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Förderung
Brückenwerk gibt Beschäftigten eine Struktur fürs Leben
Das  Brückenwerk verschafft Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen Arbeit. Hier verpackt ein Mitarbeiter   Teile für ein Kinderspielzeugmodell.
Das Brückenwerk verschafft Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen Arbeit. Hier verpackt ein Mitarbeiter Teile für ein Kinderspielzeugmodell. // Jonas Christmann
Kulmbach – Das Brückenwerk hilft Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen dabei, wieder Normalität im Alltag zu erreichen. Dabei steht es vor einigen Herausforderungen.

„Aktuell haben wir 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Werkstattleiterin Anja Brunken. 30 Arbeitsplätze gebe es insgesamt.

Psychische Krankheiten sind sehr individuell

Die psychischen Krankheiten der Mitarbeitenden seien „sehr individuell“. Von Schizophrenie bis Depressionen, erläutert sie. Wer finanziert die Einrichtung? „Die Agentur für Arbeit, die Deutsche Rentenversicherung und der Bezirk Oberfranken.“ Hinzu kommen die eigenen erwirtschafteten Erträge, erklärt Anja Brunken.

Das Brückenwerk Kulmbach  an der Ziegelhüttener Straße 28 bietet eine Kapazität von 30 Arbeitsplätzen. Aktuell sind dort 25 Mitarbeitende tätig.
Das Brückenwerk Kulmbach an der Ziegelhüttener Straße 28 bietet eine Kapazität von 30 Arbeitsplätzen. Aktuell sind dort 25 Mitarbeitende tätig. // Brückenwerk Kulmbach

Die Arbeitsbereiche sind vielfältig, die Arbeiten teilweise detailorientiert, einmal mehr – und einmal weniger handwerklich. Von Montage- und Verpackungsarbeiten, Sortier-, Falt- und Nähtätigkeiten über Bohr- und Senkarbeiten bis hin zum klassischen Büroservice, wie Kopieraufträge oder die Erstellung von Mappen.

„Wir machen eigentlich fast alles“, sagt einer der Mitarbeiter. Er betont: „Jeder hat sein eigenes Spezialgebiet.“ Deshalb könne jeder auch seinen Aufgabenbereich wechseln, wenn ihm ein anderer besser liege.

Mitarbeitende: 24 Monate Berufsbildungsprogramm

„Wenn potenzielle Mitarbeitende bei uns anfangen, sind sie zuerst in einem dreimonatigen Eingangsverfahren – das ist eine Art Probezeit“, schildert Anja Brunken. Danach seien sie 24 Monate in einem Berufsbildungsprogramm. Dabei prüft die gelernte Sozialpädagogin, ob die Leistungsfähigkeit soweit gesteigert werden kann, dass eine Wiedereingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt oder eine längerfristige Beschäftigung in der Werkstatt möglich sei.

Anfangs vereinbart sie „sehr viele Einzeltermine mit den angehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das heißt: Sie erklärt ihnen die Hausordnung, das Krankenmeldesystem die Urlaubsplanung und die Arbeitsabläufe. Die Leiterin ist seit zweieinhalb Jahren im Brückenwerk tätig – seitdem habe ein ehemaliger Mitarbeiter den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt geschafft.

Beschäftigte brauchen einen Alltag

Für Anja Brunken steht aber vor allem eines im Mittelpunkt: Sie möchte den Menschen dabei helfen, eine Sinnhaftigkeit im Leben zu erkennen, einen Alltag zu haben, einen Grund zu sehen, jeden Tag aus dem Bett zu steigen. Die verschiedenen Arbeiten in einem strukturierten Alltag helfen ihnen dabei, sagt sie.

Die 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verteilen sich auf drei Gruppen. Eine davon verpackt aktuell Bauteile für einen Subunternehmer von Playmobil. Stolz erzählt einer von ihnen, er könne sich noch genau an den ersten Playmobil-Auftrag erinnern – einen „Feuerwehrkoffer“. Seit August 2022 arbeite das Brückenwerk für den Kinderspielzeughersteller, fügt Werkstattleiterin Brunken an.

Auftrag erfordert besondere Präzision

Im nächsten Raum sitzt ein weiterer Mitarbeiter. Er presst mit einer Maschine kleine bronzefarbene Pins in daumengroße schwarze Lichterstecker. „Wenn ich schnell bin, schaffe ich sechs bis sieben Stück pro Minute“, berichtet er. Am Ende der Woche sei eine große Kiste mit Hunderten der schwarzen Kunststoffteile gefüllt, ergänzt Matthias Knopf, einer der drei Gruppenleiter.

Ein Auftrag erfordert besondere Präzision bei der Planung und Zusammensetzung – der „Zniper Rest“, eine Pfeilauflage für Bogenschützen, den der Weltmeister Michael Meyer aus Waldershof (Landkreis Tirschenreuth) entwickelt habe, erläutert ein anderer Gruppenleiter. Eine Pfeilauflage stütze den Pfeil kurz vor dem Schuss. Durch den individuell-einstellbaren Auslösemechanismus optimiere sie die Flugbahn – unabhängig vom Finger- und Pfeilgewicht.

Problem: Auftragslage des Brückenwerks

Die organisatorische und handwerkliche Unterstützung bei den Arbeitsaufträgen bestimmen den beruflichen Alltag der Gruppenleiter im Brückenwerk. Dazu gehört beispielsweise die Bebilderung der einzelnen Arbeitsschritte oder die Qualitätskontrolle bei den Produkten. Doch eine andere Funktion sei noch von größerer Bedeutung: Die Vorbildrolle gegenüber den Mitarbeitern, betont Matthias Knopf. „Es ist sehr wichtig, ihnen eine Routine zu bieten – einen zweiten Lebensbereich, der von Zuverlässigkeit geprägt ist.“

In der Nachbarschaft ist die Einrichtung anerkannt

Um den 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen gesicherten Arbeitsplatz bereitstellen zu können, brauche es vor allem genügend Aufträge, sagt Anja Brunken. Genau das sei ein Problem. „Wir bekommen aktuell zu wenige.“ Bei geringer Arbeitsauslastung werden den Mitarbeitenden zwar Ersatzangebote gemacht, aber durch kontinuierliche Arbeitsaufträge sei einfach eine bessere Tagesstruktur gewährleistet.

„Spenden sind schön, aber Arbeitsaufträge sind uns wichtiger“, bekräftigt sie. Ist die fehlende gesellschaftliche Akzeptanz neben der Auftragslage ein weiteres Problem? „Nein“, sagt Anja Brunken: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der Nachbarschaft absolut anerkannt.“

Brückenwerk hat Mitte September einen „Tag der offenen Tür“

Was Anlässlich des elfjährigen Bestehns veranstaltet das Brückenwerk Kulmbach einen Tag der offenen Tür.

Wann? Am Freitag, 15. September, von 10 bis 16 Uhr

Wo? Ziegelhüttenerstraße 28, Kulmbach

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