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Kreativwerkstatt
Jugendzentrum: Treffpunkt für junge Kreative
Rahel Metzner, Daniel Becker (Mitte) und Jérémie Gnaedig kümmern sich um die Kreativwerkstatt des Jugendzentrums am Margaretendamm.
Rahel Metzner, Daniel Becker (Mitte) und Jérémie Gnaedig kümmern sich um die Kreativwerkstatt des Jugendzentrums am Margaretendamm. // Manuela Nagl
Bamberg – In der Kreativwerkstatt des Jugendzentrums können sich Jugendliche künstlerisch austoben – und das alles kostenfrei, auf Spendenbasis. Unterstützt werden sie dabei von diesen drei Menschen.

„Ein kreativer Freiraum für Jugendliche und junge Erwachsene zum Entdecken und zum Austoben.“ Mit diesen Worten beschreibt Rahel Metzner die Kreativwerkstatt des Jugendzentrums Bamberg (JuZ).

Das JuZ ist Teil der Offenen Jugendarbeit in Bamberg, ein von der Stadt beauftragtes Projekt des Jugendhilfeträgers iSo-Innovative Sozialarbeit und somit speziell ein Ort für junge Menschen bis 27 Jahre, das von den künstlerischen, kulinarischen, musikalischen und sportlichen Projekten der Teilnehmer lebt.

Im Jugendzentrum am Magaretendamm können sich junge Erwachsene künstlerisch, sportlich und kulinarisch austoben.
Im Jugendzentrum am Magaretendamm können sich junge Erwachsene künstlerisch, sportlich und kulinarisch austoben. // Manuela Nagl

Am Margaretendamm beherbergt das Jugendzentrum auch die Kreativwerkstatt. Diese richtet sich vor allem an Interessenten von Graffiti, Druck und Fotografie. Aber auch Textilbegeisterte sowie alle Arten von Maler sind willkommen und können sich in der Kreativwerkstatt zu den Öffnungszeiten des JuZ selbstständig ausleben. Das Angebot ist kostenfrei bzw. auf Selbstkostenbasis. Die Materialien werden gestellt, es können aber auch eigene mitgebracht werden.

 

 

„So rund 20 Leute kommen im Durchschnitt in der Woche in der Kreativwerkstatt vorbei“, sagt Jérémie Gnaedig. Der 36-Jährige arbeitet als Hausleiter vor allem im Hintergrund und behält dort den Überblick. Er weiß, dass die jungen Menschen während der Corona-Pandemie den kreativen Raum vermisst haben. „Sobald es Lockerungen gab, kamen mehr denn je. Sie haben wirklich Freude am Angebot.“

Fotolabor und Siebdruckwerkstatt in der Kreativwerkstatt

Eines davon ist zum Beispiel das offene Fotolabor und die Siebdruckwerkstatt unter der Leitung von Rahel Metzner. Die Kultur- und Medienpädagogin sowie gelernte Fotografin arbeitet seit rund zwei Jahren im JuZ.

In der Siebdruckwerkstatt können mit Unterstützung von Rahel Metzner auch T-Shirts und Taschen bedruckt werden.
In der Siebdruckwerkstatt können mit Unterstützung von Rahel Metzner auch T-Shirts und Taschen bedruckt werden. // Manuela Nagl

Immer donnerstags können junge Interessierte bei ihr vorbeischauen. „Es kommen viele, die Filme entwickeln lassen wollen, die sie in einer Kamera ihrer Großeltern gefunden haben“, erzählt Rahel.

Aber auch viele Jugendliche, die wieder analog fotografieren, entwickeln im Fotolabor ihren Film selbst. „Die jungen Leute sind dem Digitalen teilweise überdrüssig. Sie suchen gezielt die Entschleunigung und haben eine Sehnsucht nach analogen und haptischen Dingen“, so die 33-Jährige.

Jugendzentrum Bamberg: Magische Momente im Fotolabor

Im Fotolabor bekommen die Teilnehmer zuerst von ihr erklärt, wie eine analoge Kamera funktioniert. In der Dunkelkammer haben sie dann die Möglichkeit, den Film eigenständig zu entwickeln.

