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Kritik am Standort
Spartan Race: Für Händler ein schlechtes Geschäft?
Das Spartan Race nimmt die Kulmbacher Altstadt für ein Wochenende ein. Der Start der Rennen erfolgt am Marktplatz.
Das Spartan Race nimmt die Kulmbacher Altstadt für ein Wochenende ein. Der Start der Rennen erfolgt am Marktplatz. // Alexander Muck/Archiv
Einen Kompromiss wünscht sich Christine Friedlein, die Vorsitzende der Händlervereinigung. Links OB Ingo Lehmann.
Einen Kompromiss wünscht sich Christine Friedlein, die Vorsitzende der Händlervereinigung. Links OB Ingo Lehmann. // Alexander Hartmann
Kulmbach – Etliche Kulmbacher Händler klagen über ein Minusgeschäft beim Sportevent. Sie fühlen sich durch die vielen Absperrungen in der Innenstadt abgeschnitten. Sie fordern eine Verlegung.

Das Spartan Race lockt im Sommer für ein Wochenende Tausende Sportler nach Kulmbach. Es ist ein Ereignis, das etwa bei Hoteliers die Kassen klingeln lässt. Es gibt aber auch Geschäftsleute, denen die Großveranstaltung offenbar Geld nimmt. „Wir könnten am Freitag ab 12 Uhr zumachen“, hat Simone Schultes vom Modegeschäft „Dreams“ in der Spitalgasse beim Treffen von Stadt und Händlern in der Stadthalle erklärt. Kunden kämen wegen der vielen Absperrungen nichts ins Geschäft, die Veranstaltung nehme Einnahmen, sagte Schultes, die sich wie weitere Geschäftsleute wünschte, dass der Start- und Zielbereich aus der Innenstadt heraus zum Schwedensteg oder auch Schwimmbad-Parkplatz verlegt wird.

Keine Zufahrt zum Marktplatz in Kulmbach

Es ist eine Wunsch, den die Inhaberin von „Blumen im Ratskeller“, Karin Klinitzky, teilt. Bei ihr hätten Kunden Bestellungen zurückgenommen, weil sie an dem Wochenende („Bei dem Chaos“) nicht in die Stadt fahren wollten. „Für Lieferanten war nicht einmal ein Be- und Entladen vor der Ladentür möglich, weil alles abgesperrt war“, sagt Klinitzky.

Simone Schultes vom „Dreams“ hat beim Treffen mit der Stadt deutlich gemacht, dass die Kulmbacher Händler  nicht  alle vom  Spartan Race profitieren.
Simone Schultes vom „Dreams“ hat beim Treffen mit der Stadt deutlich gemacht, dass die Kulmbacher Händler nicht alle vom Spartan Race profitieren. // Alexander Hartmann

Auch in der Gaststätte „Zum Petz“ in der Langgasse war am Spartaner-Wochenende weniger los als sonst. Dass seine fränkische Küche bei den Sportlern nicht sonderlich gefragt ist, hat Gastwirt Volker Pausch vermutet. Andere Gäste seien ferngeblieben, weil wegen des Events deutlich weniger stadtnahe Parkplätze zur Verfügung stünden.

Stadt Kulmbach erteilt Verlegung eine Absage

Ob die gewünschte Verlagerung aus der Innenstadt heraus überhaupt möglich ist? Diese wird es definitiv nicht geben, wie eine Nachfrage unserer Redaktion im Rathaus ergeben hat. „Eine Stadt zieht keine Großveranstaltung an Land, um sie dann aus der Stadt zu verbannen“, teilt Pressesprecher Jonas Gleich mit.

Blick zur Kulmbacher Plassenburg

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Es sei der Innenstadt-Charme, der das Spartan Race von Rennen an anderen Standorten abhebe. „Oft findet das Spartan Race auf abgelegeneren Flächen im Außenbereich statt oder beispielsweise in München im Olympiapark. Die verantwortliche Agentur, aber allen voran die Sportler, die zu uns kommen, sind begeistert, weil Start und Ziel mitten in der Stadt liegen“, sagt Gleich.

