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Kulmbacher Ski-Talent
Finn Weigel vor großem Karrieresprung
Ski nordisch: Der Katschenreuther Skispringer Finn Weigel
Der Katschenreuther Finn Weigel springt mit elf Jahren bereits um die 50 Meter weit. Nun will er an eine Eliteschule des Sports wechseln. // privat
Die Ochsenkopfarena in Bischofsgrün im Fichtelgebirge
Die Ochsenkopfarena in Bischofsgrün im Fichtelgebirge // Philipp Roderer
Kulmbach/Katschenreuth – Finn Weigel aus Kulmbach gehört zu den größten deutschen Talenten im nordischen Wintersport. Nun steht der Elfjährige vor der ersten großen Entscheidung in seiner Karriere.

Mit Jacob Schramm hat es bislang erst ein Kulmbacher in den Elitekader des Deutschen Skiverbandes geschafft. Der Frankenwälder feierte jüngst in Kitzbühel sein Weltcup-Debüt in der Abfahrt. Auch Finn Weigel aus dem Kulmbacher Stadtteil Katschenreuth träumt von einer großen Karriere im Wintersport. Ob im Skispringen oder in der Nordischen Kombination – „das weiß ich noch nicht“, sagt Finn, der aber auch noch ein bisschen Zeit hat, um sich zu entscheiden. „Die Spezialisierung findet meist so mit 14 Jahren statt“, erklärt Philipp Roderer, Stützpunkttrainer am Landesleistungszentrum Fichtelgebirge, wo Finn derzeit trainiert.

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Lag Finns Vorliebe bislang beim Springen, so hat er inzwischen auch am Langlauf Gefallen gefunden. „Ich bin da inzwischen auch gut dabei“, sagt der Elfjährige. Vorerst muss er bei offiziellen Wettkämpfen noch beides machen, Springen und Laufen. So will es der Deutsche Skiverband im Schülerbereich. Für seinen Trainer Philipp Roderer stehen Finn alle Optionen offen. "Er hat ein leichtes Körpergerüst und eine hohe Beweglichkeit. Damit hat er alle Möglichkeiten." Ob er mal Spezialspringer oder Nordisch-Kombinierer wird, müsse sich nach der Pubertät zeigen. "Man muss gucken, wie ihn das verändert." 

Finn Weigel in voller Montur mit seinen breiten Sprungskiern
Finn Weigel in voller Montur mit seinen breiten Sprungskiern // Familie Weigel

Finn Weigel, der im April seinen 12. Geburtstag feiert, gehört in der Nordischen Kombination zu den Besten seines Alters in Bayern. „Ich stehe im Bayerncup auf Rang 3“, sagt der junge Katschenreuther mit Stolz. Ein Bayerncup-Wettbewerb steht noch aus. Der sollte in Bischofsgrün und Neubau ausgetragen werden, musste jedoch erstmal wegen Schneemangels im Fichtelgebirge verschoben werden. „Zur Not wird es eben ein Mattenspringen“, sagt Philipp Roderer.

Sieg bei "Jugend trainiert für Olympia"

Vor ihm liegen nur Arik Strein aus Partenkirchen und Niklas Kringe aus Oberstdorf. Gemeinsam mit ihnen feierte Finn Weigel 2023 seinen bislang größten Erfolg. Denn das bayerische Trio gewann in Schonach den Bundeswettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“. Das ist eigentlich ein Vergleich der Schulen, doch im Nordischen Wintersport stellen die Landesverbände Teams aus verschiedenen Schulen zusammen. „Der Erfolg hat uns schon gefreut. Wir haben schon erwartet, dass die drei Jungs, die alle sehr stark sind, vorne dabei sind“, sagt Roderer. Die Konkurrenz war mit 30 Mannschaften und rund 100 Einzelstartern sehr stark.

Auch im Deutschland-Cup ist Finn Weigel gut unterwegs. So belegte er bei den jüngsten beiden Wettkämpfen in Johanngeorgenstadt die Plätze 7 und 13 unter 89 Startern der Altersklasse 12/13 in der Nordischen Kombination.  

Ski nordisch: Der Katschenreuther Skispringer Finn Weigel
Der Katschenreuther Finn Weigel steht // privat

Doch nun steht Finn Weigel vor der ersten wichtigen Weichenstellung seiner Karriere. Im Sommer will er von Katschenreuth in den sächsischen Wintersportort Klingenthal ziehen. In dem knapp 8000 Einwohner großen Städtchen im Vogtland wird er das Sportgymnasium besuchen und im Internat wohnen.

Dort wird er auf die ein Jahr älteren Magdalena Hacker aus Gefrees und Mara Häfner aus Bischofsgrün treffen, die beide schon im vergangenen Jahr den Schritt vom Bischofsgrüner Stützpunkt nach Klingenthal gewagt haben. Beide gehören zu den Besten in der Altersklasse 12/13 in Deutschland. Mara Häfners Bruder Timo (14) dagegen, der dem deutschen C-/D-Kader der Nordischen Kombinierer angehört, hat sich für das Sportinternat in Oberstdorf entschieden. Insgesamt 43 Eliteschulen des Sports gibt es in Deutschland, nur sieben für Wintersportler.  Klingenthal hat den Status eines Bundesstützpunktes für Nordische Kombination und Skispringen.  

