Führungsposition
Experte kritisiert: Nur ein Drittel sind Frauen
Selbst  Powerfrauen haben es immer noch schwer.
Selbst Powerfrauen haben es immer noch schwer.
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LKR Bamberg – Der Bamberger Sozialforscher Dr. Florian Schulz sieht immer noch wenig Frauen in Führungspositionen. Warum ist das so?

Dr. Florian Schulz ist Soziologe und empirischer Sozialforscher am Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb); er forscht zu Familie und Arbeit, insbesondere unbezahlte Arbeit, und Geschlechterungleichheit.

Gibt es eine erkennbare Entwicklung beim Thema Frauen in Führungspositionen?

Florian Schulz: Obwohl Frauen inzwischen ebenso hoch qualifiziert sind wie Männer, findet man sie deutlich seltener in Führungspositionen. Das Statistische Bundesamt hat errechnet, dass nur knapp jede dritte Führungskraft eine Frau ist und dass sich dieser Anteil in den letzten zehn Jahren kaum verändert hat. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich im Mittelfeld.

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In welchen Bereichen haben sich Frauen durchgesetzt?

Im Sozial- und Gesundheitswesen sowie in den Bereichen Unterricht und Erziehung sind Frauen noch am häufigsten in leitenden Positionen zu finden, ganz im Gegensatz zur Finanz- und Versicherungsbranche. Auch im öffentlichen Sektor gibt es mehr Frauen in Führungspositionen als in der Privatwirtschaft. Allerdings liegen diese Anteile nirgends über 50 Prozent, d.h. die große Mehrheit der Führungspositionen ist nach wie vor mit Männern besetzt.

Wo haben Frauen überhaupt keine Chancen und warum?

Für Frauen scheint es besonders schwierig zu sein, in die Vorstände und Aufsichtsräte größerer Unternehmen zu kommen. Das steht in einer gewissen Diskrepanz zu der häufigen Forderung, dass gerade dort mehr Frauen wünschenswert wären. Offenbar sind die Verantwortlichen noch nicht bereit, die eingeschliffenen Besetzungsrituale bei solchen Positionen nachhaltig in Frage zu stellen.

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Was braucht es Ihrer Meinung nach, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen?

Es müsste sich die Einsicht durchsetzen, dass das (biologische) Geschlecht kein guter Indikator für die Kompetenzen, Fähigkeiten und Leistungspotenziale von Menschen ist. Allerdings scheint sich die Gesellschaft offenkundig schwer damit zu tun, mit diesen Vorurteilen aufzuräumen.

Gibt es in Ihren Forschungen besondere Auffälligkeiten?

Meine Forschungen haben gezeigt, dass sich die Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit zwischen Frauen und Männern in den letzten Jahrzehnten leicht angeglichen hat. Diese Entwicklung verläuft zwar stetig, aber sehr langsam, so dass der Weg bis zu einer völligen Gleichstellung der Geschlechter noch ziemlich weit sein dürfte.

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