Diesmal gibt es zur Grünen Woche keine Krise und keinen großen Krach - nach einem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche vor einem Jahr und Bauernprotesten gegen das Aus für Agrardiesel-Vergünstigungen 2024. Die haben die Landwirte zwar gerade zurückbekommen. Zum traditionellen Jahresauftakt bei der Ernährungsmesse in Berlin drücken aber Preiseinbrüche bei vielen Produkten und andere Belastungen auf die Geschäftsaussichten. Die Branche appelliert deswegen auch an die Kunden in den Supermärkten.
Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf 2026: «Der Motor droht bei einigen Betrieben wirklich auszugehen.» Beim Großteil der Höfe stottere er weiter. «Und wir haben nicht mehr viel Zeit, um ein größeres Ausgehen des Motors zu verhindern.» Bei Investitionen gebe es insgesamt absolute Zurückhaltung. «Im Moment fehlen vielen Betrieben schon die flüssigen Mittel dafür.» Hart ins Kontor schlägt dabei gerade vor allem, dass zu erzielende Preise für die Landwirte auf breiter Front absacken.
Preise für Schweinefleisch «desaströs»
«Unsere Produktionskosten liegen teils über dem Erzeugerpreis», beklagte Rukwied. Für Schweinefleisch seien die Preise auf 1,45 Euro pro Kilogramm gesunken. «Das ist desaströs.» Die Preise für Getreide seien auf das Niveau der frühen Achtzigerjahre gefallen, auch bei Zucker und Kartoffeln gebe es Druck. Bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern kamen vor Weihnachten schon mehrere Preissenkungsrunden bei Butter bis auf 99 Cent pro Päckchen an.
Natürlich spiele der Weltmarkt bei der Preisbildung eine Rolle, sagte Rukwied. «Nur: Wir haben keine Weltmarktkonditionen, was die Produktionsbedingungen anbelangt. Wir haben deutlich höhere Standards, zu denen wir auch stehen.» Wenn man die weiterhin wolle, brauche es aber ein deutlich höheres Niveau der Erzeugerpreise. «Sonst wird es ein Beschleuniger für einen Wandel in der Branchenstruktur werden, den wir so noch nicht gekannt haben.»
Appell an Supermarktkunden
Rukwied mahnte mehr Verständnis für den Wert der Lebensmittelerzeugung an. «Wir leben in fragilen Zeiten und gefährden die Ernährungssicherung durch einen massiven Preisdruck für die Bauern als die Ersten in der Kette, ohne die es die Lebensmittel gar nicht gäbe.» Nach den großen Demos sehe man zwar eine höhere Wertschätzung für die Landwirtschaft an sich. «Ich würde mir wünschen, dass sich das an der Ladentheke stärker widerspiegelt, indem mehr Verbraucherinnen und Verbraucher zu hochwertiger deutscher Ware greifen.»
Die Kalkulationen vieler Betriebe sind demnach weiter angespannt, auch wenn zu Jahresbeginn Millionen-Entlastungen für die Branche beim Agrardiesel und den Stromkosten in Kraft getreten sind. Das sei zwingend notwendig gewesen, und man rechne es der Bundesregierung auch positiv an, betonte Rukwied. «Auf der anderen Seite muss man nüchtern und realistisch sehen, dass eine erhöhte CO₂-Bepreisung für Energie einen Teil der Entlastung wieder auffrisst.»
Zuletzt stagnierende Gewinne
Zu Buche schlägt auch die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns von 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde im neuen Jahr. Ein teils doppelt so hohes Niveau wie in anderen EU-Ländern sei schlichtweg nicht mehr wettbewerbsfähig, sagte Rukwied. Die Gewinne der Landwirte stagnierten zuletzt insgesamt. Im Ende Juni abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2024/25 verdienten die Unternehmen im Schnitt 78.500 Euro, wie der Bauernverband im Dezember mitgeteilt hatte. Mit einem kleinen Plus von 0,4 Prozent entsprach das quasi dem Vorjahresniveau.
Für Bundesagrarminister Alois Rainer ist die Grüne Woche vom 16. bis 25. Januar in der Hauptstadt eine Premiere im Amt. Und an den CSU-Mann richten sich unter anderem Forderungen zur Zukunft der Tierhaltung, in der mehr Platz und andere höhere Standards kommen sollen. Doch ungelöst ist seit Jahren die Frage einer gesicherten Mitfinanzierung, damit Höfe nicht allein auf Milliardenkosten für den Umbau von Ställen sitzen bleiben. Vorstöße etwa für Preisaufschläge von 40 Cent pro Kilogramm Fleisch, die eine Kommission vorgeschlagen hatte, versandeten aber. Auch Rainer lehnte das schon ab.
Weiter Zurückhaltung bei Umstieg auf Bio
Rukwied mahnte zuerst einen Rahmen etwa mit einfacheren Bauvorschriften an. Dann müsse ein Budget mit «frischem Geld» für die Bauern kommen. «Mir ist es Wurst, wie das finanziert wird. Hauptsache, es wird finanziert.» Kommen soll auch ein staatliches Tierhaltungslogo - aber erst später. Pünktlich zur Grünen Woche soll der Bundestag beschließen, den auf 1. März 2026 verschobenen Start der Kennzeichnungspflicht zunächst für Schweinefleisch im Handel weiter auf 1. Januar 2027 zu schieben. Das System soll auch nachgebessert werden. Schon seit 2019 gibt es eine eigene Kennzeichnung der Supermarktketten.
Bei der Option, auf Ökolandbau umzusteigen, bleiben viele zurückhaltend, wie Rukwied deutlich machte - obwohl der deutsche Biomarkt 2025 kräftig zugelegt hat. «Es gibt generell einen Anteil von etwa zehn Prozent umstellungswilligen Landwirten. Viele stellen aber im Moment nicht um, weil sie im besten Fall erwarten, dass es dann finanziell gleich bleibt», erläuterte der Bauernpräsident. Am Ende müsse es sich rechnen. «Die Aussichten dafür sind im Moment aber oft einfach nicht gegeben.» Damit Biolandwirtschaft tragfähig sei, brauche es staatliche Fördermaßnahmen, weil Bio einfach in der Produktion teurer sei.









