Fußball-Tempel
FCN-Stadion soll moderner werden
Aus dem Max-Morlock-Stadion mit seinen acht Ecken und der Laufbahn um das Spielfeld könnte nach den Vorstellungen von Stadt und 1. FC Nürnberg auch eine Multifunktions-Arena werden.
Aus dem Max-Morlock-Stadion mit seinen acht Ecken und der Laufbahn um das Spielfeld könnte nach den Vorstellungen von Stadt und 1. FC Nürnberg auch eine Multifunktions-Arena werden.
Foto: uslatar, adobe stock
F-Signet von Nikolas Pelke Fränkischer Tag
Nürnberg – Noch gehört das Max-Morlock-Stadion der Stadt. Doch bald könnte der 1. FC Nürnberg mehr Verantwortung für das modernisierungsbedürftige Bauwerk übernehmen.

Acht Ecken, zwei Tore und eine ungeliebte Laufbahn für die Leichtathleten: Das Nürnberger Stadion ist mittlerweile wohl etwas aus der Mode gefallen. Mit einer Machbarkeitsstudie wollen die Stadt und der 1. FC Nürnberg jetzt gemeinsam die drängende Antwort auf die entscheidende Zukunftsfrage nach jahrelanger Debatte endlich klären: Generalsanierung oder Teilneubau lautet die schwierige Aufgabenstellung in der fußballverrückten Stadt.

Studie für das Stadion kostet 325.000 Euro

Nürnbergs zuständiger Bürgermeister Christian Vogel (SPD) und Niels Rossow, Kaufmännischer Vorstand des 1. FC Nürnberg, haben nun im Stadion gemeinsam Details für die geplante Lösung der Stadion-Frage vorgestellt. Demnach soll eine rund 325.000 Euro teure Machbarkeitsstudie in den nächsten sechs Monaten klären, ob ein Teilneubau oder eine Sanierung der richtige Weg ist.

 

„Heute wird ein Meilenstein vollzogen“, freute sich Vogel als zuständiger „Stadion-Bürgermeister“ und dankte Club-Finanzvorstand Rossow ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit. „Wir wollen gemeinsam einen Erfolg erzielen“, sagte Vogel am Dienstag und erntete Zustimmung vom Club-Vorstand. „Das ist der Startschuss für etwas Großes“, bestätigte Rossow.

Stadion-Projekt bis 2029 beenden

Schon im nächsten Frühjahr soll das beauftragte Planungsbüro von „Projektpro“ aus Frankfurt die Ergebnisse vorlegen. Zuletzt hätte sein Team die Pläne zur Modernisierung des Berliner Olympiaparks und des Karlsruher Wildparkstadions vorangetrieben, sagte Immanuel Geis von Projektpro. Noch vor dem nächsten Sommer soll der Stadtrat im nächsten Schritt über das weitere Vorgehen entscheiden. „Wir wollen 2024 tatsächlich das Go geben, damit wir das Stadion-Projekt bis 2029 beenden können“, sagte Bürgermeister Vogel und erklärte, bewusst an dem ehrgeizigen Zeitplan trotz Finanznot, Krisen & Co. festhalten zu wollen.

Dummerweise gibt es allerdings gleich zwei Haken. Die Stadt hat erstens kein Geld. Und der Club schießt zweitens (noch) zu wenig Tore. Ein neues Stadion könne die Stadt dem Verein daher wohl selbst beim bestem Willen nicht auf dem goldenen Präsentierteller servieren, betonte Vogel. Dafür fehle Nürnberg einfach das nötige Kleingeld. „Die Haushaltslage sieht leider fürchterlich aus“, gab Vogel zu. „Wir können daher nicht einfach ein Stadion für 150 bis 200 Millionen Euro bauen. Das wird nur gemeinsam gelingen – mit dem Club, der Wirtschaft und der Stadt Nürnberg zusammen“, sagte Vogel.

Verkauf des Geländes ist keine Option

„Wer nicht mit Mut in die Zukunft schaut, muss das Stadion-Projekt zu den Akten legen“, ergänzte er im Hinblick auf durchaus vorhandene Risiken und kündigte deshalb an, völlig offen in die Stadion-Debatte gehen zu wollen. „Nur einen Verkauf des Geländes kann ich mir derzeit nicht vorstellen“, erklärte Vogel und betonte, dass ansonsten alle Optionen auf den Tisch kommen müssten. „Mein Ziel ist es, die Kosten für das Stadion auf Null zu drücken.“

Derzeit sei das Stadion für die Stadt ein Draufzahlgeschäft. Laut dem aktuellen Finanzplan rechnet die Stadt als Betreiber bis zum Jahr 2025 mit Verlusten in Höhe von insgesamt rund 5,5 Millionen Euro. Hinzu kommen Abschreibungen in Höhe von weiteren knapp acht Millionen Euro. Im Rathaus wird kein Hehl daraus gemacht, dass der kostspielige Unterhalt derzeit auf Sparflamme läuft und nur noch auf die Substanzerhaltung ausgerichtet ist. Als Reparaturaufwendungen werden in den nächsten drei Jahren beispielsweise jeweils „nur“ rund eine Millionen Euro veranschlagt. Eigentlich müssten laut Bürgermeister Vogel rund 30 Millionen Euro investiert werden, um allein den Ist-Zustand zu erhalten.

Profifußball in Nürnberg in Gefahr

Ein Knackpunkt bei der drängenden Stadion-Frage dürfte die sportliche Talfahrt des 1. FC Nürnberg sein. In der Zweiten Bundesliga bezahlt der „Club“ als Hauptmieter für die Austragung seiner Heimspiele lediglich rund 1,5 Million Euro pro Jahr. Trotzdem müsste dringend an der „Atmosphäre“ im Morlock-Stadion gearbeitet werden, sagte Club-Vorstand Rossow am Dienstag gemeinsam mit Bürgermeister Vogel auf dem Podium. „Wenn in dem Stadion nichts passiert, könnten wir in zehn Jahren wahrscheinlich nicht mehr Profifußball in Nürnberg spielen“, warnte Rossow weiter.

Almosen erwartet der Club allerdings nicht. „Wir erwarten kein Geschenk der Stadt.“ Stattdessen wolle Rossow seine guten Kontakte in die regionalen Wirtschaft spielen lassen. „Wir haben die Möglichkeit, die Verbindung zur Wirtschaft herzustellen“, betonte der Vereinsvertreter. Ein „reines“ Fußball-Stadion müsse am Ende nicht unbedingt dabei herauskommen. Rossow kann sich auch eine Multifunktions-Arena vorstellen, um das Stadion für andere Vereine und andere Sportarten aus der Metropolregion attraktiv zu machen.

Investor für das Stadion wäre willkommen

Apropos: Mit der Machbarkeitsstudie wollen Club und Stadt nun wohl die Voraussetzung dafür schaffen, einen dritten Partner mit einer vielversprechenden Studie ins Boot zu holen. „Vielleicht gibt es einen ,Weißen Riesen`, der das Stadion als Finanz-Investor übernehmen will“, warb Vogel ganz non-chalant um finanzkräftige Investoren und machte sich im Hinblick auf die anstehenden Verhandlungen keine Illusionen. „Beim Stadion geht es nur ums Diridari.“ Aber zumindest sei das Stadion für die Stadt immer noch billiger als Opernhäuser oder Kulturtempel zu haben, konnte sich Vogel als bekennender Club-Anhänger wohl einen Seitenhieb auf die aktuellen Diskussionen rund um die Verabschiedung des bevorstehenden Sparhaushalts nicht verkneifen.

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