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Feier im „Ambräusianum"
CSU Bamberg: So also sehen Wahlsieger aus
Annamarie Bauer (l.) und Melanie Huml sind mit sich im Reinen.
Annamarie Bauer (l.) und Melanie Huml sind mit sich im Reinen. // Christoph Hägele
Bamberg – Vor nicht allzu langer Zeit hätte ein Ergebnis von gerade einmal 40 Prozent die CSU in die Krise gestürzt. An diesem Wahlsonntag in Bamberg reagiert die Partei jedoch anders.

Es gab Zeiten, da hätte ein Wahlergebnis von Pi mal Daumen 40 Prozent die CSU in ihrem Innersten erschüttert. Da hätte sich das Personal an ihrer Spitze schon einmal um eine Anschlussbeschäftigung umsehen können,  da hätten die Königsmörder schon die Messer gewetzt.

So lange ist das alles gar nicht her, zwei oder drei Ministerpräsidenten vielleicht. Geblieben ist von dieser oft gegen sich selbst grausamen Siegermentalität nur wenig. Und weil das so ist, ist die Bamberger CSU an diesem Wahlsonntag (9. Juni 2024) sehr mit sich im Reinen. Keine Luftsprünge zwar, aber auch keine Niedergeschlagenheit. Stattdessen: „Bassd scho.“ Genau so sagt das auch der junge Yannik Dörr.  

CSU-Kandidatin Annamarie Bauer ist glücklich 

Mit etwa 20 anderen Mitgliedern und Anhängern ist Yannik Dörr, der bei der Schülerunion ist, ins „Ambräusianum" gekommen. Vorne läuft auf einem Bildschirm die Wahlsondersendung der ARD, auf einem Stuhl davor lässt die Bamberger Europa-Kandidatin Annamarie Bauer die ersten Zahlen auf sich wirken.

„Zufrieden und glücklich“ fühle sie sich. Dass sie auf Platz 16 der CSU-Liste nicht ins EU-Parlament einzieht, sei ihr von vorneherein klar gewesen. Wie viel Prozent die CSU für ihren persönlichen Triumph hätte bekommen müssen, hat sie sich deshalb erst gar nicht ausgerechnet: „Das war total unrealistisch“, sagt Annamarie Bauer. 

Melanie Huml lobt Annamarie Bauer für den Wahlkampf

Ihre Kandidatur will die 28-Jährige Kreisvorsitzende der Jungen Union (JU) als Dienst an der Partei und an Europa verstanden wissen. „Annamaria hat einen sehr engagierten Wahlkampf geführt“, lobt Melanie Huml.

Die Landtagsabgeordnete und bayerische Gesundheitsministerin a.D. führt als Gastgeberin durch den Wahlabend. Denn Bambergs CSU-Chef Gerhard Seitz lässt sich entschuldigen. Er ist im Urlaub. Seltsames Timing, oder? „Ach, nein“, sagt Huml. „Er hat es Annamarie und mir eben zugetraut, heute Abend auch ohne hin zurecht zu kommen." 

Bambergs CSU-Chef Gerhard Seitz ließ sich am Wahlsonntag entschuldigen.
Bambergs CSU-Chef Gerhard Seitz ließ sich am Wahlsonntag entschuldigen. // Foto: Fränkischer Tag/Archiv

Auch wenn Seitz am Wahlabend fehlt, schwebt sein Geist doch über dem Gasthaus in der Sandstraße. In der Affäre um das „Festa Italica“ auf dem Maxplatz hatte sich Seitz zuletzt in einer Weise geäußert, die Marco Depietri  vom Kulturverein „mosaico italiano“ als „rassistisch" brandmarkte.

„Das müssen die beiden Herren schon unter sich klären“, sagt Huml. Damit wolle sie es bewenden lassen.  

Lieber preist Huml die CSU als „Stabilitätsanker". In dieser Eigenschaft sei die CSU allein auf weiter Flur angesichts einer ausgefaserten Parteienlandschaft und einer Kanzlerpartei, die nicht einmal halb so stark sei.

„Wenn man sich das vor Augen führt, hat die CSU ein richtig gutes Ergebnis geholt“, sagt Huml.

So feierte die Bamberger CSU die erste Prognose von der Europawahl.
So feierte die Bamberger CSU die erste Prognose von der Europawahl. // CSU Bamberg

Huml erklärt sich die rund 40 Prozent insbesondere mit „unserer wirtschaftlichen Kompetenz". Im Wahlkampf hätten die Menschen mit ihr nicht etwa über Genderpolitik und andere kulturkämpferische Themen sprechen wollen. „Es ging vor allem um die Angst vor wirtschaftlichem Abstieg und Wohlstandsverlust.“

Angesichts ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Zulieferindustrie, sagt Huml, würde ein für 2035 avisiertes Aus für Verbrennungsmotoren „die Stadt Bamberg ins Mark treffen“. Huml und mit ihr die CSU befürworteten „technologieoffene Lösungen“ statt dirigistischer Vorgaben. „Damit konnten wir beim Wähler punkten“, glaubt Huml. 

Christian Lange ist besorgt über die Zugewinne der AfD 

Das sieht auch Stadtrat Christian Lange so. Nur das starke Abschneiden der AfD im Freistaat und auch der Stadt Bamberg bekümmert ihn. In Unkenntnis genauer Zahlen traut sich Lange am frühen Abend lediglich eine erste und tastende Analyse zu.

Lange vermutet die AfD vor allem im Bamberger Osten stark. Er bringt diese Vermutung mit einem durch das Ankerzentrum lädierten Sicherheitsempfinden in Verbindung. „Wir müssen den Menschen im Bamberger noch stärker zeigen, dass sie uns nicht egal sind.“

Christian Lange fordert Antworten zum Ankerzentrum 

Konkret fordert Lange, sich mit Blick auf das Ankerzentrum endlich ehrlich zu machen. „Ob das Ankerzentrum 2025 nun schließt oder nicht: Wir brauchen für beide Szenarien endlich Lösungen.“

Insbesondere sein Parteifreund und Innenminister Joachim Herrmann könnte mit dem einen oder anderen sachdienlichen Hinweis sicherlich behilflich sein. Lange zeigt auf die Bamberger Stadtspitze: „Hier liegt die Verantwortung.“ 

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