0
Nachfolge von Broll-Pape
Hier unterschreibt der neue Intendant
John von Düffel (r.) und der Bamberger Oberbürgermeister Andreas Starke freuen sich auf die Zusammenarbeit
John von Düffel (r.)und der Bamberger Oberbürgermeister Andreas Starke freuen sich auf die Zusammenarbeit // Helmut Ölschlegel
Bamberg – Jetzt ist es offiziell: Im Jahr 2025 übernimmt John von Düffel die Leitung des Stadttheaters. Schon jetzt aber ist er regelmäßig in Bamberg. Das hat vor allem mit der Zukunft des Ensembles zu tun.

68 Einzelpersonen und Teams wollten es werden. Einer ist es geworden. Es ist John von Düffel. Er übernimmt ab der Spielzeit 2025/2026 die Leitung des Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theaters.

Ende Oktober hatte sich der Bamberger Stadtrat auf den 57-Jährigen geeinigt. Die Wahl war nötig geworden, weil 2025 die dann zehnjährige Amtszeit von Intendantin Sibylle Broll-Pape zu Ende geht.

Seit Donnerstag, 21. Dezember, ist von Düffels Engagement in Bamberg auch formal besiegelt. Im Kleinen Sitzungssaal des Bamberger Rathauses unterschrieb er seine Arbeitspapiere. Im Namen der Stadt Bamberg unterzeichnete OB Andreas Starke. 

Von Düffel: "Ich wollte unbedingt nach Bamberg"  

Wer ist John von Düffel? 

John von Düffel wurde am 20. Oktober 1966 in Göttingen geboren. Seit 1993 arbeitet er an wechselnden deutschsprachigen Theatern als Dramaturg. 2009 folgte er dem Intendanten Ulrich Khuon ans Deutsche Theater Berlin. Mit dem Abschied Khuons in diesem Sommer endete dort auch von Düffels Berliner Zeit als Dramaturg. 

Im Jahr 2008 trug ihm die Otto-Friedrich-Universität Bamberg ihre Poetikprofessur an. Mit den bleibenden Erinnerungen an diese Zeit begründete von Düffel unter anderem auch seinen jetzt wahr gewordenen Wunsch, Intendant am E.T.A.-Hoffmann-Theater zu werden. „Ich wollte unbedingt nach Bamberg." 

John von Düffel leitet ab der Spielzeit 2025/2026 das E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg
John von Düffel leitet ab der Spielzeit 2025/2026 das E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg // Helmut Ölschlegel

Offiziell wird von Düffel seine Arbeit in Bamberg im Herbst 2024 aufnehmen. Als dann designierter Intendant wird er das bis zum Amtsantritt verbleibende Jahr nutzen, um seine erste Spielzeit als Intendant vorzubereiten.

Schwierigkeiten mit der dann noch amtierenden Sibylle Broll-Pape fürchtet von Düffel nicht: "Wir gehen offen und respektvoll miteinander um." 

Wann entscheidet sich die Zukunft des Ensembles? 

Auf eine informelle Art und Weise aber steht von Düffel bereits jetzt im Dienst des Bamberger Theaters. "Ich besuche alle neuen Stücke und werde dies auch weiter tun", sagte er am Donnerstag. Auf diese Weise will sich von Düffel ein Bild von den Gegebenheiten am Bamberger Stadttheater machen.

Insbesondere den schauspielerischen Qualitäten des Ensembles gilt sein Interesse. Spätestens im Herbst 2024 muss sich von Düffel darüber klar geworden sein, mit wem aus dem Ensemble er weiterarbeiten möchte. Erste Gespräche mit den Schauspielerinnen und Schauspielern plant er für das kommende Frühjahr. "Wir werden uns dann zu langen Spaziergängen verabreden", sagt von Düffel. 

Von Düffel will Ängste nehmen 

Schon unmittelbar nach seiner Wahl im Oktober hatte von Düffel dem Ensemble seine Hochachtung ausgedrückt. Diesem Zungenschlag blieb er auch bei der Vertragsunterzeichnung  treu. Nicht nur einmal lobte er die schauspielerische Qualität des Ensembles als "außerordentlich hoch." 

Dass Schauspielerinnen und Schauspieler den Intendantenwechsel mit Sorgen um ihre persönliche Zukunft verbinden, kann von Düffel nicht verhindern. Ängsten aber will er den Nährboden entziehen: "Ich werde hier nicht den eisernen Besen in die Hand nehmen." 

Kein Bruch mit dem Erbe von Sibylle Broll-Pape 

Ohnehin vermeidet von Düffel alles, was den Anschein des Auftrumpfenden und Disruptiven erwecken könnte. Die Verdienste seiner Vorgängerin streicht er hervor, um seine eigene Person macht er nur wenig Aufhebens. Seinen Vertrag unterzeichnete er in Jeans und Polohemd. 

Versteht man von ihn richtig, dann will von Düffel mit dem Erbe Broll-Papes weniger brechen als es behutsam im Sinne eigener Überzeugungen weiterentwickeln. So beabsichtigt der künftige Intendant, "die Musik im Programm zu stärken" und beispielsweise mit der Puppenspielkunst auch neue Formen zu etablieren.

Konkret ausformuliert sind diese Gedankenspiele noch nicht. Sie können es zu diesem Zeitpunkt auch nicht sein. 

Sibylle Broll-Pape leitet seit der Spielzeit 2015/2016 das E.T.A-Hoffmann-Theater.
Sibylle Broll-Pape leitet seit der Spielzeit 2015/2016 das E.T.A-Hoffmann-Theater. // Helmut Ölschlegel

 

„Es ist eine große Freude für mich, in dieser wunderbaren Stadt wirken zu können“, sagte von Düffel nach der Vertragsunterzeichnung. Mehr noch: Seine Freude darüber wachse mit jedem weiteren Besuch.   

Die Wertschätzung, die von Düffel der Stadt und seinem Theater entgegenbringt, wird ihm in gleicher Münze vergolten. OB Starke und Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar rühmten von Düffel in beinahe identischen Worten als  "erstklassige Wahl" und renommierten Theatermenschen. "Wir freuen uns darüber, dass Herr von Düffel künftig das Bamberger Stadttheater leiten wird", sagte Starke. 

OB Starke muss auch die Finanzen im Blick haben

Als Oberbürgermeister freilich muss Starke mehr im Blick haben als nur Fragen der Theaterästhetik. Immerhin unterstützt die Stadt das Theater mit rund drei Millionen Euro pro Jahr. 

Zwar deutet nichts darauf hin, dass von Düffel zu seinem Amtseintritt mit einem schmaleren Budget auskommen müsste: "Es wird nichts gekürzt", versicherte Starke am Donnerstag.

Dennoch dürfte Starke seine Hinweise auf sinkende Gewerbesteuereinnahmen und Bambergs prekär gewordenen Status als Autostadt am Donnerstag nicht ohne Hintersinn platziert haben.  

John von Düffel hörte aufmerksam hin. 

Lesen Sie auch: 

Inhalt teilen
  • kopiert!