Die Kinder sollen es einmal besser haben. Nicht nur bei Ausbildung, Beruf und Karriere wünschen sich viele Eltern, von den eigenen Sprösslingen später überflügelt zu werden. Auch beim Thema Geld wollen Mamas und Papas dem Nachwuchs den Start ins Leben gerne erleichtern. „So wird dein Kind zum Millionär“, lauten die Schlagzeilen, mit denen die treusorgenden Erzeuger besonders im Internet geködert werden. Meistens basieren die angepriesenen Verfahren auf dem berühmt-berüchtigten Zinseszinseffekt. Gerne wird dabei suggeriert, dass die Eltern der kleinen Bens und Mias nur einen Euro pro Tag zur Bank bringen müssen, um die Kinder bis zum 18. Geburtstag steinreich zu machen. Ein Trugschluss.
Merten Larisch, Referent für Altersvorsorge, Geldanlage und Immobilienfinanzierung bei der Verbraucherzentrale Bayern, kennt den Charme der Zinseszinsen. Gerade bei Geldanlagen für Kinder kann dieser Effekt seine Stärken ausspielen. Denn durch Zinsen auf Zinsen wächst mit der Zeit das Anlagekapital automatisch immer stärker an. Heißt im Klartext: Wer die Zinsen auf dem Konto belässt, kann mit den Jahren immer größere Zinseffekte erzielen. Neben der Anlagenhöhe spielt die Laufzeit die entscheidende Rolle. „Je eher, desto besser“, lautet für Larisch daher der Leitspruch bei der richtigen Geldanlage für den eigenen Nachwuchs.
Zunächst sich selbst ausreichend absichern
Allerdings würde Larisch wohl nicht bei der Verbraucherzentrale arbeiten, wenn der Fachmann für Altersvorsorge, Geldanlage und Immobilienfinanzierung nicht auch eine eindringliche Warnung für Eltern im Gepäck hätte. Demnach sollten diese erst mit den Sparplänen für die Kinder beginnen, wenn neben genügend Rücklagen auch eine ausreichende Absicherung für existenzielle Risiken durch eine Berufsunfähigkeits- oder Risikolebensversicherung besteht.
Dabei liege laut Larisch die entscheidende Betonung auf dem unscheinbaren Wörtchen „ausreichend“. Neben ausreichendem Kapital auf der sprichwörtlichen hohen Kante sowie genügend Policen für die ernsthaftesten Notfälle müssten Eltern schließlich auch die eigene Altersvorsorge im Blick haben. Um nach dem Berufsleben nicht vor einem finanziellen Scherbenhaufen zu stehen, sollten junge Familien auch hier auf Sparraten in ausreichender Höhe achten, um für den Ruhestand ausgesorgt zu haben.

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Klassisches Sparen bei regionalen Banken
Die Geldinstitute in der Region haben Finanzprodukte im Portfolio, um Eltern bei ihrem individuellen Wunsch nach einer langfristigen Anlagestrategie für den Nachwuchs zu unterstützen. Die VR-Bank Bamberg-Forchheim bietet zum Beispiel für konservativ ausgerichtete Anlegereltern das VR-Bonussparen an. Bei diesem Produkt können Kunden eine feste monatliche Sparrate mit einer festen Laufzeit von bis zu zehn Jahren selbst festlegen, erklärt Bernd Froese, Bereichsleiter für Vertriebsmanagement bei der VR-Bank. Diese Kombizins-Anlage sei schon für Sparraten ab 25 Euro pro Monat möglich.
Neben einem festen Grundzins wirbt die Volks- und Raiffeisenbank mit jährlich ansteigenden Boni auf die jeweils jährlich geleisteten Einzahlungen. In einer Beispielrechnung können Kunden bei monatlichen Raten in Höhe von 100 Euro nach zehnjähriger Laufzeit mit einem Wertzuwachs von knapp über elf Prozent rechnen. Die Rendite vor Steuern beträgt in dieser Beispielrechnung rund zwei Prozent. Nach zehn Jahren kann sich der Nachwuchs als Endkapital über fast 13.500 Euro freuen.
