Update vom 28. Oktober, 11.15 Uhr
Wie das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bamberg am Montagmorgen gemeinsam mitteilten, soll der 51-Jährige inzwischen in der Untersuchungshaft den ihm vorgeworfenen Missbrauch gestanden haben.
In der vergangenen Woche soll der Haftbefehl gegen den Mann außer Vollzug gesetzt worden sein.
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Neblig ist es oft derzeit in der Fränkischen Schweiz. Das liegt an den besonderen meteorologischen Gegebenheiten im Herbst. In einer Gemeinde aber wabern zusätzlich noch fiese Gerüchte und ein schlimmer Verdacht durch den Ort. Nach der Verhaftung eines Kinderpflegers in der katholischen Kita herrscht nach wie vor große Unsicherheit in der Gemeinde. Doch wie genau ist die Gemütslage derzeit im Ort?
[Anmerkung der Redaktion: Es ist der Redaktion bekannt, um welche Einrichtung in welchem Ort es sich handelt. Unserer Redaktion liegen die Informationen vor. Doch wir haben uns dagegen entschieden, diese zum jetzigen Zeitpunkt zu veröffentlichen. Vor allem stützen wir uns auf die Prinzipien der Verdachtsberichterstattung. Weil die Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils gilt, ist es unsere Aufgabe, die Persönlichkeitsrechte auch eines mutmaßlichen Täters zu wahren. Weil bereits öffentlich bekannt ist, dass es sich um eine katholische Kita handelt, haben wir uns auch gegen Nennung des Ortes entschieden, weil es im Ort nur eine solche gibt.]
51-jähriger Kinderpfleger sitzt noch immer in Untersuchungshaft
Ein Kinderpfleger aus dem Raum Ebermannstadt soll in der betreffenden Kita eine Fünfjährige unsittlich am Oberkörper berührt haben, wie das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bamberg gemeinsam erklärt hatten. Später meldeten sich weitere Eltern, insgesamt könnten bis zu drei Kinder sexuell missbraucht worden sein. Vor einem Monat ist der 51-Jährige in Untersuchungshaft genommen worden. Dort sitzt er noch immer, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigt. Er bestreite die Vorwürfe, heißt es.
Stimmungsbild im Ort: Keiner will reden
Gerne redet niemand über das Thema, das wird im Rahmen der Recherche schnell klar. Und doch zeichnet sich durch den Nebel an Verschwiegenheit ein schwieriges Bild. Während der Betrieb in der Kita weitgehend normal weiterläuft, bleiben die Eltern unruhig. Zumal sich ein großer Teil der Elternschaft überzeugt von der Unschuld des 51-Jährigen zeige, wie es aus dem Umfeld der Kita-Eltern heißt. Dies hatten die Eltern der Staatsanwaltschaft wohl sogar in einem emotionalen Brief mitgeteilt. Auch die Kinder hätten sich wohl betroffen gezeigt, dass ihr Kinderpfleger nicht mehr kommt. Ein Beweis für dessen Unschuld ist das freilich nicht.
Dass die Vorwürfe gegen den Kinderpfleger, der seit 2021 in der Kita angestellt ist, nicht stimmten oder gar soziokulturelle Hintergründe der Anklagenden eine mögliche Rolle spielen könnten, klingt hinter vorgehaltener Hand immer wieder durch. So sagen will das aber niemand, offiziell schon gleich gar nicht.
Erzbistum Bamberg: „Schutzkonzepte greifen“
Öffentlich für die Trägerin der Einrichtung, die örtliche Kirchenstiftung, gibt das Erzbistum als Stiftungsaufsicht Auskunft. Sprecher Harry Luck muss aber ebenfalls vertrösten. „Wir wissen auch nur das, was die Staatsanwaltschaft mitteilt“, sagt er. Er kann aber bestätigen, dass es die Solidaritätsbekundungen aus Reihen der Eltern gegeben hat. Details: Fehlanzeige. „Immerhin zeigt der Fall, dass unsere Schutzkonzepte greifen“, sagt Erzbistums-Sprecher Harry Luck und verweist schnell darauf, dass Missbrauchs-Vorwürfe kein alleinig kirchliches Thema seien. Man habe nach Bekanntwerden sofort gehandelt.
In den Cafés und im Rathaus, wo derlei Stadtgespräche in der Regel kursieren, bleibt die Suche nach einem Stimmungsbild ebenfalls ein Stochern im Nebel. Manch einer hat noch gar nichts davon mitbekommen, andere wollen sich nicht äußern. Der Bürgermeister sagt auf Anfrage, dass er aufgrund des Themas aktuell keine Unruhe in seinem Ort spüre. Bis auf die betroffenen Eltern der Kita sei das – zumindest öffentliche – Interesse derzeit überschaubar.
Wie die Stimmung in der betroffenen Kita ist
Und in der Kita selbst? Eine Mitarbeiterin sagt am Freitag, dass es im Team aktuell ruhig laufe. Wenngleich der Fall schon nach wie vor präsent sei, beeinträchtige er den laufenden Betrieb nicht. Einzeln angefragte Eltern wollen sich derzeit nicht äußern, auch nicht anonym. Nur so viel, die Stimmung wird als „bescheiden“ bezeichnet. Daran habe auch der Elternabend nicht viel geändert, den es in der Kita eigens zu diesem Thema gegeben hatte.
Bundeskriminalamt: Hohe Dunkelziffer bei sexuellem Missbrauch
Seit Jahren steigen Straftaten in diesem Bereich an. Wie aus dem Bundeslagebild 2023 des Bundeskriminalamts (BKA) hervorgeht, habe es bundesweit 16.375 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern gegeben. In Bayern alleine zählten die Behörden 1882 Fälle. Bei mehr als der Hälfte der Opfer bestand laut BKA eine nachweisliche Vorbeziehung (Verwandtschaft, Freundschaft). Lediglich jeder zwanzigste dokumentierte Fall ereignet sich in einer Kita oder anderer Institution. Kinderschutzorganisationen gehen allerdings nach wie vor von einem großen Dunkelfeld von nicht angezeigten Fällen aus.
Aktuell laufen die Ermittlungen weiter. Jedoch rechnen die Behörden aktuell nicht mit schnellen Ergebnissen. Bis dahin bleibt der Verdächtige wohl in Untersuchungshaft.
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