1. Das Spiel
Was für ein Start. Ein blitzsauberes Kopfball-Eigentor von Ebrahim Farahnak brachte die 05er im Derby früh in Führung. Ein perfekter Start, der den Gastgebern nach drei Heimniederlagen in Folge die erhoffte Sicherheit gab. Aber die Kickers gaben nicht auf, kämpften sich ins Spiel zurück und wurden für ihr Engagement zu Beginn der zweiten Halbzeit belohnt, als Fabian Wessig aus 25 Metern egalisierte.
Mit einem Schuss, den FC 05-Keeper Lukas Schneller hätte halten müssen. Ausgerechnet Würzburgs Torschütze handelte sich dann eine Ampelkarte ein. Just, als die Gäste drauf und dran waren, das Spiel endgültig zu drehen. Treffen sollten nur noch die Schweinfurter: durch Sebastian Müller nach einem Zuspiel von Martin Thomann. Die Kickers waren geschlagen, die 05er als Meister aufgestiegen.
Der 1. FC 05 Schweinfurt ist Drittligist
2. Der Erfolgs-Trainer
Einszweidrei – Oberkörper frei. Als nichts mehr explodierte, tat es Victor Kleinhenz. Der 33-Jährige ist nicht nur der Übungsleiter seiner Mannschaft, sondern immer noch ein Fan seines Vereins. Wie auch vom 1. FC Köln. Noch so ein emotional-verrückter Verein, der wie die Faust aufs Auge passt zur Fußball-Liebe des bodenständigen Wartmannsrothers. Nach einer von mehreren Bierduschen zog Vicky tatsächlich blank, drehte einen Teil seiner Ehrenrunde oben ohne, um später in den Interviews seiner Mannschaft und dem Verein zu huldigen. Ein echter Teamplayer halt.
3. Schweinfurt ist grün-weiß
Zum Saison-Höhepunkt hatten die Schweinfurter Fans noch einmal alles gegeben. Mit einem grünen Fahnenmeer und einer feinen Choreografie. Da wurde angefeuert und gesungen, dass das grün-weiße Herz vor Freude hüpfte. Auch in den schwächeren Phasen der Saison bildeten Fans und Mannschaft eine Einheit, als wichtige Basis für den sportlichen Erfolg. Bleibt zu hoffen, dass dieses Band in der neuen Saison hält, wenn Mannschaften wie 1860 München, Alemannia Aachen, Rot-Weiß Essen, Hansa Rostock oder Waldhof Mannheim das Sachs-Stadion stimmungstechnisch knechten wollen.
4. Die Chaoten
Als die 05er das zweite Mal gegen die Kickers führten und zeitgleich die SpVgg Bayreuth in Burghausen zurücklag, war klar: Hier und jetzt würden die Schnüdel Meisterschaft und Aufstieg klar machen. Damit schlug die Stunde der gewaltbereiten Würzburger Anhänger, die große Mengen von Pyro-Material ins Stadion geschmuggelt hatten und davon auch Gebrauch machten. Raketen flogen aufs Spielfeld sowie in den Zuschauer-Bereich, Böller explodierten neben den Ordnungskräften.
Das asoziale, kriminelle und gefährliche Gebaren sorgte für mehrere Unterbrechungen – aber nicht für den von den Chaoten erhofften Abbruch. Spieler, Verein und Fans der Rothosen schämten sich für die Unbelehrbaren, die ihrem Verein einen Bärendienst erwiesen: Geld weg. Sympathien weg. „Die Vorkommnisse werden sportgerichtlich aufgearbeitet und mit aller Härte der Statuten geahndet. Solche Menschen haben auf unseren Fußballplätzen nichts verloren“, hieß es später von Seiten des BFV.
5. Respekt vor diesem Schiedsrichter
Chapeau Markus Pflaum. Nicht nur, dass der Schiedsrichter vom SV Dörfleins am Freitagabend sein 200. Regionalliga-Spiel pfiff, dafür von BFV-Präsident Christoph Kern vor dem Spiel ausgezeichnet wurde. Auf dem Platz souverän, veredelte der 48-Jährige seine Spielleitung im Umgang mit den unrühmlichen Vorkommnissen im Gäste-Block. Der Oberfranke musste zwar mehrmals ´das Derby unterbrechen, brachte das Spiel aber regulär zu Ende. Der von den Würzburger Chaoten erhoffte Spielabbruch fand also nicht statt, die Meisterschaft in der Regionalliga Bayern wird kein (neuer) Fall für das Sportgericht.
