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Ski alpin
Schramm kommt der Weltspitze näher
Jacob Schramm bestritt in Kvitfjell sein zweites Weltcup-Rennen und schlug sich dabei achtbar.
Jacob Schramm kam in seiner zweiten Weltcup-Abfahrt seiner Karriere in Norwegen auf Platz 52. // GEPA/Thomas Bachun
Kvitvjell – Jacob Schramm hat seine Weltcup-Rennen Nummer 2 und 3 bestritten, kam aber nur in der Abfahrt am Samstag ins Ziel. Im Super G hatte er Glück im Unglück.

Als der 25-Jährige aus Eppenreuth (Gemeinde Grafengehaig) im Frankenwald bei der Abfahrt am Samstag mit der Startnummer 47 auf die Piste ging, war das ZDF schon lange aus der Live-Übertragung ausgestiegen. Der Sender zeigte gerade mal die beiden ersten deutschen Starter, Romed Baumann und Andreas Sander, und verabschiedete sich bereits nach dem 23. Läufer zum Biathlon. Der 38-jährige Routinier Baumann landete am Ende mit 1:82 Sekunden Rückstand auf dem für ihn enttäuschenden 44. Platz, Sander war auf Rang 30 bester Deutscher und bekam dafür immerhin noch einen Weltcup-Punkt. Simon Jocher verpasste als 33. (1:40 Sekunden zurück) nur knapp die Punkteränge. Auch für den arrivierten Dominik Schwaiger war Rang 50 eine Enttäuschung, zumal er nur 0,06 Sekunden schneller war als Neuling Jacob Schramm in seinem zweiten Weltcup-Rennen. 

Wer die Fahrt von Jacob Schramm in der norwegischen Bilderbuch-Winterlandschaft von Kvitfjell live am Bildschirm sehen wollte, musste zum Bezahlsender Eurosport 1 bzw. Discovery+ wechseln.  Dort fungierte der gerade erst zurückgetretene deutsche Skirennfahrer Josef Ferstl als Co-Kommentator, erklärte, dass seinen bisherigen Teamgefährten "aktuell das Selbstverständnis" fehle. So fuhren sie auch in Norwegen der Musik weit hinterher. 

Niels Hintermann siegt

Einzig auf Jacob Schramm lastete kein Erwartungsdruck von Öffentlichkeit und Trainern,  geht es doch für ihn in seiner Premierensaison auf großer internationaler Bühne nur darum, Erfahrung zu sammeln.  Und der Oberfranke machte wieder einen kleinen Schritt nach vorne,  hatte mit 2,40 Sekunden auf den Sieger Niels Hintermann aus der Schweiz deutlich weniger Rückstand als noch bei seiner Weltcup-Premiere in Kitzbühel, wo er dreieinhalb Sekunden langsamer war als der Schnellste.

Trotzdem zeigte sich Jacob Schramm  nicht ganz zufrieden. "Die Fahrt war okay, aber für die Schneeverhältnisse zu aggressiv. In ein paar Kurven habe ich mir so den Speed abgewürgt. Da muss man den Ski besser fahren lassen. Dass  ich es stellenweise besser kann, habe ich im Training gezeigt", sagt der 25-jährige Oberfranke. In den beiden Trainingsläufen hatte er die Ränge 51 und 36 belegt.

Als Schramm nach seinem Rennen im Ziel war, sei er über den Rückstand schon etwas verwundert gewesen. Natürlich habe er nicht erwartet, "gleich um Weltcup-Punkte mitfahren zu können". Doch eine Sekunde schneller und damit ein Platz in den 30er-Rängen hätte er sich schon zugetraut. "Mit ein wenig mehr Vertrauen ist das auch drin", gibt sich Jacob Schramm selbstbewusst und ehrgeizig zugleich. "Ich bin nicht enttäuscht, hätte mir aber schon ein wenig mehr erwartet."

Vater Harald Schramm verfolgte das Rennen im heimischen Frankenwald. Und er war sehr zufrieden: "Die Fahrt war sehr sauber und sicher, das hat mich sehr beruhigt. Denn was nützt es, wenn du in deinem zweiten Weltcup-Rennen hasardierst und zu viel riskierst? Jacob muss Schritt für Schritt gehen."

Josef Ferstl ist mit Schramm zufrieden

Auch Josef Ferstl äußerte sich positiv über Jacob Schramms Vorstellung: "Es war eine gute, stabile Fahrt. Jacob ist auf einem guten Weg, jeder Weltcup zählt. Er darf nicht überziehen."  Wichtig, so Ferstl, sei für die jungen deutschen Nachwuchsfahrer wie Jacob Schramm und Luis Vogt, der in Kvitfjell verletzt fehlte,  dass sie regelmäßig Weltcup-Luft schnuppern. "Das sind alles Top-Skifahrer. Aber sie müssen sich alles hart erarbeiten." 

Dass die Piste auch für die hohen Startnummern noch Top-Zeiten hergab, bewies der direkt vor Jacob Schramm gestartete Nils Alphand. Der Sohn des früheren französischen Weltklasse-Fahrers Luc Alphand fuhr mit nur 0,94 Sekunden Rückstand sensationell auf Platz 13. Der US-Amerikaner Wiley Maple schaffte es mit Startnummer 49 immerhin noch auf Platz 19.

Verpatztes Weltcup-Debüt im Super G

Am Sonntag  feierte Jacob Schramm in Kvitfjell auch im Super G sein Weltcup-Debüt. Der Oberfranke hatte sich vorgenommen, "nicht so aggressiv", dafür mit Spaß und Lockerheit zu fahren. Schramm, der für SC Bad Aibling startet, ging als Drittletzter der 63 Teilnehmer ins Rennen, schied aber schon nach nicht einmal der Hälfte des Rennens aus, als er mit einem Bein in einem Tor hängen blieb. Einen Sturz konnte Jacob Schramm zum Glück vermeiden. "Das Einfädeln sollte eigentlich im Super G nicht passieren", ärgert sich der Frankenwälder, der "etwas zu steif und verkrampft" gefahren sei. "Natürlich bin ich enttäuscht. Es ist schade, dass ich das, was ich im Training fahre, nicht auch im Rennen zeigen kann. Da stehe ich mir etwas selbst im Wege, das muss ich in den Griff kriegen", weiß der Eppenreuther.  

Für Jacob Schramm waren es die letzten Weltcup-Rennen in dieser Saison. Bis Ende März startete er aber noch im zweitklassigen Europacup. Am Mittwoch steht der Eppenreuther schon wieder bei einem Super G in Sella Nevea auf der Piste, danach geht es in die Schweiz und zum Europacup-Finale erneut nach Kvitfjell.

 

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