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Hohe Spritpreise
Fluch statt Segen? Das bleibt beim Tankstellenpächter hängen
Herbert Bauer
Auch wenn man es anders vermuten könnte: Für Tankstellenbetreiber wie den Trebgaster Herbert Bauer sind die derzeitgen Spritpreise eher Fluch als Segen. // Jochen Nützel
Trebgast – Eine Tankstelle als Goldgrube? Bei den Spritpreisen mag man das vermuten. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus, wie ein Blick nach Trebgast zeigt.
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Allzeithoch beim Diesel, ähnliches Bild für Superbenzin: Durch den Irankrieg kannten und kennen die Zahlen auf den Hinweistafeln der Tankstellen seit Wochen nur eine Richtung. Wer nun aber glaubt, damit würden auch die Betreiber den Reibach ihres Lebens machen, der verkennt die krude Logik hinter dem Geschäft mit dem Treibstoff, denn: Tankstellenpächter/-inhaber erhalten in Deutschland pro verkauftem Liter nur eine sehr geringe Provision.

Davon kann auch Herbert Bauer ein Lied singen. Er betreibt zusammen mit seinem Bruder Rudolf die Avia-Tankstelle in Trebgast. „Wir haben allein von der Ankündigung höherer Preise erst einmal nichts“, sagt der 76-Jährige. Seine Provision richtet sich demnach nach verkaufter Menge - und nicht nach dem, was an der Zapfsäule abgerufen wird. Die Verdienstspanne im bundesweiten Schnitt liegt nach Branchenauskunft des Mineralölverbands bei 0,8 bis etwas mehr als 2 Cent pro Liter.

„Sprit ist für uns in der Tat ein klassischer Pfennigartikel“, formuliert es Herbert Bauer. Zum Vergleich: Die Brutto-Margen der Öl-Multis erklommen zuletzt laut Eigenangaben des Mineralölverbands bei rund 22 Cent (Diesel). Der Rest sind Steuern und Abgaben. Die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer) macht den größten Teil der Kosten aus. Der Rest verteilt sich auf Mehrwertsteuer, die Kosten für die Gewinnung, die CO₂-Abgabe. Dazu kommt das, was unter „Kräfte des Marktes“ subsumiert wird – wozu ein Krieg wie im Iran und mit der Folge gestörter oder komplett blockierter Lieferketten das System von jetzt auf gleich auf den Kopf stellen kann.

Herbert Bauer
Die Avia-Tankstelle befindet sich seit Jahrzehnten in Familienbesitz. // Jochen Nützel

Herbert Bauers Vorteil: Er ist Herr auf der eigenen Parzelle und muss keine Pacht zahlen. Dazu hat er durch seine jahrzehntelange Kooperation mit Avia in Nürnberg einen, wie er betont, "Partner, der in jeder Lage Fairness vor allem bei uns Mittelständlern hat walten lassen".

Doch die aktuelle Situation in der Welt und damit an den Börsen bekommt auch der Trebgaster zu spüren. "Die Preisgestaltung sorgt dafür, dass die Kundenfrequenz bei uns zu gewissen Zeiten merklich sinkt. Gleichzeitig aber laufen die Betriebs- und Sozialkosten für das Personal weiter." Herbert und Rudolf Bauer beschäftigen an der Tankstelle insgesamt fünf Angestellte. "Unsere Leute sind präsent und warten auf Kundschaft. Es kann vorkommen, dass ein Einziger zum Tanken vorbeikommt, und das war's."

Dann wieder, wenn durch die neue Preissetzung durch die erlaubte Einmalerhöhung um 12 Uhr die Leute auf spätere Zeiten am Tag ausweichen, kann es sein, dass die Kunden plötzlich in Doppelreihen anstehen und sich die Schlange bis auf die Straße zurückstaut. "Diese Kunden drängen natürlich alle auf einmal zum Bezahlen. Das heißt, in solchen Phasen kann es sein, dass uns eine Verkaufskraft fast nicht ausreicht und wir umdisponieren müssen."

