Es ist kurz vor sieben Uhr früh. Ein Handwerker macht sich auf den Weg zur Arbeit. Auf einem Parkplatz irgendwo in Bamberg wartet der firmeneigene Kleintransporter mit Werkzeug und Material. Die Baustelle muss aber noch warten.
Denn ein Unbekannter hat während der Nacht eine Seitenscheibe eingeschlagen und danach die Fahrerkabine durchwühlt. Dabei hat er nicht nur sein Feuerzeug verloren, sondern auch DNA-Spuren hinterlassen, die ihn später überführen.
Kriminalpolizei Bamberg ermittelt: Spur führt ins Villenviertel
In den hinteren Laderaum hingegen ist er nicht vorgedrungen. Die Beute sind zwei Tankkarten, eine E-Zigarette, ein Ladekabel, ein Steckschlüssel-Satz und ein Paar hochwertige Kopfhörer. Vor allem diese Markenprodukte werden dem Täter zum Verhängnis. Der Handwerker kann sie nämlich mithilfe einer Tracking-App auf dem Smartphone orten. Gemeinsam mit der alarmierten Kriminalpolizei Bamberg macht er sich auf die Suche, erfährt man am Amtsgericht Bamberg.
Weit müssen sie nicht fahren. Das Signal führt die Beamten ausgerechnet in ein nobles Villenviertel. Hier wohnt ein 37-jähriger Mann, der schon mehrfach vor Gericht gelandet ist.
Der Sohn ist das schwarze Schaf der Familie
Meist geht es um Drogendelikte oder um Beschaffungskriminalität. Entweder entwendet er Bargeld oder wertvolle Dinge, die sich auf dem Schwarzmarkt in Rauschgift umtauschen lassen. Dabei ist er der Sohn eines millionenschweren Unternehmers – und das schwarze Schaf der Familie.
Auf Klingeln antwortet niemand. Ein Schlüsseldienst muss kommen. Bei der anschließenden Hausdurchsuchung findet man nicht nur den Tatverdächtigen schlafend in seinem Bett. Es tauchen auch all die gestohlenen Gegenstände im Wert von etwa 500 Euro wieder auf.
Der Handwerker kann die Sachen wieder mitnehmen. So bleibt es „nur“ beim Sachschaden am Wagen von rund 800 Euro.
Am Amtsgericht Bamberg: Angeklagter sollte eigentlich im Gefängnis sitzen
Im Verlauf des Prozesses am Amtsgericht Bamberg kommt heraus, dass der Mann auf der Anklagebank eigentlich hinter Gittern sitzen müsste. Nur aufgrund einer bevorstehenden Behandlung in einer Suchtklinik und ganz persönlicher Umstände ist er aus dem Knast gekommen. Denn seine Freundin und er erwarten ihr erstes Kind.
Der Haftbefehl wird unter strengen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Er muss sich regelmäßig auf der Polizeiwache melden und darf keinerlei Drogen mehr nehmen.
Die Freundin des Angeklagten hat bereits einen neuen Liebhaber
Allerdings rechnet niemand damit, dass sich die werdende Mutter trotz aller Treueschwüre bei Besuchen in der Haftanstalt längst einen neuen Liebhaber gesucht hat. Und dass sie den Nachwuchs mit exzessivem Drogenkonsum in ernste Gefahr bringt. Die Ärzte müssen daher die Geburt vorzeitig herbeiführen. Der Säugling bleibt rund zwei Monate im Klinikum Bamberg, anfangs sogar auf der Intensivstation.
Der Mann ist täglich bei seinem Sohn, während die Mutter sich irgendwann einmal nicht mehr blicken lässt. Glücklicherweise bleiben keine Spätschäden zurück. Das Baby aber wird den suchtkranken Eltern vom Jugendamt entzogen. Das Sorgerecht bekommt die Großmutter zugesprochen.
Bamberger erleidet Drogen-Rückfall
Diese Tiefschläge und Belastungen „haben mir den Boden unter den Füßen weggezogen“, so der Mann. Es kommt zu einem Rückfall, obwohl er eigentlich von Crystal Meth und Heroin, sowie Marihuana loskommen will und der Platz in einer Suchtklinik schon am Horizont erscheint.
Gleich zweimal läuft er in jenen Tagen Streifenpolizisten in der Nähe der als Drogenumschlagplatz bekannten Kettenbrücke in die Arme, die bei ihm verbotene Substanzen sicherstellen. Obwohl er noch versucht, die Tütchen mit den Pulvern im Mund verschwinden zu lassen.
Es sind kleinere Mengen, um die deprimierende Realität auszublenden und den inneren Schmerz zu betäuben.
Der Angeklagte saß saß bereits mehrmals im Gefängnis
Wie schlimm die Sucht ihn gepackt hat, zeigt eine Blutprobe, die man nach dem Autoaufbruch untersucht. Darin sind so hohe Mengen an Betäubungsmitteln, dass die Skala der Messgeräte im Labor der Rechtsmedizin Erlangen gar nicht mehr ausreicht. Dabei dauert der Zustand inzwischen schon 15 Jahre an und hat ihn schon mehrfach in den Knast gebracht.
Die Amtsgerichte in Bamberg und Erlangen haben immer wieder Urteile in Sachen Rauschgift, Diebstahl und Einbruch, Betrug und Computerbetrug, Sachbeschädigung, sowie Besitz einer verbotenen Waffe und Munition gefällt.
Eine Strafe zur Bewährung kam nicht mehr in Betracht
Am Ende verurteilt Strafrichterin Carina Distler den geständigen Mann wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln, eines besonders schweren Falls des Diebstahls und der Sachbeschädigung zu acht Monaten Gefängnis. Eine Bewährung kommt angesichts der unzähligen Vorstrafen nicht in Betracht.
Allerdings kann er aus der Zelle heraus versuchen, doch noch eine stationäre Therapie zu bekommen. Damit er endlich den Teufelskreis aus Sucht und Straftaten durchbrechen, sich einen Job suchen, aufs Dorf ziehen und für seinen Sohn da sein kann.












