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Polizei ermittelt
Kreis Forchheim: Bäckereien im Visier der Einbrecher
Bereits zum dritten Mal hat es diese Filiale in Neuses erwischt.Forchheim & Fränkische Schweiz
Bereits zum dritten Mal hat es diese Filiale in Neuses erwischt. // Barbara Herbst
Neuses an der Regnitz – Gesprengte Geldautomaten, Bäckerei-Diebstähle, Wohnungseinbrüche: Gefühlt steigt die Kriminalität im Landkreis Forchheim seit einigen Wochen. Treibt eine Bande ihr Unwesen?

Den Schreck ihres Lebens bekommt Elke Betz um 4 Uhr morgens. Es dauert noch einige Zeit, bis der Tag anbricht. Wie immer im Frühdienst will sie in den frühen Montagsstunden die Tür zu Bäckerei in Neuses an der Regnitz öffnen und die Filiale vorbereiten. Die Tür aber steht offen.

Geistesgegenwärtig ruft die Verkäuferin die Polizei. Und traut sich sogar hinein in die Stube. Schließlich ist alles ruhig, wie sie sagt. Die Diebe sind weg.

Drei Einbrüche innerhalb kurzer Zeit

Betz ist nicht alleine mit dieser Erfahrung. Anderen Kolleginnen passierte es ähnlich. Denn es ist nicht der erste Einbruch in der Bäckerei in der Straße Weinhütten, direkt neben dem Discounter im Neuseser Gewerbegebiet.

Seit dem 4. Oktober ist bereits das dritte Mal in diese Filiale eingebrochen worden. Das Ziel der noch unbekannten Täter: Die im Tresor verschlossenen Tageseinnahmen.

Zwei Einbrüche in Bäckerei in Kirchehrenbach

Ortswechsel: Kirchehrenbach, Pretzfelder Straße: Auch dort ist erneut in die Filiale eines Würzburger Bäckereigroßbetriebs eingebrochen worden. Seit Oktober bereits das zweite Mal. Haben der oder die Täter beim ersten Mal noch Bargeld aus dem Tresor stehlen können, gingen sie dieses Mal leer aus. Immerhin. Für das Verkaufspersonal und die betroffenen Bäcker aber bleibt mehr als der reine Verlust von Bargeld.

Mit den Taten schwindet das Sicherheitsgefühl.

Bäcker: „Man kommt sich hilflos vor“

„Man kommt sich hilflos vor.“ Thomas Loskarn, Bamberger Bäckermeister und Geschäftsführer mehrerer Filialen rund um Bamberg und der betroffenen in Neuses, kann sich nicht erklären, dass er schon wieder zum Opfer gemacht wurde. „Wir haben unsere Sicherheitsmaßnahmen jedes Mal angepasst“, sagt er. Die Türen verstärkt. Bewegungsmelder angebracht. Kameras. All das hat aber alles nichts gebracht.

Thomas Loskarn, Bamberger Bäckermeister und Geschäftsführer mehrerer Filialen im Landkreis Bamberg und ForchheimForchheim & Fränkische Schweiz
Thomas Loskarn, Bamberger Bäckermeister und Geschäftsführer mehrerer Filialen im Landkreis Bamberg und Forchheim // Matthias Hoch

„Wer unbedingt hinein will, schafft das wohl auch. Und je mehr wir aufrüsten, desto größer wird der Schaden. Irgendwann steht die zu schützende Summe mit den Kosten der Sicherung in keiner Relation mehr.“

Die Bäcker ächzten sowieso seit Monaten, leiden unter Fachkräftemangel, hohen Rohstoffpreisen und spätestens seit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine unter den enorm gestiegenen Energiekosten. Nun auch noch die Einbrüche.

Noch keine heiße Spur

Eine heiße Spur ist aktuell noch nicht in Sicht, wie der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken Christian Raithel auf FT-Anfrage einräumt. Fünf Einbrüche alleine in Bäckereien in fünf Wochen im Landkreis Forchheim, dazu ein weiterer Einbruch in eine Bäckerei im Landkreis Bamberg, in Scheßlitz: Besteht zwischen den Taten ein Zusammenhang?

„Wir prüfen selbstverständlich einen möglichen Zusammenhang zwischen den Taten“, sagt Raithel. Aber solange noch kein Verdächtiger im Fokus stehe, sei das schwierig zu sagen. Bis dahin behandeln die Ermittler die Taten als einzelne Fälle.

Gesprengte Geldautomaten und viele Diebstähle

Gefühlt steigt die Kriminalität im Landkreis Forchheim in den vergangenen Wochen. Gesprengte Geldautomaten, Bäckerei-Diebstähle, mittlerweile drei Wohnungseinbrüche in kurzer Zeit in Forchheim und Effeltrich. Gefühl oder Tatsache?

Ein Blick in die polizeiliche Kriminalstatistik zeigt: Nach einem relativ ruhigen Jahr 2020 (14 Einbrüche in Bäckereien, Diensträumen und Ähnlichem) ist die Zahl der Einbrüche 2021 stark angestiegen. Da waren es schon 20 Vorfälle. Demgegenüber sind immerhin die Einbrüche in Wohnungen stark zurückgegangen; waren es 2020 noch 30 Fälle im Landkreis, zählte die Polizei im vorigen Jahr nur noch 13.

Das sind die Prognosen für 2022

Und 2022? Für das laufende Jahr gibt die Polizei noch keine belastenden Zahlen heraus, wagt auch keine Prognose. „Die sogenannte dunkle Jahreszeit hat gerade erst begonnen, noch können wir nichts Konkretes sagen.“ Nur so viel: Grundsätzlich warnt die Polizei immer verstärkt in der Zeit rund um die Zeitumstellung.

Zurück in die Backstube. Thomas Loskarn: „Klar machen wir weiter. Und klar bauen wir unser Sicherheitssystem aus.“ Die Unternehmer sind ja versichert, große Teile der Schäden werden ersetzt.

Und doch könne Loskarn gerne auf den Stress und die Aufräumarbeiten verzichten. Ein Hauch Ohnmacht schwingt in seiner Stimme mit. Und leise Hoffnung, dass die Polizei die Fälle schnell aufklärt.

 

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