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800.000 Besucher
Diese fünf Touristen-Typen kommen nach Bamberg
Christoph Wolff weiß ganz genau, welchen unterschiedlichen Touristen-Typen Bamberg besuchen. Seit 2004 arbeitet er als Stadtführer.
Christoph Wolff weiß ganz genau, welchen unterschiedlichen Touristen-Typen Bamberg besuchen. Seit 2004 arbeitet er als Stadtführer. // Ronald Rinklef
Bamberg – Eines ist klar: Das Weltkulturerbe muss man gesehen haben. Stadtführer Christoph Wolff erklärt, wer sich so alles in den engen Gassen tummelt.

Jahr für Jahr machen sich Millionen von Tagesbesuchern und Tausende Übernachtungsgäste auf den Weg nach Bamberg. Doch warum ist die Domstadt bei Touristen so beliebt?

„Bamberg ist historisch, authentisch und hat viele Geschichten zu erzählen. Die Stadt weist eine Lebendigkeit und Vielfalt der Kultur- und Kunstszene, des Einzelhandels, der Gastronomie und des Lebens in der Innenstadt auf, die andernorts längst verloren gegangen ist. Das ist etwas, das viele Besucherinnen und Besucher gleichermaßen fasziniert.“ So erklärt Michael Herger, Tourismusdirektor des Tourismus und Kongress Service, die große Beliebtheit.

2019 fast 800.000 Übernachtungsgäste in Bamberg

Und die Zahlen geben ihm recht. Wenn man die zwei Corona-Jahre 2020 und 2021 weglässt, so konnte in den letzten zehn Jahren ein stetiger Zuwachs an Übernachtungszahlen verzeichnet werden. Das gipfelte im Spitzenjahr 2019 auf einem Höhepunkt von fast 800.000 Übernachtungsgästen in der Domstadt.

Und welche Touristen-Typen besuchen Bamberg? Stadtführer Christoph Wolff hat für uns die wichtigsten in fünf Gruppen zusammengefasst. Er ist zum Studieren von Paderborn nach Bamberg gezogen und hat 2004 seine Ausbildung zum Stadtführer gemacht. „Seitdem zeige ich als Preuße den Bambergern Gästen die Stadt“, sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen.

Großer Touristenandrang in Bamberg im Sommer

Das bedeutet, von Ostern bis Neujahr betreut Wolff jegliche Art von Touristen. „Höhepunkt der Saison ist immer der Spätsommer. Und dann gibt es nochmal im Advent mehr zu tun.“

An seinem Beruf gefällt ihm am besten die soziale Komponente. „Ich arbeite gerne mit Menschen. Der Applaus am Ende einer Führung ist mir genauso viel Wert wie das verdiente Geld“, sagt der 41-Jährige. „Dabei lassen sich die Touristen durchaus grob in unterschiedliche Gruppen einteilen.“

So leitet er die Typisierung der Touristen ein. Das ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu lesen, denn Menschen lassen sich bekanntlich nicht in Schubladen stecken.

Typ 1: Bustouristen

Bustouristen
Bustouristen // Grafik: Micho Haller

„Die Bustouristen aus Deutschland sind vorwiegend aus der älteren Fraktion, Durchschnittsalter 70 plus“, erzählt der Stadtführer. Für ihn gehören sie mit zu den angenehmsten Touristen-Typen, die unsere Stadt besuchen. Denn da sie meist den ganzen Tag in Bamberg verbringen, zeigen sie während den Führungen oft ein großes Interesse an der Domstadt und stellen kluge Fragen.

