In den Chefbüros der Karstadt-Kette spielen sich am Montagvormittag dramatische Szenen ab. Per Videokonferenz erfahren die Filialleiter, ob ihr Standort erhalten bleibt – oder nicht. Der Tag wird viele Verlierer bringen. Mathias Baluses wird in die Konferenz der Gewinner geladen. Bamberg bleibt.
„Wir wurden von der Geschäftsführung informiert, dass unter anderem der Standort in Bamberg im Galeria-Portfolio verbleibt und dementsprechend fortgeführt wird. Ich bin sehr glücklich über diese Nachricht und bedanke mich auch im Namen meines Teams für den großen Zuspruch in den vergangenen Wochen“, berichtet ein sichtlich erleichterter Baluses.
Kunden in seinem Kaufhaus haben die gute Nachricht am Mittag noch gar nicht gehört. „Wir sind hier, weil wir noch schnell unseren Gutschein einlösen wollten, bevor Karstadt schließt“, erzählt Leonie Kraus. „Wir gehen seit 70 Jahren hierher. Also auch noch weiterhin“, sagt Anton Geiling.
Bei den Mitarbeitern ist die gute Stimmung noch gedrückt. Sie denken an die Kollegen in Coburg, Nürnberg und Schweinfurt – deren Filialen nicht weitergeführt werden. Neben Bamberg bleiben die fränkischen Standorte in Aschaffenburg, Würzburg, Nürnberg-Lorenzkirche und nach Nachverhandlungen auch die Standorte in Erlangen und Bayreuth erhalten.
Und sorgenfrei können auch die 100 Bamberger Mitarbeiter nicht sein – immerhin stehen Pläne im Raum, den Standort zu verkleinern und teilweise andere Mieter mit aufzunehmen. „Wir bangen immer noch“, sagt eine Verkäuferin.
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Karstadt Bamberg: So reagiert der Betriebsrat
So erklärt Betriebsratsvorsitzender Matthias Liebel, die Belegschaft habe die Nachricht mit großer Erleichterung aufgenommen. „Gleichwohl wissen wir um Filialen, die nach aktuellem Stand der Dinge zur Schließung vorgesehen sind. Darüber sind wir natürlich sehr betroffen.“ Für den Standort Bamberg hoffe man, „dass die angekündigten Investitionen zeitnah umgesetzt werden können und unser Standort dauerhaft bestehen bleibt“.
Karstadt Bamberg: OB Starke erleichtert
Auch Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke zeigt sich erleichtert. „Das sind beste Nachrichten für die Bamberger Innenstadt, in der es viele kleine und mittelgroße Läden gibt, die gemeinsam eine erhebliche Anziehungskraft auf Besucher von nah und fern ausüben“, erklärt Starke. Ein großes Kaufhaus verstärke diese Attraktivität und stelle ein maßgebliches Argument gegen Angebote auf der Grünen Wiese dar.
Karstadt sei „die Kirsche auf der Sahnetorte“ der Bamberger Innenstadt. „Es hat sich gelohnt, dass sich der Geschäftsführer vor Ort, der Betriebsrat und die Kommunalpolitik gemeinsam für Karstadt Bamberg stark gemacht haben. Auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fällt mir ein Stein vom Herzen, weil es natürlich Existenzängste gab“, sagt Starke.
Karstadt Bamberg: Wettbewerb gegen Online-Handel
Ähnlich optimistisch äußert sich Stadtmarketing-Geschäftsführer Klaus Stieringer. „Das ist ein guter Tag für Bamberg!“ Die Entscheidung unterstreiche die Attraktivität des Standorts Bamberg. Die messbare Besucherfrequenz in der City, die Lage, die Lebendigkeit der Welterbestadt: Offenbar hätten die Bamberger Trumpfkarten gestochen.
"Wir brauchen Karstadt als Frequenzbringer“, sagt auch Anne Rudel als Sprecherin des Einzelhandels in Bamberg. „Ohne Karstadt wäre die Innenstadt noch toter, als sie eh schon ist.“ Nun gelte es, den Erfolg weiterzuführen.
Galeria Karstadt Kaufhof: Das plant das Unternehmen
Wie das geschafft werden soll? Galeria plant, in den kommenden drei Jahren nach eigenen Angaben alle weiter betriebenen Filialen umfassend zu modernisieren. „Mit einem Sortiment, das stärker auf die lokalen und regionalen Bedürfnisse ausgerichtet ist. Dazu zählt eine kundenfreundliche Verzahnung von Mobile-, Online- und Filialkaufmöglichkeiten“, heißt es dazu in der offiziellen Pressemitteilung des Gesamtkonzerns „Galeria Karstadt Kaufhof“, der aktuell noch mit über 17.000 Mitarbeitern in 97 deutschen Städten vertreten ist.
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Ende Oktober 2022 hatte der Handelsriese zum zweiten Mal innerhalb von weniger als drei Jahren Rettung in einem Schutzschirm-Insolvenzverfahren gesucht. Um diesmal die Wende zu schaffen, will sich Galeria künftig vor allem in den Segmenten Bekleidung, Beauty und Home eindeutiger positionieren.
Attraktive Gastronomie-Angebote und sinnvolle Ergänzungen wie Versicherungen, Schneidereien, Reinigungen oder Bürger-Services sollen die Filialen künftig zum beliebten Treffpunkt in der Innenstadt machen.
Was freilich bald abmontiert wird, sind die Buchstaben des „Karstadt“-Schriftzuges am Maxplatz und am Grünen Markt in Bamberg. Hier wird laut Baluses bald „Galeria“ stehen. Vorschläge, einfach wieder „Hertie“ zu schreiben, quittiert der Filialleiter mit einem herzhaften Lacher.
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