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Rat von Kinderärzten
Liebe Eltern, so schützt ihr eure Kinder richtig vor Zecken
Zecken können bei Kindern leicht übersehen werden.
Zecken können bei Kindern leicht übersehen werden. // Anna Ritter / AdobeStock
Klein, aber gefährlich: So schützen Sie Ihr Kind vor Zeckenstichen.
Klein, aber gefährlich: So schützen Sie Ihr Kind vor Zeckenstichen. // KPixMining / AdobeStock
Bamberg – Kinder sind gerne draußen unterwegs und werden deshalb besonders häufig von Zecken gestochen. Zwei Bamberger Kinderärzte geben Tipps, wie Eltern richtig reagieren - und wie Prävention geht.

Sie ist klein, ausgewachsen zwischen 2,5 und 4,5 Millimeter groß, hat acht Beine und ist in der Regel dunkelbraun: Die Zecke, ein weltweit verbreiteter Parasit, der sich vom Blut seines Wirtes ernährt.

Zecken halten sich bevorzugt in hohen Gräsern, Büschen oder Wiesen auf. In Deutschland kommen Zecken „praktisch überall vor, wo es Pflanzen gibt, auch in Gärten oder Parks“, schreibt das Robert Koch-Institut (RKI). „Die Zecke klettert auf eine exponierte Stelle wie einen Grashalm, ein Gebüsch oder herumliegendes Totholz.“ Kommt dann ein Tier oder ein Mensch vorbei, wird sie bei Kontakt abgestreift und hält sich fest.

Einmal übertragen, sticht nicht beißt, wie häufig angenommen, die Zecke zu. So kann sie sich bis zu 15 Tagen an ihrem Wirt festhängen und deren Blut trinken. Da Kinder gern in der Natur spielen, ist das Risiko, dass sie von einer Zecke gestochen werden, höher. 

Zecken sind Überträger von FSME und Borreliose

Die große Gefahr dabei ist die Übertragung von Krankheitserregern. „In Deutschland werden durch Zecken am häufigsten Erreger der Borreliose und in entsprechenden Risikogebieten, vor allem im Süden und Osten, Erreger der Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) übertragen“, sagt Dr. Marco Hübsch. Er ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Bamberg. „Andere durch Zecken übertragbare Krankheiten wie die Anaplasmose, die Babesiose, das Krim-Kongo-Fieber oder die Rickettsiose kommen in Deutschland sehr selten oder nie vor“, fügt sein Kollege Daniel Brand hinzu.

Die Bamberger Kinder- und Jugendärzte Daniel Brand (links) und Dr. med. Marco Hübsch geben Tipps, wie Sie Ihr Kind vor Zecken schützen können.
Die Bamberger Kinder- und Jugendärzte Daniel Brand (links) und Dr. med. Marco Hübsch geben Tipps, wie Sie Ihr Kind vor Zecken schützen können. // Kinderarztpraxis Bamberg

Der FSME-Virus kann initial zu grippeähnlichen Symptomen und im weiteren Verlauf zu einer Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks führen. Eine Impfung kann jedoch davor schützen, weswegen das die Ständige Impfkommission auch empfiehlt, vor allem in Hochrisikogebieten – dazu zählt laut dem RKI auch Stadt und Landkreis Bamberg.

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Stadt und Landkreis Bamberg ist Hochrisikogebiet von Zecken

Die Impfung ist bei Kindern ab einem Jahr zugelassen. „Für die Grundimmunisierung gegen FSME werden drei Impfungen benötigt, in der Regel innerhalb von sechs bis zwölf Monaten“, erklärt Dr. Hübsch. Nach der Grundimmunisierung ist die erste Auffrischung erst nach drei und dann alle fünf Jahre notwendig. 

Zecken verstecken sich oft im hohen Gras.
Zecken verstecken sich oft im hohen Gras. // Pfizer | www.zecken.de

Bei der Zecken-Impfung handelt es sich um einen Totimpfstoff, der insgesamt laut den beiden Kinder- und Jugendärzten „sicher und gut verträglich“ ist. „Wie bei jeder Impfung kann es danach zum Beispiel zu Lokalreaktionen an der Einstichstelle, zu Abgeschlagenheit, erhöhter Temperatur, Magen-Darm-Beschwerden oder Kopfschmerzen kommen“, so Dr. Hübsch.

