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Datenanalyse
Altenpflege in Forchheim: Das dicke Ende kommt noch
Altenpflege
Eine Pflegerin blickt gemeinsam mit einer Bewohnerin eines Pflegeheims aus dem Fenster. // Tom Weller/dpa
LKR Forchheim – Schon jetzt steigt der Bedarf an Pflegeplätzen. Hinzu kommt, dass durch den Personalmangel viele Betten nicht belegt werden können. So sieht die Lage für den Landkreis Forchheim aus.

Der Pflegenotstand ist in aller Munde. Dazu kommt, dass der demografische Wandel vermehrt für Probleme in vielen Bereichen der Pflege sorgt. Die geburtenreichen Jahrgänge kommen zum einen als potenzielle Patienten auf die Altenpflege zu. Zum anderen gehen viele Pflegekräfte, die in diesen Jahrgängen geboren sind, in den Ruhestand.

Schon seit 2019 solle eine fast vollständige Auslastung der Pflegeheime bestehen. Überraschend bleibt, dass Betten leer stehen. So wie bei der Caritas im Landkreis Forchheim, dort sind  20 Plätze nicht belegt.

„Diese Situation ist einzig und alleine auf den Fachkräftemangel zurückzuführen“, erklärt  Benjamin Schmidt, der Bereichsleiter im Einrichtungsmanagement der Caritas. Die Nachfrage nach Pflegebetten bleibe weiterhin  hoch und es kämen sogar überregionale Anfragen. 

So prognostiziert das Landratsamt Forchheim den Bedarf mit dem demografischen Wandel. In der Region gibt es 914 Pflegebetten.Forchheim & Fränkische Schweiz
So prognostiziert das Landratsamt Forchheim den Bedarf mit dem demografischen Wandel. In der Region gibt es 914 Pflegebetten. // Franziska Schäfer

Der Heimeintritt passiert immer später

Das Seniorenzentrum des BRK (Bayerisches Rotes Kreuz) am Königsbad ist zurzeit voll belegt, erklärt Parbati Pangeni, die Einrichtungsleitung. „Die Menschen leben so lange wie möglich zu Hause“, bemerkt sie.  So komme es immer häufiger vor, dass die Bewohner erst im Notfall in die stationäre Pflege eintreten, wenn sie sich nicht mehr selbst versorgen können.

Das führt zu einem erhöhten Pflegeaufwand in den Einrichtungen und somit zu einem gestiegenen Pflegeschlüssel. Der stünde dabei eng im Zusammenhang mit dem Personalschlüssel. „Wenn nicht ausreichend Personal vorhanden ist, kann ich freie Betten nicht neubelegen“, erklärt die Einrichtungsleiterin. Das zeigt, dass freie Betten nicht immer gleich genutzt werden können. 

Vollauslastung der Pflege

Laut der Einschätzung der Pflegebedarfssituation im Landkreis Forchheim, durch Romy Eberlein vom Amt für Jugend, Familie und Senioren, stehen nach aktuellem Stand im Landkreis 914 Pflegeplätze zur Verfügung. Bei den Pflegekassen wurden jedoch für das Jahr 2021 nur 801 Belegungen registriert.

Nach den Berechnungen des Landkreises waren 113 Betten frei.  „Doch können die freien Plätze durch den Personalmangel nicht belegt werden“, erklärt Eberlein. „Der tatsächliche Bedarf in Forchheim scheint über der Nutzung von 801 Plätzen zu liegen.“

Die bayerische Nutzungsquote soll sich dem Bedarf der kommenden zehn Jahre stärker annähern, erklärt Eberlein. Hierbei besteht schon jetzt ein Mangel an Pflegeplätzen.

Da wegen der  aktuellen Personallage der Landkreis davon ausgeht, dass 2021 nur 801 Betten genutzt werden konnten, kann sich an den tatsächlichen  Bedarf mithilfe der Pflege Quote für Bayern angenähert werden. Dadurch entsteht alleine für 2021 ein Mangel an  137 Plätzen, wenn von 801 belegbaren Plätzen ausgegangen wird. 

Die Pandemie verschärft das Problem

Die Situation der Pflege verstärkte sich mit der Corona-Pandemie zusätzlich. „Die Zunahme der zu Hause lebenden Pflegebedürftigen von 2019 bis 2021 ergibt eine Steigerung von 26,2 Prozent in zwei Jahren“, beschreibt Eberlein.

Das  sei darauf zurückführen, dass die Betroffenen zu der Zeit einen Platz in einem Pflegeheim gesucht hätten und sich dann für eine ambulante Pflege entschließen mussten. Daraus schließt Eberlein, dass in der stationären Pflege ein versteckter Bedarf vorliegt, der ließe sich nicht aus den Nutzungszahlen schließen.

„Angehörige hatten Bedenken, dass die pflegebedürftige Person bei Umzug in eine stationäre Einrichtung leichter am Coronavirus erkrankt, als wenn sie zu Hause bleibt. Daher sind die aktuellsten Berechnungen mit dem Corona-Basisjahr 2021 auch eher als bestmögliche Annäherung zu sehen“, erklärt sie. 

Die Prognose durch die landkreiseigene Bevölkerungsvorausberechnung und aus den 801 Nutzungen  der Pflegestatistik des bayerischen Landesamts für Statistik ergibt, dass 2031 der Bedarf auf 1002 Pflegebetten steigen wird.

Für den Minimalfall wird so in  Zukunft mit den offiziell bestehenden 914 Pflegeplätzen allein ein Mangel von 88 Betten entstehen. Wenn man den vermuteten Bestand von 801 Plätzen mit der bayerischen Nutzungsquote vergleicht, ergibt sich für den Maximalfall sogar ein Mangel von 373 Plätzen. Diese Quote prognostiziert   für 2031 mit dem demografischen Wandel einen Bedarf bei 1174 Plätzen. 

Fachkräftemangel verschlimmert sich

Die personelle Lage kann nicht prognostiziert werden, denn durch den demografischen Wandel entsteht ein weiteres Problem: „Ein großer Teil der Mitarbeiter ist über 58 Jahre alt.  Wenn diese Gruppe in Rente geht, entsteht eine neue personelle Lücke, die ebenfalls gefüllt werden muss“, erklärt Parpati Pangeni vom BRK. 

Zudem gab es eine Personalabwanderung, während der Pandemie, bemerkt  Eberlein. Dabei sollen durch die Mehrfachbelastung, durch die vermehrten Hygienemaßnahmen und dem häufiger erkrankten Kollegen, einige das Berufsfeld gewechselt haben.

Pangeni hofft auf ihre Auszubildenden. Sie übernimmt ihre Schüler nach der Ausbildung und hofft auf Fachkräfte, auch aus dem Ausland, um dem Fachkräftemangel Herr zu werden.

Die Caritas-GmbH bildet in der Pflege aus. Aktuell gibt es  80 Auszubildende. In den drei Einrichtungen im Landkreis Forchheim sind es insgesamt zehn Pflegeschüler. 

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