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Demo durch die Innenstadt
Das bunte Bamberg marschiert gegen Rechts
Vom Bahnhofsvorplatz zogen die Demonstrierenden zum Markusplatz.
Vom Bahnhofsvorplatz zogen die Demonstrierenden zum Markusplatz. // Christian Martin
Bamberg – Knapp 1000 Menschen demonstrierten in Bamberg für Demokratie, Freiheit und Rechtsstaat. Außer der AfD waren alle Parteien und viele Gruppen dabei. Das war nicht allen recht.

Wer es in Bamberg mit der AfD hat, den wird der Samstag (8. Juni 2024) kaum zur Umkehr bewegt haben. Eher dürften sich Wähler und Sympathisanten in ihrer Einstellung noch bestätigt gefühlt haben.

Denn unter dem Dach des Netzwerkes „Buntes Bamberg“ demonstrierte an diesem Tag alles, was AfDler kritisieren, wenn nicht gar aus tiefstem  Herzen  verachten: Eine breite gesellschaftliche Koalition, die in parteipolitischer Hinsicht von der CSU bis zur Linken reichte.

In der Logik der AfD demonstrierte in Bamberg „das System" 

Es demonstrierten die Kirchen, es demonstrierten Gewerkschaften, der Migrantinnen- und Migrantenbeirat der Stadt Bamberg und zivilgesellschaftliche Gruppen wie die „Omas gegen Rechts". 

In der begrifflichen Logik der AfD feierte auf den Straßen Bambergs am Samstag das „System“ seinen Auftritt. 

Die Bamberger Demo endete am Markusplatz 

In der Logik der Demonstrierenden dagegen war es die schlicht und ergreifend gesellschaftliche Mitte, die an diesem Nachmittag ihre Stimme für ein demokratisches Europa erhob.

Die Kundgebung hatte am Bahnhofsvorplatz begonnen. Anschließend zogen die Demonstranten durch die Innenstadt zum Markusplatz. Dort endete die Demonstration unter anderem mit einer Rede von Andreas Starke. Bambergs OB sprach im Namen des Bamberger Stadtrats, mit einer entscheidenden Ausnahme allerdings: „Im Namen der AfD-Stadträte spreche ich nicht“, sagt er.

Knapp 1000 Menschen demonstrierten in Bamberg für ein freiheitliches und demokratisches Europa.
Knapp 1000 Menschen demonstrierten in Bamberg für ein freiheitliches und demokratisches Europa. // Christian Martin

Nach Schätzungen der Veranstalter beteiligten sich knapp 1000 Menschen an der Demonstration. „Eine gute Zahl“, sagte Anja Simon von „Buntes Bamberg“.

Der Bamberger Demo fehlte die letzte Mobilisierung 

Im Januar 2024 allerdings waren in Bamberg noch rund 6000 Menschen gegen die AfD auf die Straße gegangen. Kurz zuvor hatte das Recherchenetzwerk Correctiv die in der Partei zirkulierenden Remigrationsfantasien aufgedeckt. „Damals hatten wir aus aktuellem Anlass eine wahnsinnige Mobilisierung. Die hat uns heute sicher ein bisschen gefehlt“, sagte Anja Simon am Samstag. 

Es waren am Samstag deshalb auch keine Forderungen nach einem Verbot der AfD zu hören. Noch nicht einmal rhetorisch wurde die Partei hart angegangen. Die gelegentlich initiierten „Nazis raus“-Rufe erstarben mangels Resonanz in Windeseile. 

Demo in Bamberg: eine Liebeserklärung an die Stadt 

Mehr als alles andere war die Demonstration stattdessen ein Akt der Selbstvergewisserung. Die Teilnehmenden versicherten einander, wer in diesem Land die Mehrheit ist: sie selbst. Sie versicherten einander, dass sie es sind, die im Sinne einer „kulturellen Hegemonie“ (Antonio Gramsci) in Bamberg das Straßenbild prägen, das öffentliche Leben und auch die Diskurse und Begriffe.

Zu diesem Machtanspruch gehört, der AfD nicht die Hoheit über das zu überlassen, was unter Heimatliebe zu verstehen ist. Die Liebe zum Land und zu der Stadt reklamierten die Demonstranten stattdessen für sich: „Ich liebe Bamberg“, rief etwa Anja Simon beim Zug durch die Stadt. Das Bamberg, das sie mit ihrer lokalpatriotischen Liebeserklärung adressierte, ist „offen, divers und demokratisch“. 

Demo will für Europawahl mobilisieren 

Einen Tag vor den Europawahlen sollte die Demonstration darüber hinaus auch der Mobilisierung dienen. „Geht bitte wählen", sagt Anja Simon. Andere Redner wie Hip-Hopper Jonas Ochs, Gewerkschafter Paul Hummer oder Mitra Sharifi vom Migrantinnen- und Migrantenbeirat variierten mit ähnlichen Worten dieselbe Aufforderung.

Das Wissen darum, dass der Dreiklang aus Demokratie, Freiheit und Rechtstaatlichkeit nichts Gottgegebenes ist, einte die Teilnehmenden.

Auf dem Markusplatz ging die Demonstration zu Ende.
Auf dem Markusplatz ging die Demonstration zu Ende. // Christian Martin

„Ich will nicht, dass meine Tochter in einem Land aufwächst, in dem Rechte etwas zu sagen haben“, sagte etwa eine Teilnehmerin. Das Kind an ihrer Hand war zu klein, um die Sorgen seiner Mutter zu verstehen.  

Bamberger Antifaschisten kritisierten Teilnahme der AfD

Parteipolitische Differenzen büßten einen Nachmittag lang ihre Bedeutung ein. Das einigende Band war aus dem Bekenntnis zu Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat gewirkt. Nicht alle aber wollten sich in diesem breiten Konsens zurechtfinden.

Der Bamberger Kabarettist Arnd Rühlmann hält den Witz von Luke Mockridge für schlecht und ergreifend misslungen.
Der Bamberger Kabarettist Arnd Rühlmann hält den Witz von Luke Mockridge für schlecht und ergreifend misslungen. // Foto: Christian Martin

Die antifaschistische Gruppe Kiba Bamberg etwa stieß sich insbesondere an der Teilnahme von CSU und Freien Wählern: „Mit diesen Parteien arbeitet man nicht zusammen, wenn man eine Demo gegen Rechts organisieren möchte“, schrieb Kiba auf Instagram. 

Arnd Rühlmann kritisierte Wahlkampf der Parteien 

Ein Stachel im Fleisch der überparteilichen Einmütigkeit war auch der Bamberger Kabarettist Arnd Rühlmann. Er empörte sich über einen in seinen Augen chronisch unterzuckerten Europa-Wahlkampf. 

Die an der Demonstration teilnehmenden Partien schloss er in seine Kritik ausdrücklich mit ein. Über deren Mangel an „Haltung und Standpunkten", sagte Rühlmann, sei er „sehr, sehr wütend“.  

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