Frankens Profis
Ein Bamberger ist der neue Club-Hoffnungsträger
Der gebürtige Bamberger Eric Shuranov jubelt über sein zwischenzeitliches 2:1-Führungstor für den 1. FC Nürnberg.
Der gebürtige Bamberger Eric Shuranov jubelt über sein zwischenzeitliches 2:1-Führungstor für den 1. FC Nürnberg.
Foto: Daniel Karmann, dpa
Bamberg – Erik Shuranov trifft in seinem ersten Zweitliga-Spiel von Beginn an - und wird fast zum Derby-Helden. So lief das Wochenende aller fränkischen Profis

Wie präsentieren sich die Fußballprofis mit Geburtsort in Franken Spieltag für Spieltag in der Bundesliga und im Ausland? In der neuen wöchentlichen Rubrik "Frankens Profis" nimmt fraenkischertag.de die besten Kicker der Region unter die Lupe.

Wie viel Franken steckte im Frankenderby?

Das 268. Frankenderby zwischen der SpVgg Greuther Fürth und dem 1. FC Nürnberg bot 90 Minuten Spannung und eine Menge interessante Geschichten. Doch wie viel Franken stand beim 2:2 im Ronhof wirklich auf dem Rasen? Beim Club liefen mit Enrico Valentini (Nürnberg), Johannes Geis (Schweinfurt) und Erik Shuranov (Bamberg) drei gebürtige Franken von Beginn an auf. Dazu kommt mit Lukas Mühl ein Akteur, der fußballerisch in Nürnberg groß wurde. Bei den Fürthern stand mit David Raum (Nürnberg) ein gebürtiger Franke in der Startelf. Maximilian Bauer genoss seine Ausbildung beim Kleeblatt. Mit Timothy Tillman (ab 69. Minute, geboren in Nürnberg) und Dickson Abiama (ab 81., spielte zuvor bei Mögeldorf, Quelle Fürth, Eltersdorf) kamen frische fränkische Impulse während des Spiels dazu. Und die fränkischen Akteure sollten fast allesamt ihren Teil zu einem unterhaltsamen Sonntagnachmittag beitragen.

Diskussionen nach einem aufregenden Derby: Club-Kapitän Enrico Valentini (rechts) und er Fürther U21-Nationalspieler Anton Stach.
Diskussionen nach einem aufregenden Derby: Club-Kapitän Enrico Valentini (rechts) und der Fürther U21-Nationalspieler Anton Stach.
Foto: Daniel Karmann, dpa

So wie FCN-Kapitän und Routinier Enrico Valentini. Dem Rechtsverteidiger glückte der 1:1-Ausgleich nach einer knappen Stunde. Der erste Ligatreffer für den 32-Jährigen im Club-Trikot. Sein letztes Tor erzielte Valentini übrigens vor knapp fünf Jahren, am 3. April 2016, für den Karlsruher SC beim 3:1-Sieg über TSV 1860 München. Des einen Frankens Lust war am Sonntag des anderen Frankens Frust: Denn Valentinis Schuss mit der rechten Innenseite aus rund 18 Metern fälschte der Fürther David Raum mit seinem Hinterteil ab. Das Spielgerät senkte sich so unhaltbar aus Sicht des Fürther Schlussmanns Sascha Burchert in den linken Winkel.

Oder Dickson Abiama: Dem Nigerianer gelang in der Nachspielzeit mit einem Kopfball der 2:2-Ausgleich. Der 22-Jährige ist Fürths Edeljoker: In 19 seiner 22 Einsätze wurde Abiama eingewechselt, erzielte dabei starke vier Jokertore (fünf insgesamt). Wie schnell sich der Mittelstürmer an den Profifußball gewöhnt hat, ist erstaunlich. So kämpfte sich Abiama in den vergangenen Jahren über die Kreisklasse, Landesliga, Bayernliga zu einem Drei-Jahres-Vertrag beim fränkischen Zweitligisten. Nicht zuletzt wegen seines Treffers darf er sogar von der Bundesliga in der kommenden Saison träumen.

Schoss den späten Ausgleich und sein viertes Jokertor in der laufenden Saison: Dickson Abiama
Schoss den späten Ausgleich und sein viertes Jokertor in der laufenden Saison: Dickson Abiama
Foto: Daniel Karmann, dpa

Das deutsche Oberhaus ist sicher auch das Ziel des jungen Mannes, der zweifelsohne die größte Derby-Geschichte geschrieben hat. Der 19-jährige gebürtige Bamberger Erik Shuranov traf zum zwischenzeitlichen 2:1 für den Club eine Viertelstunde vor Spielschluss. Der erste Zweitliga-Treffer im ersten Zweitliga-Spiel von Beginn an für den Deutsch-Ukrainer. Zuvor durfte der Mittelstürmer in fünf Kurzeinsätzen insgesamt 26 Minuten Luft in der 2. Bundesliga schnuppern. Im Frankenderby bekam er dann aufgrund von Verletzungen oder Formschwächen seiner Teamkollegen seine große Chance - und sollte seinen Cheftrainer Robert Klauß nicht enttäuschen.

