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Sportpolitik
Kulmbachs Top-Sportler: So steht's finanziell
Werfertag des UAC Kulmbach 2024 in Stadtsteinach
Olympionike Merlin Hummel steht hinter den Forderungen der deutschen Kaderathleten nach besserer Unterstützung durch den Staat - ist aber skeptisch, woher das Geld kommen soll. // Monika Limmer
Kulmbach – Deutschlands Spitzensportler fühlen sich von Politik und Gesellschaft zu wenig wertgeschätzt. Das neue Sportfördergesetz seit gut gemeint, aber schlecht gemacht, finden sie. Was die Kulmbacher Top-Athleten Merlin Hummel und Jacob Schramm dazu sagen.

Wer Spitzensport betreibt, weiß: Aussorgen kann man am ehesten als Fußballer, und da muss man nicht einmal zu den absoluten Stars gehören. Denn selbst in der 2. Bundesliga verdienen Spieler im Schnitt um die 400.000 Euro (Quelle: DFL-Jahresbericht) pro Saison. Eine Summe, von der man in den meisten anderen olympischen Sportarten nur träumen kann. "23 Prozent der Spitzensportler geben an, dass ihre Einkommenssituation nicht ausreicht, um sich voll auf den Sport konzentrieren zu können", kritisiert der stellvertretende Geschäftsführer von Athleten Deutschland, Maximilian Klein.

Das geplante Sportfördergesetz sei zwar gut gemeint, aber schlecht gemacht. Wenn  Politik und Gesellschaft Medaillen forderten, müssten sie den Sportlern eine größere Wertschätzung entgegenbringen - vor allem in Form einer besseren finanziellen Absicherung. Aber kommt das Gesetz nach dem Platzen der Ampel-Koalition  überhaupt noch in den Bundestag? Unkte doch Maximilian Klein nur einen Tag vorher bei einer Pressekonferenz: "Ein Koalitionsbruch würde wohl die ganze Arbeit zunichtemachen ..."

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Sieben Kulmbacher Kader-Athleten

Doch wie steht es um die finanzielle Situation der Kulmbacher Spitzensportler? Aus dem Landkreis kommen aktuell sieben Bundeskader-Mitglieder in olympischen Sportarten. Fünf davon besuchen noch die Schule und gehören Nachwuchskadern an: der 16-jährige Mountainbikefahrer Elias Hückmann, die Schwimmer Finn-Constantin Kleinheinz (17) und Simon Brugger (15) sowie die Hammerwerfer Matti Hummel (17) und Kai Konopacki (15). Sie erhalten jeweils rund 100 Euro im Monat von der Deutschen Sporthilfe.

Sport-Vollprofis sind dagegen Hammerwerfer Merlin Hummel (23) und Skifahrer Jacob Schramm (25). Beide sind Mitglieder der Bundeswehr und als Sportsoldaten während der Vorbereitung und Wettkampfphase vom Wehrdienst befreit. Zusätzlich zu ihrem Sold erhalten sie von der Deutschen Sporthilfe noch eine monatliche Unterstützung von 150 bis 250 Euro sowie je 250 Euro extra, die zweckgebunden für eine Altersvorsorge verwendet werden müssen.

Einkleidung DSV Nationalmannschaft Nürnberg
Jacob Schramm (rechts) ist der Novize im deutschen Abfahrer-Nationalteam, der 13 Jahre ältere Romed Baumann (links) befindet sich am Ende seiner Karriere. // Christian Schuberth

Jacob Schramm hat sich nach zwei Jahren bei der Sportfördergruppe in Bischofswiesen bis zum Stabsunteroffizier hochgedient. „Mit der Bundeswehr bin ich gut abgesichert“, sagt der 25-Jährige aus Eppenreuth (Gemeinde Grafengehaig), der auch nahe der Jägerkaserne wohnt und trainiert. Sein Sold reiche aus, um seine Wohnung und die Lebenshaltungskosten in Oberbayern zu bestreiten. "Ich kann mich nicht beschweren. Dank einiger kleiner Sponsoren kann ich sogar ein bisschen Geld sparen. Aber Aussorgen könne man damit natürlich nicht. Schramm: "Geld verdienen höchstens die Top-Fahrer wie Marco Odermatt. Das sind im Weltcup vielleicht nur zehn Fahrer pro Generation."