Die Sparkasse Bamberg hat Finanzprodukte im Angebot, die sich speziell an Eltern richten, die dem Nachwuchs beim Vermögensaufbau unter die Arme greifen wollen. Im besten Fall würden Mamas und Papas direkt nach der Geburt damit anfangen, an die finanzielle Zukunft des Nachwuchses zu denken. Dafür bietet die Sparkasse einen speziellen „Kinder-Sorglos-Plan“ an. „Das ist ein Produktbündel, das viele Bedarfs- und Vorsorgefelder des Kindes abdeckt. Unter anderem enthält dieses das kostenlose Kinder- und Jugendgirokonto“, erklärt Petra Katzenberger, stellvertretende Sprecherin der Sparkasse Bamberg. Derzeit würden auf Einlagen auf dem Jugendgirokonto bis zum 18. Geburtstag zwei Prozent Zinsen pro Jahr bezahlt. „Der Kinder-Sorglos-Plan ist eine gute Mischung aus Absicherung des Kindes, Sparplänen zum Vermögensaufbau und dem Kinder- und Jugendgirokonto“, betont Katzenberger und verweist auf weitere Anlagemöglichkeiten.
Aktien und Fonds: Sparen für Mutige bei regionalen Banken
Für etwas wagemutigere Eltern bietet Froese mit dem Fondssparplan „UniGlobal“ noch eine zweite Anlagestrategie an. Gerade für langfristig denkende Eltern mit einem Anlagehorizont von mindestens sechs Jahren könnte diese Alternative zur klassischen Geldanlage eine interessante Option darstellen. Allerdings würden Eltern bei dieser Variante etwas bessere Nerven benötigen. Schließlich seien kurzfristige Wertschwankungen über steigende oder fallende Aktien- und Wechselkurse hier eher die Regel als die Ausnahme. „Aufgrund der höheren Renditechancen sind Fondssparpläne eine sehr interessante Sparmöglichkeit“, sagt Froese, der dabei die Risiken nicht verschweigen will. Bei einem weltweit investierten Aktienfonds könnten schließlich auch rechtliche oder politische Schwierigkeiten zu Totalausfällen beispielsweise in Entwicklungs- oder Schwellenländern führen.
Beispielrechnungen aus der Vergangenheit zeigten jedoch, dass mit den höheren Risiken offensichtlich auch höhere Erträge einhergehen. Wer beispielsweise im Jahr 2014 damit begonnen hätte, 100 Euro pro Monat in den Fondssparplan „UniGlobal“ zu investieren, hätte nach Einzahlungen in Höhe von 12.000 Euro heute zehn Jahre später eine durchschnittliche Jahresrendite in Höhe von stolzen 11,27 Prozent erzielt und etwas mehr als 21.500 Euro auf dem Konto. Im Kleingedruckten können renditeorientierte Eltern allerdings lesen, dass neben steuerlichen Aspekten auch die Depotkosten nicht in die Beispielrechnung eingeflossen seien. Grundsätzlich lasse sich bei Wertpapieranlagen die Entwicklung der Vergangenheit nicht einfach in die Zukunft fortschreiben, heißt es ausdrücklich in den Warnhinweisen.
Mit dem „Deka-Juniorplan Plus“ bietet auch die Sparkasse Bamberg den Eltern einen speziellen Fondssparplan. „Mit kleinen Schritten können Sie eine große Zukunft schaffen“, lautet der Werbeslogan für den Juniorplan mit den verlockenden Renditechancen speziell für Neugeborene und Kinder bis zu acht Jahren. Die monatlichen Beiträge sollten zwischen mindestens 25 und maximal 250 Euro betragen. Die Laufzeit kann zwischen zwölf und 18 Jahren festgelegt werden. Die Sparkasse Bamberg gönnt den Allerkleinsten mit einem Startgeld in Höhe der monatlichen Sparraten sogar ein kleines Extra zum Beginn des Sparplans. Außerdem werden über die gesamte Laufzeit bis zu vier weitere Sparprämien in Höhe der monatlichen Raten versprochen.
