Basketball
Der nächste Schock für Medi Bayreuth
Nach Geschäftsführer Johannes Feuerpfeil (li.) zieht sich auch Alleingesellschafter Carl Steiner (re.) im Sommer von Medi Bayreuth zurück.
Nach Geschäftsführer Johannes Feuerpfeil (li.) zieht sich auch Alleingesellschafter Carl Steiner (re.) im Sommer von Medi Bayreuth zurück.
Peter Mularczyk
Christian Schuberth von Christian Schuberth Fränkischer Tag
Bayreuth – Inmitten der größten sportlichen Krise seit Jahren geht dem Bundesligisten Medi Bayreuth eine Führungsfigur nach der anderen verloren. Nach dem Geschäftsführer hört auch der Allein-Gesellschafter auf.

Der alleinige Gesellschafter der BBC Bayreuth Spielbetriebs GmbH, Carl Steiner, hat am Montagnachmittag angekündigt, sich mit dem Saisonende in der Basketball-Bundesliga zurückzuziehen. Erst eine Woche zuvor hatte schon Geschäftsführer Johannes Feuerpfeil seinen Abgang im Sommer verkündet, weil er eine neue Herausforderung sucht.

Nun muss sich nach Brose Bamberg auch der zweite oberfränkische Erstligist auf die Suche nach neuen Eigentümern machen. Bei den Domstädtern hatte jüngst Hauptgesellschafter Michael Stoschek seinen Rückzug angekündigt. Seine Firma Brose steht dann auch als Namenssponsor nicht mehr zur Verfügung.

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Erst Tischtennis, dann Basketball

Carl Steiner stieg 1984 zusammen mit seinem Bruder Horst beim damaligen Zweitligisten Olympia USC Bayreuth ein und integrierte den angeschlagenen Verein in den bereits von dem Duo gegründeten TTBG Steiner Optik Bayreuth, der eine Mannschaft in der Tischtennis-Bundesliga hatte.

Dank der finanziellen Unterstützung der Steiner-Brüder, die die von ihrem Vater gegründete Firma Steiner Optik führten, kamen die Bayreuther Basketballer bis an die deutsche Spitze, holten 1988 den deutschen Basketball-Pokal und ein Jahr später sogar die Meisterschaft.

Nach dem Ausscheiden seines Bruders Horst im Jar 1990 fungierte Carl Steiner zunächst als Präsident, später als Gesellschafter und ab 2019 als Alleingesellschafter der BBC Bayreuth Spielbetriebs GmbH.

Durch die jüngste Heimniederlage gegen Aufsteiger Rostock sind die Bayreuther auf den letzten Tabellenplatz zurückgefallen.  Hier versucht Kay Bruhnke vergeblich, den Rostocker Till Gloger am Korbwurf zu hindern.
Durch die jüngste Heimniederlage gegen Aufsteiger Rostock sind die Bayreuther auf den letzten Tabellenplatz zurückgefallen. Hier versucht Kay Bruhnke vergeblich, den Rostocker Till Gloger am Korbwurf zu hindern.
Peter Mularczyk

„Unvorstellbare Höhen, bittere Tiefen“

Der 68-jährige Mäzen blickt auf sein Wirken zurück: „Gemeinsam mit der Bayreuther Basketballgemeinschaft habe ich unvorstellbare Höhen, aber auch bittere Tiefen erlebt. Beides möchte ich nicht missen. Über einen langen Zeitraum habe ich mich persönlich, wirtschaftlich und finanziell enorm engagiert.“

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Corona-Krise trägt Mitschuld

Seinen Rückzug begründet Carl Steiner auch mit der Pandemie. „Wie jeder aus seinem täglichen Leben weiß, hat die Corona-Krise zu gewaltigen Umwälzungen in der Gesellschaft sowie in der Wirtschaft geführt. Dies hat die erfolgreiche Führung von Medi Bayreuth erheblich erschwert. Es ist für einen kleinen Standort wie Bayreuth immer schwieriger geworden, in der 1. Liga zu bestehen. Den persönlichen Aufwand, der erforderlich ist, um den Bayreuther Basketball in eine erfolgreiche Zukunft zu führen, kann und will ich nicht mehr leisten.“

Seine künftige Lebensplanung lasse den notwendigen Aufwand für den Basketball-Verein nicht mehr zu. Daher werde er sich zum Saisonende am 30. Juni als Gesellschafter zurückziehen.

Abstieg als Chance

Die „prekäre sportliche Situation“ habe seine Entscheidung aber „nicht beeinflusst, da ein eventueller Weg in die ProA durchaus interessante Chancen bietet, vor allem für lokale Talente“.

Seine erste Saison als Bundesliga-Chefcoach hat sich Lars Masell ganz anders vorgestellt. Mit Medi Bayreuth taumelt er Richtung Pro A.
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Peter Mularczyk

Carl Steiner wolle in seiner verbleibenden Zeit sein „volles Engagement einbringen, um einen geordneten Übergang zu einer neuen Gesellschafterstruktur zu gewährleisten. Nach fast 40 Jahren ist es einfach an der Zeit für eine grundlegende Veränderung, für frischen Wind, für eine neue, andere Zukunft für den Bayreuther Basketball auf einer breiteren Basis“.

Wie Steiner in seiner Erklärung weiter verlauten lässt, habe er den Aufsichtsrat und die Geschäftsführung von Medi Bayreuth „gebeten, neue Gesellschafter zu finden, die den professionellen Bayreuther Basketball in Zukunft gestalten und prägen wollen.“ Diesbezüglich zeigt sich der langjährige Mäzen zuversichtlich: „Ich gehe fest davon aus, dass dies in den nächsten vier bis acht Wochen gelingen wird.“

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