6. Die grandiose Kulisse
Wer am Spieltag noch kein Ticket hatte, der wurde nervös. Nachdem es wenige Tage zuvor noch hieß, es würden bis zu 8000 Zuschauer im Sachs-Stadion erwartet, steigerte sich das Derby-Interesse gefühlt stündlich. Auf den Social-Media-Kanälen wurde die erwartete Besucher-Zahl nach oben korrigiert: auf 10.000. Irgendwann hieß es, unbestätigt, es gäbe nur noch 1000 Karten an der Abendkasse. Wer wollte, kam jedenfalls auch rein in den grün-weißen Fußball-Tempel. Offiziell bildeten knapp 12.000 Zuschauer eine beeindruckende Kulisse.
7. Die ausbaubare Organisation
Es ist die alte Leier. Strömen die Fans ins Sachs-Stadion, zeigen sich organisatorische Defizite. Dass mal wieder der Volksfestplatz als Parkfläche wegfiel aufgrund des stattfindenden Volksfestes war Künstler-Pech. Da musste der Anreisende halt ein bisschen eher kommen und ein Stück weiter laufen. Grenzwertig, nicht zuletzt aufgrund der hohen Temperaturen, waren schon die Schlangen am Stadion-Eingang, die sich bis zur Niederwerrner Straße zogen.
Auch wer bereits ein Ticket hatte, musste sich bis zu einer halben Stunde die Beine in den Bauch stehen. Hochfrequentiert ob der Hitze waren im Stadion die Getränkestände, wo lange Schlangen ebenfalls das Besuchs-Erlebnis trübten. In der 3. Liga rechnet der Verein mit einem Zuschauerschnitt von 5000. Da muss organisatorisch nachgebessert werden.
8. Jetzt wird malocht
Noch ehe der Titel und damit der Aufstieg in die 3. Liga unter Dach und Fach war, hatte die Stadt Schweinfurt einen städtischen Zuschuss in Höhe von 3,62 Millionen Euro genehmigt, um das Sachs-Stadion drittligatauglich zu machen. Insgesamt werden die notwendigen Maßnahmen, zu denen das Einbauen einer eine Rasenheizung gehört, knapp 5 Millionen kosten. Auf den Verein warten damit große bauliche Herausforderungen, während die sportliche Leitung ab sofort den Kader aufpimpen muss. In allen Mannschaftsteilen.
9. Im Zeichen der guten Sache
Das war ein starkes Signal für die Organspende vor imposanter Saison-Rekordkulisse im Sachs-Stadion: Vor dem Derby hatten BFV-Präsident Christoph Kern und Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach auf die Wichtigkeit von Organspenden aufmerksam gemacht. Beide Teams liefen mit einem großen Organspende-Banner ein, die Unparteiischen trugen ebenso wie die Ball- und Einlaufkinder Sondertrikots. Zudem verteilte der Bayerische Fußball-Verband Organspende-Ausweise unter den Besucherinnen und Besuchern.
10. Die Statistik zum Spiel
FC Schweinfurt 05 - FC Würzburger Kickers 2:1 (1:0)
Schweinfurt: Schneller - Langhans, Zeller, Meißner, Piwernetz (56. Trslic) - Angleberger, Böhnlein - Müller, Endres, Thomann - Dellinger (80. Einsiedler).
Würzburg: Hipper - Montcheu, Hägele, Zaiser, Wieselsberger - Wessig, Zaiser, Meisel - Fesser (75. Awassi), Japaur (75. Endres), Junge-Abiol (63. Harz).
Schiedsrichter: Markus Pflaum (SV Dörfleins).
Zuschauer: 11.968.
Tore: 1:0 Ebrahim Farahnak (6., Eigentor), 1:1 Fabian Wessig (49.), 2:1 Sebastian Müller(66.).
Gelb-Rot: Fabian Wessig (Würzburg, 57.).