Der agile Shuranov hatte bereits in der ersten Hälfte nach Flanke von Tim Handwerker von der linken Seite das 1:1 auf dem Kopf. Sein Versuch war aber nicht platziert genug, Burchert war auf dem Pfosten. Auch im zweiten Durchgang hatte Shuranov noch zwei weitere gute Möglichkeiten - nur der Torerfolg stellte sich vorerst nicht ein. "Das hat mich am Anfang schon ein bisschen geärgert, aber die Jungs haben gesagt: Mach weiter, du wirst noch dein Tor machen. Ich habe daran geglaubt, das Team stand hinter mir", sagte er nach der Partie bei Sky. Und sein vorbildlicher Einsatz sollte sich schließlich doch noch lohnen, denn in der 76. Minute war der Fürther Keeper geschlagen. Wie ein alter Hase löste sich Shuranov an der Strafraumgrenze von seinen Gegenspielern, besetzte den freien Raum und wurde mit einem Schnittstellenpass von Fabian Nürnberger genau im richtigen Moment bedient. Mit links zog der 19-Jährige ab und ließ Burchert keine Chance. "Diesen Tag werde ich sicher nicht vergessen. Es ist viel passiert, es war sehr emotional. Ich bin seit elf Jahren im Verein. Es gibt nichts Geileres, als im Derby ein Tor zu schießen. Sehr schade, dass wir das Ding am Ende nicht gewonnen haben", resümierte Shuranov - ebenfalls wie ein alter Hase.

Erik Shuranov ließ sich nach seinem Premierentreffer von seinen Teamkollegen feiern.
Erik Shuranov ließ sich nach seinem Premierentreffer von seinen Teamkollegen feiern.
Foto: Daniel Karmann, dpa

Im Jahr 2010 wechselte Shuranov als Achtjähriger vom FC Bayern Kickers Nürnberg zum Club und durchlief dort im Nachwuchsleistungszentrum alle Mannschaften. Dass der Deutsch-Ukrainer eine eingebaute Tor-Garantie hat, war bereits früh zu erkennen. In der Spielzeit 2018/19 glückten dem Stürmer 13 Treffer in 16 Partien bei den U17-Junioren in der Bundesliga sowie vier Tore in 13 Partien bei den U19-Bundesliga-Junioren. Der Abstieg der Nürnberger A-Junioren in die Bayernliga wurde schnell bereinigt - auch dank Shuranov, der 37 Tore in 16 Bayernliga-Partien erzielte. In drei Einsätzen in der Bundesliga-Saison 2020/21 der U19-Junioren markierte er stolze sieben Tore. Sein Debüt in der ersten FCN-Mannschaft war daher nur eine Frage der Zeit und folgte am 13. Dezember 2020 - übrigens im anderen Frankenduell gegen die Würzburger Kickers.

Shuranov absolvierte bereits Länderspiele für die U17 und U19 der Ukraine, dem Heimatland seiner Eltern. Für die U21 wurde er nominiert, aber hat noch nicht gespielt. Solange der gebürtige Bamberger noch kein A-Länderspiel für die Ukraine absolviert hat, scheint auch eine Zukunft im DFB-Team denkbar.

1. Bundesliga

Marius Wolf (1. FC Köln, geboren in Kronach)

Startelf (bis 87.): 2:2 gegen Dortmund / Ligaeinsätze: 23 (2 Tore, 2 Vorlagen)

Cedric Teuchert (Union Berlin, Coburg)

Eingewechselt (ab 62.) 2:5 in Frankfurt / Ligaeinsätze: 19 (3 Tore, 1 Vorlage)

Niklas Stark (Hertha BSC, Neustadt. a. d. Aisch)

Startelf: 3:0 gegen Leverkusen / Ligaeinsätze: 26 (0 Tore, 0 Vorlagen)

Max Grün (Borussia Mönchengladbach, Karlstadt)

Nicht im Kader: 3:0 bei Schalke 04 / Ligaeinsätze: 0

Philipp Tschauner (RB Leipzig, Schwabach)

Nicht im Kader: 1:0 in Bielefeld / Ligaeinsätze: 0

Große Leistung, aber letztlich nicht mit drei Punkten belohnt. Der Einberger Marius Wolf (rechts) und sein 1. FC Köln mussten sich gegen den BVB um Jude Bellingham letztlich mit einem 2:2 begnügen.
Große Leistung, aber letztlich nicht mit drei Punkten belohnt. Der Einberger Marius Wolf (rechts) und sein 1. FC Köln mussten sich gegen den BVB um Jude Bellingham letztlich mit einem 2:2 begnügen.
Foto: Marius Becker, dpa

2. Bundesliga

Enrico Valentini (1. FC Nürnberg, geboren in Nürnberg)

Startelf (1 Tor): 2:2 in Fürth / Ligaeinsätze: 22 (1 Tor, 2 Vorlagen)

Johannes Geis (1. FC Nürnberg, Schweinfurt)

Startelf: 2:2 in Fürth / Ligaeinsätze: 26 (2 Tore, 6 Vorlagen)

Tim Latteier (1. FC Nürnberg, Kitzingen)