Finn Weigel zeigt stolz Medaille und Pokal für Platz 2 beim Bayerischen Schülercup in der Rhön.
Finn Weigel gehört in Bayern zu den besten Drei in seiner Altersklasse. // Familie Weigel

Gute Noten sind Pflicht

Einfach anmelden kann man sich für diese Schulen nicht. „Man muss zum einen gute Noten haben, dann noch einen Sporttest bestehen“, erklärt Finn Weigel. Beides ist für den Sechstklässer des Caspar-Vischer-Gymnasiums kein Problem. Ebenso wenig wie ein positives Empfehlungsschreiben seines Stützpunkttrainers Philipp Roder. Er sieht Finns bevorstehenden Wechsel mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Natürlich hätte ich ihn gerne weiter ausgebildet. Wir haben mit dem neuen BLSV-Sportcamp, in dem wir oft trainieren, den Schanzen in Bischofsgrün und den Loipen in Neubau optimale Bedingungen und müssen uns nicht hinter einem Bundesstützpunkt verstecken.“

Der Nordische Kombinierer Finn Weigel aus Katschenreuth
Der Nordische Kombinierer Finn Weigel aus Katschenreuth sitzt auf der großen K64-Schanze der Ochsenhof-Arena in Bischofsgrün. // Philipp Roderer

 Doch weiß auch Roderer, dass Leben, Lernen und Trainieren an einem Ort für den Athleten deutlich leistungsfördernder ist, als wenn man wie Finn jedes Mal für die An- und Rückfahrt zum Training eineinhalb Stunden im Auto sitzt. Und die 42 Kilometer von Katschenreuth nach Bischofsgrün nimmt die Familie Weigel derzeit bis zu fünf Mal in der Woche auf sich. Vater Mathias Weigel sagt:  „Der Wechsel ans Skigymnasium macht Finns Alltag geregelter. So hat er kürzlich Freitag früh noch eine Schulaufgabe geschrieben, ehe ich ihn zu einem Wettkampf nach Oberstdorf gefahren habe“.

Die geringe Entfernung war auch ein Argument für Klingenthal. So können die Weigels den sächsischen Wintersportort, wo alljährlich auch der Skispringer-Weltcup stattfindet, mit dem Auto in eineinhalb Stunden erreichen.

Philipp Roderer hält die Entscheidung der Familie Weigel für Klingenthal für richtig. „Es wäre schade, wenn man sein Potenzial vergeuden würde. Mit dem Wechsel an ein Ski-Internat schlägt er nun den Weg zum Profi ein“, sagt der Stützpunkttrainer. „Das richtige Zeitfenster, dorthin zu wechseln, sei das Alter zwischen 12 und 15 Jahren. „Die Grundlagen für späteren Leistungssport werden im Jugendalter gelegt. Um vorne dabei zu sein, muss man fünf bis sechs Trainingseinheiten a zwei Stunden in der Woche absolvieren. Wenn die Eltern ihre Kinder dann auch noch lange zum Training fahren müssen, ist das ein unheimlicher Aufwand für die Familie und den jungen Sportler.“

Höhentraining in Südtirol

Finn Weigel befindet sich aktuell mit seiner Familie im Urlaub in Südtirol. Die vierköpfige, sportliche Familie – Vater Mathias kickt beim Landesliga-Aufsteiger VfR Katschenreuth – fährt auf der Seiser Alm Alpinski und macht auch Langlauf – damit Finn in Form bleibt. „Es ist hier wie ein Höhentraining“, sagt Mathias Weigel lachend.

Gleich nach seiner Rückkehr wird Finn wieder in Bischofsgrün auf der Matte stehen. Denn die Schanzen sind aufgrund der hohen Temperaturen mittlerweile alle fast schneefrei. „Wir gehen schon wieder zum Mattenspringen über“, sagt Philipp Roderer. Noch springt Finn Weigel auf der K30-Schanze, hat sich aber auch schon in die Anlaufspur des höchsten Turms der Ochsenkopf-Arena gestürzt, der K65-Schanze. Auf ihr wird das Talent aus Katschenreuth ab Mai springen. „K bedeutet Konstruktionspunkt, wo der Aufsprunghügel ins Flache übergeht. Da wird das Landen bei jedem Meter weiter schwieriger. Die rechnerisch größte Weite beträgt hier 71,5 Meter, aber man kann auch weiter springen“, erklärt Philipp Roderer.

 In der Vogtland-Arena am Schwarzberg bei Klingenthal erwarten Finn Weigel noch größere Schanzen. „Eine K80-Schanze sollte er mit 15 Jahren springen können“, sagt Roderer. Erst wenn er die sicher beherrscht, darf er auf die große K125-Meter-Schanze, wo der Schanzenrekord bei 146,5 Metern liegt.

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