„Und da sie nicht so unter Zeitdruck stehen, sind sie sehr umgänglich. Man hat nicht das Gefühl, dass man ihnen die Zeit für etwas anderes wegnimmt“, sagt der 41-Jährige. Ausnahmen gibt es natürlich immer, aber die kommen nur selten vor. „Ab und zu ist da schon mal eine ältere Seniorin, die fragt: ,Junger Mann, wir werden doch nicht die ganze Zeit zu Fuß gehen?’ Doch, genau so ist es!“

Typ 2: Flußkreuzfahrttouristen

Flußkreuzfahrttouristen
Flußkreuzfahrttouristen // Grafik: Micho Haller

Auch die deutschsprachigen Flußkreuzfahrttouristen sind eher älter, stammen zu einem Großteil aus Österreich und fahren von Wien in rund zwei Wochen bis nach Amsterdam. Ihr Zeitplan ist voller Städtebesuche und streng getaktet. „Dementsprechend sind sie bei ihrer Ankunft in Bamberg schon ein bisschen übersättigt und nicht mehr ganz so aufmerksam“, so Wolff.

Zudem sind die Österreicher nochmal etwas Besonderes. „Meiner Erfahrung nach haben die Österreicher auf Reisen hohe Ansprüche, sind aber ungern bereit, dafür auch entsprechend zu zahlen“, erzählt der Stadtführer. Ihnen verdankt er sein bisher geringstes Trinkgeld von 70 Cent für eine Führung.

Typ 3: Schulklassen

Schulklassen
Schulklassen // Grafik: Micho Haller

„Es ist nie gut, wenn man zu einer Stadtführung gezwungen wird, bei Schulklassen ist das jedoch leider fast immer der Fall“, sagt Wolff. Dementsprechend ist die Aufmerksamkeit der pubertierenden Schüler teilweise auch gar nicht vorhanden. „Ich vergleiche das gerne mit einer Autofahrt nach Italien mit zwei Kleinkindern auf dem Rücksitz. Da wird auch alle fünf Minuten danach gefragt, wann sind wir endlich da? So sind manche Schulklassen auch“, erklärt er und fügt hinzu: „Das ist dann für beide Seiten anstrengend.“

Doch es gibt auch positive Beispiele: Grundschüler sind meistens noch interessiert an einer Stadtführung, auch wenn sie manchmal naive Fragen dabei stellen.

Typ 4: Freundesgruppen/Familien

Freundesgruppe/Familie
Freundesgruppe/Familie // Grafik: Micho Haller

Eine homogene Gruppe, die aus einem Freundeskreis oder einer Familie besteht, führt Wolff ebenfalls gerne durch Bamberg. Denn oft entscheiden sie sich nicht für eine Standartführung, sondern wählen eine Sondertour. Zwar sind die Teilnehmer auch nicht immer ganz freiwillig mit dabei, weil die Führung beispielsweise vom Geburtstagskind aus der Gruppe initiiert wurde, doch der Rest nimmt sich trotzdem die Geduld dafür.

„Die Leute sind aufgeschlossen, zeigen Interesse, stellen viele Fragen und sind allgemein sehr aufmerksam. Mit ihnen kann man in Bamberg eine schöne Zeit verbringen, denn auch die Teilnehmer wollen ja eine schöne Zeit haben“, meint der 41-Jährige.

Typ 5: Junggesellinnenabschiede

Junggesellinnenabschiede
Junggesellinnenabschiede // Grafik: Micho Haller

In Bamberg entscheiden sich Junggesellinnenabschiede oft für die Sonderführung für Verliebte. Denn die Bamberger Geschichte ist eng mit Themen wie Liebe, Heirat und Ehe verknüpft. Interessant dabei ist, dass Stadtführer Wolff bei dieser Tour bisher immer nur Anfragen von Frauen hatte. Noch nie war ein Junggesellenabschied darunter.

Seine Erklärung dafür: „Die Männer kommen bei einem Junggesellenabschied nach Bamberg, um sich hier zu betrinken. Die Frauen wollen meistens mehr machen und noch etwas Kulturelles miterleben. Sie haben ihren Sekt dabei und man merkt ihnen an, dass sie trinkfest sind, aber sich nur zu betrinken, ist für sie offenbar nicht das Hauptziel.“

Info Stadtführungen:

Wer Interesse an einer Führung mit Christoph Wolff hat, findet ihn bei „Uschis Traumstadtservice“ und kann dort die passende Tour für sich buchen. 
Übrigens: Neue Stadtführer werden dort auch gesucht.

 

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