Jeder kennt wohl jemanden, den es gerade erwischt hat: Kollegen, Familienmitglieder oder einen selbst. Die Krankheitswelle ist auch im Landkreis Forchheim in vollem Gang. Wir haben bei Hausärzten, Apotheke und Klinikum nachgefragt, wie sie die Situation bewerten und was sie empfehlen.
Wie ist die Lage in den Arztpraxen?
„Das Aufkommen an Infektsymptomen hat seit September kontinuierlich zugenommen“, berichtet Dr. Thomas Fiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin in Heroldsbach. Aktuell kämen 70 Prozent seiner Patienten wegen Infekten zu ihm. „Meist handelt es sich um virale Infekte der oberen Atemwege. Covid kommt vor, Influenza sehen wir jetzt im November bei uns in der Praxis keine positiven Testungen“, erklärt Fiermann.
Auch Dr. Claudia Gallwitz, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Forchheim, behandelt viele Menschen mit Infekten. Darunter seien hauptsächlich Erkältungskrankheiten. Auch Corona trete wieder gehäuft auf.
Ähnliches berichtet der Forchheimer Kinder- und Jugendarzt Thorsten Fröhlich. Es gebe viele Infekte mit Fieber, vor allem bei kleineren Kindern. Das sei für diese Jahreszeit normal. Rund ein Drittel seien Coronafälle, schätzt er. Das RS-Virus sei bisher dagegen nur sehr wenig aufgetreten.
Welche Rolle spielt Corona noch?
„Covid wird uns noch weiter begleiten. Das Virus findet immer neue Wirte und kann mutieren“, erklärt Dr. Thomas Fiermann. Die Symptome seien individuell. Personen, die bereits an Covid erkrankt gewesen seien, würden von ähnlichen, jedoch nicht unbedingt von schwereren Verläufen berichten.
Auf der Seite des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wurden in der Kalenderwoche 46 in Oberfranken 360 Coronafälle gemeldet. Vermutlich ist davon auszugehen, dass es eine höhere Dunkelziffer gibt.
Muss ich mich bei Symptomen auf Corona testen?
Das Robert Koch Institut (RKI) empfiehlt Schnelltests vor allem für Menschen, die Kontakt zu Risikogruppen haben oder selbst dazuzählen. Um eine Covid-Infektion sicher auszuschließen, rät Dr. Thomas Fiermann auch bei einem negativen Test an den Folgetagen weitere Tests zu machen. Dabei sei die richtige Handhabung wichtig.
„Leider sehen wir aber noch immer falsch negative Testungen“, erklärt Fiermann. Teilweise seien die Tests abgelaufen oder das Teststäbchen werde nur an die Nasenspitze gehalten. Durch solche „falsch negativen Testungen“ könne ein falsches Sicherheitsgefühl entstehen. Zudem sei es möglich, dass der Test erst Tage nach Beginn der Symptome positiv sei.
Sollte ich mich impfen lassen?
Laut Dr. Claudia Gallwitz sollten sich Patienten ab 60 Jahren sowohl gegen Grippe als auch Corona impfen lassen, da das Immunsystem im Alter nachlasse. Durch den guten Impfschutz ihrer überwiegend älteren Patienten seien weniger schwere Symptome, als in den vergangenen drei Jahren zu beobachten.
Eine Grippeimpfung könne auch bei jüngeren Menschen sinnvoll sein, zum Beispiel bei chronischen Krankheiten oder der Arbeit im medizinischen oder erzieherischen Bereich. Die Coronaimpfung sei bei Jüngeren dagegen weniger beliebt, auf Wunsch aber möglich.
Dr. Thomas Fiermann empfiehlt eine Auffrischimpfung mit dem aktuellen Corona-Impfstoff für alle Risikogruppen: „Also Personen mit Lungen und/oder Herzkreislauferkrankungen wie Asthma, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Diabetes oder einer koronaren Herzerkrankung sowie allen Personen mit schwachem oder geschwächtem Immunsystem.“
Wie ist die Lage am Klinikum Forchheim?
„Nicht zuletzt bedingt durch die kältere Jahreszeit sind die Coronazahlen auch in Forchheim wieder angestiegen“, schreibt Professor Jürgen Gschossmann, Ärztlicher Direktor des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz. Fälle von Influenza oder RSV gebe es dagegen wenige. Ein Anstieg in den kommenden Wochen sei zu erwarten.
Laut dem Intensivregister des RKI ist im Landkreis Forchheim aktuell eine Person mit Corona in intensivmedizinischer Behandlung (Stand 28.11.). Eine Maskenpflicht gibt es laut Pressesprecher Nikolas Pelke am Klinikum aktuell nicht.
Drohen Engpässe bei Medikamenten?
Unabhängig von der Pandemie gebe es nach wie vor Engpässe, berichtet Michael Burkard von der Don Bosco Apotheke Forchheim. Erkältungs- oder Antibiotikasäfte seien teilweise nicht verfügbar. „Ich schicke jeden Tag Bestandslisten an die Kinderarztpraxen, weil nicht alle Säfte da sind“, sagt Burkard.
Betroffen seien nicht nur Kinder- und Erkältungsmedikamente. Auch bei Insulinen oder Medikamenten gegen psychischen Erkrankungen gebe es Engpässe. Das hänge unter anderem mit den Produktionskapazitäten und der Tatsache, dass viele Wirkstoffe aus Europa oder Übersee kämen, zusammen.
Sollte ich wieder eine Maske tragen?
Dr. Thomas Fiermann empfiehlt Personen, die Infektsymptome zeigen und bisher ungetestet sind, eine FFP-2-Maske zu tragen, um ihr Umfeld zu schützen. Diesen gegenseitigen Respekt könne man sich von asiatischen Kulturen abschauen. „Masken in Bussen, U-Bahnen, Zügen, Kaufhäusern – generell bei dichten Menschenansammlungen signalisieren: Hey, du bist mir wichtig, ich möchte dich schützen, deshalb trage ich eine Maske“, erklärt Fiermann.
Wie kann ich mich schützen?
Die A-H-A-Regeln – also Abstand einhalten, Hygieneregeln beachten, Alltagsmaske tragen – aus den letzten drei Jahren hätten sehr gut geholfen, sagt Fiermann: „Händeschütteln vermeiden, FFP-2-Maske bei Infektsymptomen und eine respektvolle Distanz machen es dem Virus sehr schwer, von Mensch zu Mensch zu wandern.“
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