern gebracht.“

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