Während sie in den letzten Tagen dem Geschehen eher lethargisch lauschte, greift die Angeklagte am dritten Prozesstag immer wieder zu Block und Stift. Eifrig kritzelt sie Nachrichten hin, die sie ihrem Anwalt zeigt, während unter anderem ihre Vermieterin und ihre Ärztin als Zeugen aussagen.
Mit einem Messer soll sie im Juli 2021 ihren Schwiegersohn getötet haben – darin stimmen alle Zeugen überein. Doch wenn sie die Angeklagte beschreiben sollen, gehen ihre Aussagen auseinander. Was weiß man über die Frau hinter der grausamen Bluttat, die Ebermannstadt erschüttert hat?
Sie selbst schilderte am ersten Prozesstag ihre problematische Vergangenheit. Demnach soll sie im Alter von acht Jahren von ihrer Mutter nach Italien verschleppt worden sein, wo sie Opfer von Missbrauch und Gewalt geworden sein soll.
Mit dem Zug sei sie später zurück nach Deutschland geflüchtet und soll vier Jahre in einem Zelt an einem Baggersee gelebt haben, finanziell unterstützt von der Großmutter.
Täglicher Konsum von Cannabis
Die Angeklagte behauptet, sie würde Drogen nehmen, seit sie zwölf Jahre alt ist. Dieser Drogenkonsum ist immer wieder Gegenstand des Prozesses – wohl auch, um die Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt bestimmen zu können. Sowohl das medizinische Gutachten, als auch mehrere Zeugenaussagen bestätigen, dass die Angeklagte täglich Cannabis raucht.
Beim Konsum von Methamphetamin sind sich die Zeugen keineswegs so einig. Während die mutmaßliche Täterin behauptet, sie stünde unter beinahe konstantem Einfluss von Crystal Meth, widerlegt das medizinische Gutachten das. Auch Polizisten, die direkt nach der Tat vor Ort waren, hatten nicht den Eindruck, dass sie unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen stand.
Die Tochter der Angeklagten, die zum Zeitpunkt der Tat mit ihr zusammenwohnte, will ihre Mutter zuletzt circa drei Monate vor der Tat beim Konsum von Methamphetamin beobachtet haben.
Die Angeklagte habe Gewalt stets abgelehnt
Auch wenn es um das Wesen der Angeklagten geht, fallen die Bewertungen sehr unterschiedlich aus. Sie sei hilfsbereit, immer für einen da, naturverbunden, berichtet ein Bekannter. Aber auch aufbrausend. Cannabis habe sie geraucht, um runterzukommen.
Gewalt habe sie stets abgelehnt. „Die Frau war noch nie in ihrem Leben gewalttätig“, sagt Markus E., der ehemalige Lebensgefährte der Tatverdächtigen. Gemotzt habe sie aber viel, um nicht zu sagen ständig.
Sogar direkt nach der Tat zeigt die 54-Jährige zwei Gesichter. „Verrecken sollst“, habe sie laut übereinstimmenden Zeugenaussagen immer wieder geschrien. „Am Anfang war sie wie eine Furie, als sie dem Mann hinterher ist“, schildert Ralf P., der zusammen mit seinem Schwiegervater die Angeklagte entwaffnete. Sie habe sich vor allem darüber empört, dass Ersthelfer und Polizei versuchten, das Opfer zu retten.
Widersprüchliches Verhalten nach Tat
Doch schon wenige Momente später habe sich ihr Verhalten um 180 Grad gedreht. Polizeibeamte schildern sie als teilnahmslos und unscheinbar. „Wie wenn sie nicht dazugehört“, schildert einer der Polizisten ihr Verhalten am Tatort. „Ich bin doch sonst ganz friedlich“, soll sie zu einem anderen Beamten, gesagt haben. Auch im Prozess zeigt die Angeklagte sich weitgehend emotionslos und starrt teilnahmslos geradeaus.
Was alle Zeugen bestätigen, ist der liebevolle Umgang der Angeklagten mit ihrer Tochter und ihrer Enkelin. Das einzige, was sicher scheint, ist, dass diese enge Beziehung eine große Rolle bei der Tat spielte. Ob die Angeklagte schuldunfähig war, soll in den verbleibenden Prozesstagen ergründet werden.
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