Zecken-Impfung für Kinder gut verträglich

Das ist bei Kindern unter drei Jahren häufiger. „Die Symptome klingen meist innerhalb weniger Tage ab. Schwere Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen sind sehr selten“, fügt Brand hinzu und rät, sich beim Arzt beraten zu lassen „um das individuelle Risiko herauszufinden“.

Für Borreliose, die die Zecken ebenfalls übertragen kann, gibt es keine Schutzimpfung. Das Risiko, sich nach einem Zeckenstich auch mit Borreliose zu infizieren, ist relativ gering. „Nach Untersuchungen aus Deutschland und der Schweiz wurde nach einem Zeckenstich bei 2,6 bis 5,6 Prozent der Betroffenen eine Borrelien-Infektion nachgewiesen“, schreibt das RKI. Nur ein kleiner Teil der Infizierten ist jedoch auch erkrankt.

Bamberger Kinderärzte geben Tipps zum Schutz vor Zecken

Anzeichen für eine Borreliose ist „die sogenannte Wanderröte, ein roter Infektionsring, welcher sich um die Stichstelle ausbreitet“, erklärt Kinder- und Jugendmediziner Brand. Es kann jedoch auch zu anderen Hautauffälligkeiten, zu Gelenkentzündungen und zu neurologischen Symptomen kommen. „Bei Kindern kann die Borreliose ein buntes Bild aufweisen, von grippeähnlichen Symptomen und Hauterscheinungen bis hin zu Erkrankungen von Nervensystem, Herz und Gelenken“, sagt er. Brand empfiehlt deswegen, sich bei Verdacht bei einem Arzt vorzustellen.

Damit es jedoch erst gar nicht so weit kommt, haben die beiden Kinder- und Jugendärzte drei Tipps parat, um das Risiko von Zeckenstichen bei Kindern zu verringern:

  1. Kontakt mit Zecken meiden: Das geht am besten, wenn ein Aufenthalt im hohen Gras und Unterholz so weit wie möglich nicht stattfindet. 
  2. Kleidung als Zeckenschutz: „Zeckenstiche können durch das Tragen von fester, geschlossener Kleidung reduziert werden“, sagt Dr. Hübsch. Helle Kleidung erleichtert dabei das Auffinden von Zecken. Bei Kindern empfiehlt sich zudem eine Kopfbedeckung, da der Haaransatz und die Ohren auch beliebte Stichstellen der kleinen Parasiten sind. Doch auch „die Anwendung von Insektenschutzmitteln“ reduziert Zeckenstiche, sagt Brand.
  3. Zeckenabsuche: Die Kinder sollten nach Aktivitäten in der Natur gründlich abgesucht werden, sowohl nach Zecken als auch nach Hinweisen für Zeckenstiche. „Zecken bleiben meist länger am Körper, sodass man die Stiche meist gut von anderen Stichen abgrenzen kann“, so Dr. Hübsch. Bevorzugte Stichstellen sind unter anderem Hals, Achseln, Ellenbeuge, Bauchnabel, Genitalbereich oder Kniekehle.

Kommt es trotzdem zu einem Zeckenstich, empfehlen die beiden Fachärzte folgendes: Die Zecke möglichst zügig und gründlich entfernen, ohne den Zeckenkörper zu drücken. „Am besten greift man die Zecke nah an der Haut mit einer Pinzette und zieht diese heraus“, erklärt Brand. Anschließend sollte die Stichstelle gut desinfiziert und in den nächsten Tagen oder Wochen beobachtet werden. Bei allen Auffälligkeiten rät Dr. Hübsch, sich unverzüglich an einen Arzt zu wenden.

(Dieser Artikel ist zuerst am 20. Mai 2025 auf fraenkischertag.de erschienen.)

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