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Bürger-Block fordert
"Endlich wieder Plärrer in Bamberg!"
Ein großes Volksfest wie hier an der Breitenau im Jahr 2004 gibt es in Bamberg schon lange nicht mehr.
Ein großes Volksfest wie hier an der Breitenau im Jahr 2004 gibt es in Bamberg schon lange nicht mehr. // Ronald Rinklef/Archiv
Bamberg – Seit Jahren hat Bamberg keinen Volksfestplatz mehr. Woran das liegt und in welches Gelände Bambergs Schausteller ihre Hoffnungen legen.

Sommerzeit ist Volksfestzeit. Doch während die Bürger in umliegenden Orten gebrannte Mandeln schlemmen, Bälle auf Dosen werfen, ihr Glück an der Losbude suchen, in nach Actionfilm-Titeln klingenden Fahrgeschäften herumwirbeln, in der Geisterbahn erschaudern, sich im Spiegel-Labyrinth verlaufen, im Auto-Scooter aufeinanderprallen oder im Bierzelt schunkeln, dreht sich in Bamberg schon seit vielen Jahren kein Riesenrad mehr.

Ein großes Volksfest wie hier an der Breitenau im Jahr 2004 gibt es in Bamberg schon lange nicht mehr.
Ein großes Volksfest wie hier an der Breitenau im Jahr 2004 gibt es in Bamberg schon lange nicht mehr. // Ronald Rinklef/Archiv

Zum Bedauern der Bamberger Schausteller. „Wir sind von Lauf an der Pegnitz bis Selb unterwegs, beim Nürnberger Volksfest – aber in unserer Heimat sind wir kaum vertreten, das ist sehr schade!“, sagt Peter Weiß vom Verein der Bamberger Schausteller und Marktkaufleute, dessen Buden und Fahrgeschäfte derzeit in Lauf stehen.

Auch Georg Fischer, der zuletzt bei der Strullendorfer Kerwa aktiv war, sagt: „Wir sind Bamberger Steuerzahler, und würden unser Geld gerne wieder in Bamberg verdienen. Der Plärrer war eine wichtige Einnahmequelle“, so der Vereinsvorsitzende.

Plärrer-Sehnsucht in der virtuellen Realität

Dass es in Bamberg kein Volksfest gibt, bedauern auch nicht wenige Bamberger Bürger, wie etwa eine kurze Nachfrage in unserer Facebook-Gruppe „Was braucht Bamberg?“ nahelegt. Es gibt auch eine „Bamberger Plärrer Fanseite“ auf Facebook.

Auf der Virtual-Reality-Plattform „Second Life“ wurden heuer und 2021 sogar Bamberger Frühjahrsplärrer im Internet errichtet – mit virtuellen Fahrgeschäften und Biergärten bis hin zum Abschlussfeuerwerk.

Ein großes Volksfest wie hier an der Breitenau im Jahr 2004 gibt es in Bamberg schon lange nicht mehr.
Ein großes Volksfest wie hier an der Breitenau im Jahr 2004 gibt es in Bamberg schon lange nicht mehr. // Ronald Rinklef/Archiv

Zeichen der Sehnsucht nach dem echten Plärrer, die auch Schausteller Fischer betont: „Volksfeste sind und bleiben Kulturgut. Die ganze Familie, Menschen aller Generationen, wollen sich treffen und etwas zusammen erleben. Das wird es immer geben.“ Auch wieder in Bamberg? „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, antworten Weiß und Fischer. Die größte Frage bleibt aber: Wo?

Nach Brose-Erweiterung: Bamberger Plärrer nur noch mit Zustimmung von US-Armee und Bund

Bis 2012 fanden die Volksfeste jahrzehntelang an der Breitenau statt. Dann musste der Festplatz der Brose-Erweiterung weichen. Eine Alternative fand sich von 2014 bis 2016 mit dem „Bamberger Frühling“ auf dem Gelände des ehemaligen US-Motorpools an der Zollnerstraße.

Zuerst mit Zustimmung der US-Armee, dann des Bundes, dann 2016 der Bundespolizei. Deren erhöhteSicherheitsauflagen machten den „Bamberger Frühling“ aus Sicht von Stadtverwaltung wie Schaustellern im Jahr 2017 zu teuer.

Nur noch Nostalgie: Ein großes Volksfest an der Breitenau  wird es nicht mehr geben.
Nur noch Nostalgie: Ein großes Volksfest an der Breitenau wird es nicht mehr geben. // Ronald Rinklef/Archiv

Und dann? Untätig sei die Stadt nicht gewesen: „Es wurden zahlreiche mögliche Ersatzflächen intensiv von der Verwaltung geprüft“, so Stadtsprecher Sebastian Martin. Im Frühjahr 2019 stellte die Verwaltung den Stadträten zuletzt Ergebnisse vor, zur Prüfung von neun möglichen Standorten. Doch von „Am Tännig“ bis Jahnspitze sind sie allesamt für untauglich befunden worden.

Sei es wegen hoher Erschließungskosten für Wasser und Strom, weil der Untergrund nicht für schwere Fahrgeschäft geeignet sei oder weil Interessen von Bund oder Bahn entgegenstünden. In der Sitzung hieß es, die Suche würde fortgeführt. Dann kam Corona.

BBB-Antrag bringt Diskussion in Fahrt

Seitdem steht die Diskussion still wie ein Karussell ohne Strom. Mit einem Antrag des Bamberger Bürger-Blocks (BBB) nimmt das Thema wieder Fahrt auf.

Der Plärrer „war eine feste Institution im Jahresverlauf, die vielen Generationen einen Ausflug vom Alltag in eine andere Welt ermöglichte“, so Andreas Triffo – der einen erneuten Bericht über die Standortsuche fordert. Er fürchte, dass das Thema sonst „endgültig zu den Akten gelegt wird“.

Hoffnung auf Motorpool-Gelände

Triffo und die Schausteller legen ihre Hoffnungen vor allem auf das Motorpool-Gelände. „Eine relativ große, geteerte Fläche, sodass wir auch größere Fahrgeschäfte abstellen können, es gibt Anschlüsse und ausreichend Parkplätze“, fasst Schausteller Fischer zusammen.

Auch die Stadt sei „interessiert daran, dass in Bamberg wieder ein Plärrer stattfinden kann“, sagt Sprecher Martin. Der BBB-Antrag werde derzeit bearbeitet. „Im Zuge dessen wird auch eine erneute Anfrage an die Bundespolizei erfolgen.“

Bundespolizei wehrt ab

Eine FT-Anfrage bei der Behörde lässt jedoch wenig Hoffnung erwarten: „Die Bundespolizei hat im Frühjahr 2016 gerne bei der Durchführung des Plärrers durch Bereitstellung des Festgeländes geholfen“, schreibt Sprecherin Isabelle Borgert zwar.

Doch „seither ist der Betrieb im Aus- und Fortbildungszentrum angelaufen und eine Unterstützung kann aus sicherheitstechnischen Gründen nicht mehr realisiert werden. Auch steht der Parkplatz aufgrund von Eigenbedarf nicht zur Verfügung“.

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