Große Ehre für Merlin Hummel. Drei Tage nach seinem Gewinn der Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft in Tokio wurde der Hammerwerfer zusammen mit den anderen bisherigen deutschen Medaillengewinnern, Malaika Mihambo und Amanal Petros von der deutschen Botschafterin in Japan, Petra Sigmund, empfangen. Und Hummel hatte sogar die Ehre, im Garten der Botschaft die deutsch-japanische Freundschaftsglocke läuten zu dürfen.
Merlin Hummel hat bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Tokio nicht weniger als Geschichte geschrieben, war er doch Teil des besten Hammerwurf-Wettkampfs aller Zeiten. Über Nacht ist der 23-jährige Kulmbacher vom Hoffnungsträger der deutschen Leichtathletik zum Helden mutiert.
Mit der ersten deutschen WM-Medaille im Hammerwerfen seit 20 Jahren hat es Merlin Hummel zu bundesweiter Berühmtheit gebracht. Und vielleicht das ein oder andere Kind zu dem Gedanken inspiriert: "Das will ich auch machen!" Denn jede Sportart braucht Vorbilder. Und das ist der intelligente und geerdete Merlin Hummel zweifellos, wie er erst kürzlich mit einem eloquenten Auftritt im ZDF-Sportstudio unter Beweis gestellt hat. So einer wie Hummel ist für die Deutsche Leichtathletik Gold wert.
Zeit der Kolosse ist vorbei
Im Hammerwerfen ist die Zeit der plumpen Kolosse vorbei. Die Zukunft gehört muskulösen, aber austrainierten Modell-Athleten wie Ethan Katzberg und Merlin Hummel, die sich mit ihren flinken Beinen so schnell wie keiner zuvor im Ring drehen und damit den Hammer auf eine enorm hohe Geschwindigkeit bringen. Der fast 40 Jahre alte Weltrekord des Ukrainers Jurij Sjedych - er starb 2021 mit nur 66 Jahren - von 86,74 Metern ist für die neue Generation Hammerwerfer schon in Reichweite. Zumal viele Hammerwerfer ihren Leistungszenit erst im Alter von um die 30 Jahre erreichen und Hummel und Katzberg erst 23 Lenze zählen.
Ergebnis akribischer Arbeit
Merlin Hummels Erfolg ist kein Zufall, sondern Ergebnis akribischer Arbeit und Selbstdisziplin. Der 23-Jährige lebt zu 100 Prozent für den Sport, ist äußerst trainingsfleißig und blickt weit über den Rand seines Wurfringes hinaus. So macht sich Hummel seit Jahren Gedanken über die perfekte Ernährung und ist auch sonst immer auf der Suche nach Verbesserungen. Dabei macht sich der Student der Angewandten Künstlichen Intelligenz auch sein Wissen in diesem Bereich zunutze, in dem er eine KI-unterstützte App programmiert hat, die seine Würfe mit denen der Konkurrenten vergleicht.
Alles kleine Bausteine, die einen besser machen - und auf höchstem internationalen Niveau über Zentimeter und Medaillen wie in Tokio entscheiden können.
Martin Ständner: Der Mann hinter Hummel
Der wichtigste Mann hinter Hummels Erfolg ist aber sein Trainer Martin Ständner. Der 69-Jährige frühere Kraftsportler hat 1985 die Werfer-Gruppe des UAC Kulmbach mit aufgebaut und ist seit 40 Jahren ihr führender Kopf. Ständner ist unermüdlich auf der Suche nach Talenten, wirbt in Schulen für die Wurfdisziplinen oder veranstaltet Sichtungstrainings. Bei so einem entdeckte er 2013 den damals elfjährigen Merlin Hummel.
Vor ihm hat Ständner schon einige Rohdiamanten entdeckt und im Wurf-Zentrum Kulmbach-Stadtsteinach geschliffen. Unzählige Deutsche Meister und 15 Nationalkaderathleten hat der UAC hervorgebracht. Die meisten sind allerdings nach dem Junioren-Alter wieder abgesprungen. Nur Simone Mathes und Merlin Hummel konnte Ständner zu Hochkarätern veredeln, die auch bei den Erwachsenen internationales Niveau erreichten. Doch vielleicht macht ja auch Merlins jüngerer Bruder Matti Karriere. Die Voraussetzungen dazu habe er, meint Ständner.
Der DLV ist widerlegt
Mit Merlin Hummels Erfolg von Tokio hat Martin Ständner zudem den allerletzten Beweis erbracht, das man Spitzensportler auch in der Provinz entwickeln kann und diese nicht wie bis vor Jahren vom Deutschen Leichtathletik-Verband mantraartig gefordert, an große Leistungszentren wechseln müssen. Wichtig allein sind nur ein fachkundiger Trainer, ein Wurfplatz und die richtigen Trainingsgeräte.
Und an all dem fehlt es hier in Oberfranken nicht. So ist Martin Ständner die Hammerwurf-Koryphäe in Deutschland. Und das Wurfzentrum in Stadtsteinach bietet mit seiner ruhigen Lage und top ausgestatteten Trainings-Hütte nahezu perfekte Bedingungen.
Hummel kann sich Wettkämpfe aussuchen
Merlin Hummel stehen nun alle Türen offen. Die ersten größeren Sponsoren sollen schon angeklopft haben. Und sportlich kann sich Hummel im nächsten Jahr die Sahne-Wettkämpfe heraussuchen, nachdem er sich mit seinem Zauber-Wurf von Tokio unter die vier besten der Welt katapultiert hat. Die Einladungen zu den finanziell lukrativen Top-Meetings sind sicher schon unterwegs. Sei es ihm vergönnt, wenn ihm die jahrelange harte Trainingsarbeit nun vergoldet wird.