Ohne Einsatz im Kader: 2:2 in Fürth / Ligaeinsätze: 5 (0 Tore, 1 Vorlagen)

Erik Shuranov (1. FC Nürnberg, Bamberg)

Startelf (bis 77., 1 Tor): 2:2 in Fürth / Ligaeinsätze: 6 (1 Tore, 0 Vorlagen)

David Raum (Greuther Fürth, Nürnberg)

Startelf (bis 81.): 2:2 gegen Nürnberg / Ligaeinsätze: 26 (0 Tore, 13 Vorlagen)

Jamie Leweling (Greuther Fürth, Nürnberg)

Ohne Einsatz im Kader: 2:2 gegen Nürnberg / Ligaeinsätze: 22 (1 Tor, 2 Vorlagen)

Timothy Tillman (Greuther Fürth, Nürnberg)

Eingewechselt (ab 69.): 2:2 gegen Nürnberg / Ligaeinsätze: 18 (0 Tore, 1 Vorlagen)

Dominik Meisel (Würzburger Kickers, Kulmbach)

Nicht im Kader: 1:1 gegen Regensburg / Ligaeinsätze: 10 (0 Tore, 1 Vorlage)

Manuel Wintzheimer (Hamburger SV, Arnstein)

Startelf (bis 80., 1 Vorlage): 2:0 gegen Heidenheim / Ligaeinsätze: 24 (2 Tore, 8 Vorlagen)

Jann George (Jahn Regensburg, Nürnberg)

Startelf (bis 85.): 1:1 in Würzburg / Ligaeinsätze: 19 (3 Tore, 2 Vorlage)

Felix Burmeister (Eintracht Braunschweig, Würzburg)

Nicht im Kader: 1:1 gegen Darmstadt / Ligaeinsätze: 2 (0 Tore, 0 Vorlagen)

Patrick Kammerbauer (Eintracht Braunschweig, Raitenbuch)

Ohne Einsatz im Kader: 1:1 gegen Darmstadt / Ligaeinsätze: 18 (0 Tore, 2 Vorlagen)

Überlebensnotwendiger Dreier für Hertha BSC um ihren Kapitän Niklas Stark (links, Neustadt a. d. Aisch) gegen Bayer Leverkusen mit Angreifer Patrik Schick (Mitte).
Überlebensnotwendiger Dreier für Hertha BSC um ihren Kapitän Niklas Stark (links, Neustadt a. d. Aisch) gegen Bayer Leverkusen mit Angreifer Patrik Schick (Mitte).
Foto: Annegret Hilse, dpa

Europa

Österreich:

Julian Wießmeier (SV Ried, geboren in Nürnberg)

Startelf (bis 85., 1 Tor): 1:2 in Altach / Ligaeinsätze: 19 (3 Tore, 0 Vorlagen)

Andrew Wooten (Admira Wacker, Bamberg)

Startelf: 0:0 gegen Sturm Graz / Ligaeinsätze: 10 (3 Tore, 1 Vorlagen)

Maximilian Breunig (Admira Wacker, Würzburg)

Eingewechselt (ab 84.): 0:0 gegen Sturm Graz / Ligaeinsätze: 15 (3 Tore, 0 Vorlagen)

Schweiz:

Lukas Görtler (FC St. Gallen, Bamberg)

Nicht im Kader (verletzt): 3:4 in Lausanne / Ligaeinsätze: 23 (1 Tor, 3 Vorlagen)

Niederlande:

Thorsten Kirschbaum (VV Venlo, Würzburg)

Startelf: 1:2 in Zwolle / Ligaeinsätze: 23 (50 Gegentore, 1 zu Null)

Belgien:

Niklas Dorsch (KAA Gent, Lichtenfels)

Nicht im Kader: 1:0 gegen Cercle Brügge / Ligaeinsätze: 27 (3 Tore, 1 Vorlage)

Luxemburg:

Dominik Stolz (Wift Hesperingen, Neuenedettelsau)

Startelf (1 Tor): 2:0 bei RFCU Luxemburg / Ligaeinsätze: 16 (8 Tore, 4 Vorlage)

Ungarn:

Thomas Meißner (Puskas Akademia, Schweinfurt)

Spielfrei / Ligaeinsätze: 18 (1 Tor, 0 Vorlagen)

Türkei (2. Liga):

Tolga Ünlü (Altay SK, Erlenbach am Main)

Startelf: 3:0 gegen Menemen Spor / Ligaeinsätze: 21 (0 Tore, 1 Vorlage)

Cem Ekinci (Keciörengücü, Nürnberg)

Eingewechselt (ab 46.): 2:1 bei Akhisarspor / Ligaeinsätze: 27 (9 Tore, 3 Vorlagen)

Welt

Australien:

Nicolai Müller (Western Sydney Wanderers, geboren in Lohr am Main)

Eingewechselt (ab 78.): 3:0 bei Perth Glory / Ligaeinsätze: 11 (1 Tor, 0 Vorlagen)

Philippinen:

Stephan Schröck (United City FC, Schweinfurt)

Saisonpause

USA:

Julian Gressel (DC United, Neustadt/Aisch)

Saisonpause

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