Der Frankenwälder ist selbst Mitglied im Verein der deutschen Kader-Athleten. Natürlich würde auch er sich eine Verbesserung der Bedingungen für Spitzensportler wünschen. "Man muss in der Gesellschaft das Verständnis dafür wecken, dass man Förderung reinstecken muss, um Leistung zu bekommen." 

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Als Weltcup-Neuling ist Jacob Schramm für große Sponsoren noch nicht interessant. Dazu müsste er in seinen Disziplinen Abfahrt und Super-G vorne mitfahren und so überregional bekannt werden.  Doch selbst bei großen Rennen wie in Kitzbühel blenden sich ARD und ZDF oft schon nach den besten 20 Fahrern aus. Jacob Schramm sieht das realistisch: "Die Leute interessieren sich eben nur für die Besten."

Besser als in Deutschland gehe es aber den österreichischen Skifahrern. "Da hat der Wintersport einen ganz anderen Stellenwert. Da bekommen selbst Nachwuchsfahrer schon Sponsorenverträge", weiß Jacob Schramm. 

Dass er mit dem Skifahren wohl nicht reich werden wird, war dem 25-jährigen stets bewusst. Deshalb hat er nach dem Abitur auch ein Sportmanagement-Studium aufgenommen, das er in ein, zwei Jahren abschließen will. Nach seiner Karriere möchte Jacob Schramm gerne weiter im Sportgeschäft tätig sein. "Mich würde ein Job im Fußballbereich interessieren", sagt der Oberfranke, der selbst lange beim FC Frankenwald gekickt hat. Doch vorerst genießt er es noch, dass er sein Hobby Skifahren zum Beruf auf Zeit machen konnte. 

Hummel: Woher soll das Geld kommen?

Merlin Hummels Trainer Martin Ständner steht "voll hinter den Forderungen" der Athleten. "Denn wenn einer über Jahre Hochleistungssport treibt und Deutschland bei EM und WM vertritt, dann soll er auch finanziell davon profitieren."

Merlin Hummel ist selbst noch kein Mitglied bei der Athleten-Vereinigung ("Das hatte ich noch nicht so auf dem Schirm"), findet es aber gut, dass sie sich für bessere Bedingungen einsetzt. "Die neue Sportförderagentur ist sehr sinnvoll. Wenn wir aber wieder eine aufstrebende Sportnation werden wollen, dann müssen wir noch vieles verbessern. In anderen Ländern geht es doch auch", sagt der 22-Jährige, der wie Schramm dank seiner Anstellung bei der Bundeswehr ein gutes Auskommen hat.

Der Hammerwurf-Olympionike erhält schon seit seiner Jugendzeit Unterstützung der Deutschen Sporthilfe. Und weil er immer zu den Besten gehörte, auch fast stets die Höchstsätze. Doch heuer wurde die Zuwendung auf 150 Euro halbiert. Deswegen ist der Kulmbacher auch skeptisch, dass genügend Geld da ist, um die Forderungen der Athleten nach mehr Unterstützung erfüllen zu können.  "Aus welchen Töpfen soll das Geld kommen?", fragt sich Merlin Hummel.

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Auch wenn der Kulmbacher über seine finanzielle Situation "nicht klagen" kann, ist er doch noch weit davon entfernt, durch das Hammerwerfen reich zu werden. Immerhin könnte ihm seine heuer aufgestellte Weltklasse-Weite von 79,25 Metern und Platz 10 bei den Olympischen Spielen die Tür zu lukrativen Einladungswettkämpfen im nächsten Jahr öffnen. Dort gibt es für den Sieger schon mal 10.000 Euro Preisgeld zu gewinnen, und selbst die Platzierten werden noch ordentlich entlohnt.

Auch das Sponsoreninteresse an Hummel wird stetig größer. Doch wie Jacob Schramm denkt auch Merlin Hummel schon an seine berufliche Karriere nach dem Profi-Sport. Bei der Bundeswehr ist der Hammerwerfer inzwischen zum Obergefreiten aufgestiegen und will weitere Dienstränge klettern. Schließlich steigt damit auch das Grundgehalt. "Die Ausbildung bei der Bundeswehr hat mir sehr viel Spaß gemacht", sagt Hummel, der nebenbei aber auch noch sein Studium in Angewandter Künstlicher Intelligenz vorantreibt. Denn dass er durch seinen Sport einmal finanziell aussorgen kann, daran glaubt selbst einer der weltbesten Hammerwerfer nicht. 

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