Herbert Bauer
Die aktuellen Spritpreise halten derzeit viele Autofahrer vom Tanken ab - und lassen sie in spätere Zeiten am Tag ausweichen. // Jochen Nützel

Wenn sich aber über Stunden nix tut, weil die Preise an der Zapfsäule die Leute abschrecken, dann spürt Herbert Bauer das insbesondere in seinem Shop. Und hier macht der Tankstellenbetreiber sein eigentliches Geschäft, wie er sagt.  "Auch wenn man denken könnte, dass wir das durch die wenigen Stoßzeiten kompensieren können, so trifft das nicht zu. Die Leute schauen genau, entweder selber bei uns oder über die Tank-Apps, wie die Lage ist." Auf die Preise hat der Trebgaster keinen Einfluss. "Die werden uns von unserem Mineralölpartner vorgegeben."

Die Bauers finden ihr Auskommen in der Branche, wie er bekundet. "Dafür haben wir uns breit aufgestellt und immer wieder viel Geld in die Hand genommen." Dank Zuschüssen des Kooperationspartners wurde unter anderem ein Komplettumbau der Waschstraße in Angriff genommen, gefolgt von einer Umgestaltung der Zapfsäulenstraße.

Doch auch unter dem Konstrukt „Familienbetrieb“ genüge es längst nicht mehr, allein den Sprit vorzuhalten. „Die Erwartungen der Menschen haben sich verändert. Mittlerweile bedienen wir Stammkunden, die sich regelmäßig in unserem Shop Brötchen holen, die Zeitung oder den Morgenkaffee.“

Zum Angebot gehören ferner eine freie Werkstatt für alle Marken sowie die Vermittlung von Neu- und Gebrauchtwagen. Herbert Bauer ist seit fast 55 Jahren Autoverkäufer aus Leidenschaft, hat quasi seit Jugendjahren Benzin im Blut. Sohnemann Steffen ist fest im Betrieb integriert und hat bereits die Geschäfte federführend übernommen. „Das alles zusammen hilft, auch künftig ein erträgliches Einkommen für die Familie und die Angestellten zu generieren." Auch in herausfordernden Zeiten wie diesen - mit einer Weltlage, die im Stundentakt Achterbahn fährt.

Interessenverband rügt Vorgehen der Konzerne

Glaubt man Herbert Rabl, bleibt das Preisrodeo wohl noch eine Zeit lang so. Der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands (TIV) habe von Beginn an erwartet, dass der zwischenzeitlich über 100 Dollar gestiegene Ölpreis umgehend an die Autofahrer weitergegeben werden würde - Lagerbestände hin oder her. „Die Vermutung drängt sich auf, dass die Mineralölkonzerne den deutschen Markt nutzen, um zu sehen, was geht: Auch die besagten 2,50 Euro pro Liter waren vorher denkbar.“ 

Doch die Tankstellenpächter würden an den sprudelnden Gewinnen nicht beteiligt, so Rabl. "Sie bekommen den Ärger der Verbraucher ab – und ein oder zwei Cent Provision je verkauftem Liter Sprit. Zugleich verderben die hohen Preise die Stimmung und damit das Shop-Geschäft, das essenziell für die Einnahmensituation ist.“ Kuriosum am Rande: Trotz steigender Zahl an Fahrzeugen sinkt die Zahl der Tankstellen drastisch, laut TIV seit den 1970er Jahren um zwei Drittel. Aktuell verteilen sich demnach über das Bundesgebiet noch etwa 14.500 Stationen.

Die Avia-Station in Trebgast wird es weiterhin geben, sagt Herbert Bauer. "Auch wenn das Geschäftsfeld nicht leichter wird." Zu den besonderen Herausforderungen zählt er zudem die Lage halb im Nirgendwo. Der Standort nahezu exakt in der Mitte zwischen Kulmbach und Bayreuth mache es nötig, genau diese beiden Standorte im Blick zu haben. Hier gebe es eine Vereinbarung mit Avia: "Weil wir etwas abseits liegen, können wir auf die Preise der Mitbewerber reagieren und dürfen den jeweils günstigeren Preis an unsere Kunden weitergeben.“

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