Jonas Gleich
Stadtsteinachs stellvertretender Bürgermeister Jonas Gleich // Stadt Kulmbach

Eine Verlegung zum Schwedensteg würde diese Besonderheit nehmen, wäre zudem mit einem erheblichem Aufwand verbunden. Strecken müssten neu geplant werden, Grundstückseigentümer angefragt werden, vor allem müsste man am Schwedensteg für die Infrastruktur sorgen. „Am Eku-Platz sind alle nötigen Anschlüsse und Abflüsse vorhanden, da Strom und Wasserleitungen entsprechend im Untergrund verbaut sind.“

Wandert das Spartan Race zum Schwedensteg?

Auch das Argument, dass Parkplätze in der Innenstadt wegfallen, ist aus seiner Sicht nicht ganz schlüssig. Gleich: „Wenn das Spartan Race am Schwedensteg stattfinden würde, wäre der Eku-Platz frei. Allerdings würden dann sämtliche Parkplätze am Schwedensteg wegfallen.“

Er verweist darauf, dass es am Eku-Platz deutlich weniger Stellflächen gibt als am Schwedensteg. „Kulmbach ist so klein, dass bei einer Großveranstaltung immer die meisten Parkplätze belegt sein werden, eine Verlagerung der Veranstaltungsfläche von Parkplatz zu Parkplatz wird zu wenig Entzerrung führen.“ Kunden, die etwas einkaufen wollen, würden immer eine Abstellmöglichkeit finden.

Christine Friedlein
Christine Friedlein, Vorsitzende von „Unser Kulmbach“, bemerkt eine zurückhaltende Stimmung bei den Kunden. // Foto: Katrin Geyer/Archiv

Was der Veranstalter zum geforderten Umzug sagt? Benjamin Höhler, Projektleiter  Spartan Race, macht wie Jonas Gleich deutlich, dass eine Verlegung allein aus organisatorischen Gründen nicht machbar ist. „Das Spartan Race  bedarf einer langen Vorplanung. Den Streckenverlauf so mal eben zu ändern, das ist nichtmöglich“, sagt Höhler, der auch betont, dass die Veranstaltung gerade dadurch ihren Reiz hat, dass sie in der Altstadt stattfindet. „Kulmbach hat seinen besonderen Charme, den die Sportler zu schätzen wissen.“ 

Ein solches Event gebe einer Stadt wirtschaftlich grundsätzlich positive Impulse, man sei sich aber  der Tatsache bewusst, dass nicht jeder Händler profitiere. „Ein Optiker wird an dem Wochenende sicherlich nicht mehr Brillen verkaufen und ist natürlich nicht begeistert, wenn er mit den Einschränkungen konfrontiert wird.“ Man müsse versuchen, diese so gering wie möglich zu halten, sagt Benjamin Höhler, der hofft, dass das Spartan Race über  2024 hinaus in Kulmbach veranstaltet wird.

Händler aus Kulmbach sind gesprächsbereit

Auf eine  Gesprächsbereitschaft setzen auch die Händler.   „Wir sind nicht gegen Spartaner, freuen uns ja, wenn fremde Menschen in die Stadt kommen. Doch es muss eine Lösung gefunden werden, von der alle etwas haben“, hatte die Vorsitzende von „Unser Kulmbach“,  Christine Friedlein, bei der Veranstaltung in der Stadthalle erklärt.

Christine Friedlein fordert einen Kompromiss

 Wie sie  auf Anfrage  mitteilt, wünscht sie sich einen Kompromiss, sollte ein Verlagerung aus der Innenstadt heraus nicht möglich sein.   „Ich könnte mir vorstellen, dass man die Geschäfte, die explizit betroffen  sind, beim Aufbau mit einbindet, damit sie Freiräume erhalten,  ihre Läden während der Veranstaltung nicht zugestellt sind,  diese für  Kunden und Lieferanten gut erreichbar sind.“ Das ist ein Wunsch, den  Karin Klinitzky teilt, die einen weiteren Vorschlag  hat. „Man könnte den Start doch  zum Eku-Platz verlagern, wo sich ja auch das Ziel befindet. Dann wäre der Marktplatz an dem Wochenende frei.“


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