Bei einer vereinfachten Beispielrechnung zur Darstellung der Funktionsweise des „Deka-Juniorplans Plus“ beispielsweise ohne Berücksichtigung von Steuern und einer Renditeannahme in Höhe von fünf Prozent kann der Nachwuchs nach 18 Jahren je nach Höhe der monatlichen Sparbeträge mit knapp 20.000 Euro (bei 50 Euro pro Monat), knapp 40.000 Euro (bei 100 Euro pro Monat) oder rund 80.000 Euro (bei 250 Euro pro Monat) rechnen. Das Kinder-Depot sei laut Sparkasse Bamberg bis zum 18. Geburtstag des Nachwuchses trotzdem kostenlos.
Fonds und ETFs: Gute Renditechancen, niedrige Nebenkosten
Wer höhere Nebenkosten wie Depotkosten auf ein Minimum reduzieren will, muss sich etwas intensiver mit Finanzprodukten wie Fondssparplänen und ETFs auseinandersetzen. Dann besteht die Möglichkeit, bei sogenannten Direktbrokern wie Trade Republic, eToro oder entsprechenden Direktangeboten von Banken (beispielsweise ING, Comdirect, Sparkasse, Targobank) selbst zu handeln und so Kosten zu sparen. Aber auch hier gibt es unterschiedliche Gebühren und Risiken. Vor allem die Verlustrisiken sollte man kennen und einschätzen können, bevor man einsteigt.
Das Angebot richtet sich zwar nicht speziell an Eltern, aber durchschnittliche jährliche Renditen im hohen einstelligen Prozentbereich sind drin. So hat etwa der Aktienindex MSCI World, der Aktienwerte der größten Unternehmen in Industriestaaten bündelt, laut Finanztipp.de seit 1975 jährlich eine durchschnittliche Rendite von 9 Prozent erbracht.
Was vor der Entscheidung zu beachten ist
Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern rät allen Eltern beim Aufstellen der Sparpläne für den Nachwuchs auf renditeschmälernde Kosten genau zu achten und sich beispielsweise nicht von vermeintlichen Vorteilen einer Versicherungsform als Sparvehikel blenden zu lassen. Fallstricke lauern aber auch auf Eltern, die bei der Wahl des Finanzprodukts (fast) alles richtig gemacht haben. Larisch rät den Eltern dazu, sich Gedanken darüber zu machen, auf welchen Namen das Sparprodukt laufen soll. Läuft beispielsweise ein Konto unter dem Namen der Eltern, könnten Steuerfreibeträge des Kindes unausgeschöpft bleiben. Läuft das Konto unter dem Namen des Kindes, können die Eltern unter Umständen die Zugriffsmöglichkeiten verlieren. Je nach Höhe des Sparkontos könnten die Kinder auch Probleme mit Steuerbehörden bekommen oder bei der Auszahlung von Stipendien aufgrund des plötzlichen Vermögens in die Röhre schauen.
Generell rät der Experte von der Verbraucherzentrale den Eltern, sich über die Ziele der Geldanlage klar zu werden. „Es sollte meiner Meinung nach darum gehen, den Kindern eine gute Ausbildung und einen guten Start ins Leben zu ermöglichen und nicht darum, dem Kind zum 18. Geburtstag als Überraschung ein stattliches Vermögen präsentieren zu können.“ Außerdem könnten Eltern den Sprösslingen auch noch später – zum Beispiel zur Hochzeit oder zum Hausbau – einen Finanzzuschuss gewähren, um die Kinder auf dem Lebensweg zu unterstützen. Wollen Eltern zu solchen Anlässen Vermögenswerte an ihre bereits erwachsenen Kinder übertragen, fallen unter Umständen Steuern an. Hierfür gelten allerdings großzügige Freibeträge.