Im Fotolabor können die Teilnehmer ihre analogen Bilder selbstständig entwickeln.
Im Fotolabor können die Teilnehmer ihre analogen Bilder selbstständig entwickeln. // Manuela Nagl

„Das ist jedes Mal ein magischer Moment, wenn auf dem Fotopapier, das in der Entwicklerflüssigkeit liegt, das Bild auftaucht“, sagt Rahel und fügt mit einem Lachen hinzu: „Das hat einen besonderen Charme und die Leute sind immer ganz begeistert.“

So ist beispielsweise auch schon eine Fotoausstellung entstanden, die die Jugendlichen selbst auf die Beine gestellt haben. „Es ist wirklich schön, zu sehen, wie die jungen Leute sich selbst ausprobieren, hier ihre Wurzeln schlagen und daran wachsen“, erzählt Rahel. Manche von ihnen haben eine große Leidenschaft dafür entwickelt und sich an einer Kunstuniversität beworben.

Viele Ehrenamtliche im Jugendzentrum Bamberg

Die Kreativwerkstatt bietet allerdings noch mehr. „Dank unseres Teams aus festen Mitarbeitern können wir im Jugendzentrum so viele unterschiedliche Dinge anbieten. Doch das Sahnehäubchen davon kommt von den Ehrenamtlichen“, sagt Jérémie. „Denn die Anstöße von Außen beleben die Auswahl natürlich. Es ist eine Arbeit auf Augenhöhe.“

Immer Dienstags unterstützt Daniel Becker im Riso-Print-Studie bei der Herstellung von Druck-Erzeugnissen.
Immer Dienstags unterstützt Daniel Becker im Riso-Print-Studie bei der Herstellung von Druck-Erzeugnissen. // Manuela Nagl

Einer der langjährigen Ehrenamtlichen ist Daniel Becker. Der Grafiker unterstützt immer dienstags die Jugendlichen bei der Herstellung von Druck-Erzeugnissen wie Poster, Karten, Flyer und Visitenkarten mit dem Risographen. Die Risographie ist ein im Zylinderdruckverfahren durchgeführtes Schablonendruckverfahren nach Art des Siebdrucktechnik und stammt ursprünglich aus Japan.

Druckunikate durch Risograph

„Das Gerät selbst sieht eigentlich aus wie ein Kopiergerät. Weil es günstig, schnell und mit knalligen Farben druckt, wurde es schnell von der Kunstwelt entdeckt“, erklärt Daniel.

Wahrscheinlich auch, weil bei diesem Verfahren Unikate entstehen. „Dadurch, dass wie beim Siebdruck immer eine Farbschicht nach der anderen gedruckt wird, ist es nie 100 Prozent deckungsgenau. Das Endprodukt ist also fehlerbehaftet, aber schaut trotzdem gut aus. Es hat eine punkige Ästhetik.“

Daniel Becker erklärt die Funktionsweise des Risographen.
Daniel Becker erklärt die Funktionsweise des Risographen. // Manuela Nagl

Zudem zeichnet sich die Risographie dadurch aus, dass die Farbe ohne jegliche Anwendung von Chemikalien und Hitze aufs Papier kommt. „Da die Farbe auf Soja- und Hanfbasis beruht, ist es ein super umweltfreundliches Verfahren“, so der 42-Jährige.

Da immer nur zwei Leute gleichzeitig am Risographen arbeiten können, bittet er um Nachsicht, wenn in der offenen Stunde nicht gleich alle losdrucken können. „Beim nächsten Mal sind dann auf jeden Fall die anderen dran“, verspricht Daniel.

Durch die Risographie entstehen Druckunikate.
Durch die Risographie entstehen Druckunikate. // Manuela Nagl

Zur Risographie ist er durch sein Studium an der Universität in Nürnberg gekommen. Die Arbeit mit Jugendlichen ist eine persönliche Leidenschaft von ihm – so auch für Rahel. „Das kreative Angebot vermischt sich hier mit klassischer Jugendarbeit. Denn natürlich sprechen die jungen Leute mit uns darüber, was sie in ihrem Sozialleben aktuell bewegt“, sagt die 33-Jährige. Rund 11.000 Menschen besuchen jährlich das Jugendzentrum. „Der Bedarf ist klar da“, so Jérémie.

Infos zur Kreativwerkstatt:

Adresse Jugendzentrum: Margaretendamm 12a, 96052 Bamberg
Öffnungszeiten: Di – Sa von 15 – 10 Uhr
Offene Angebote: Riso-Print-Studio: Di von 18 – 20 Uhr I Offenes Fotolabor: Do von 17 – 20 Uhr

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