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Abschied vom Annafest
Jungadler betreiben Hoffmannskeller nicht mehr
Forchheim & Fränkische Schweiz
 // Jungadler
Signet des Fränkischen Tags von Sabine Memmel
Forchheim – Der Hoffmannskeller hat offenbar einen neuen Besitzer. Für die Jungadler bedeutet das, dass sie die Bewirtschaftung zum Annafest hier künftig nicht mehr übernehmen werden. Die Hintergründe im Interview.

"Wir haben euch was zu sagen. Und es sind leider nicht die Neuigkeiten, die die meisten erwartet haben. Leider geht für uns die Annafest-Zeit dieses Jahr nicht weiter, da der Keller sich über einen neuen Besitzer freut. Wir sind unheimlich stolz auf das, was wir die letzten zwei Jahre als branchenfremdes Unternehmen auf einem der größten Partykeller der Region auf die Beine stellen konnten."

Jungadler sprechen

So kündigt die Agentur Jungadler aus Forchheim am Mittwochvormittag ihren Abschied aus dem Kellerwald auf Instagram an.  Der neue Käufer des Hoffmannskeller möchte sich noch nicht in der Öffentlichkeit zu dem Thema äußern. Dafür äußert sich Nicholas Mohnlein CEO und Gründer der Jungadler. Zwei Jahre lang haben sie zum Annafest den Hoffmannskeller betrieben. Warum es jetzt nicht weitergeht - wir haben mit Mohnlein gesprochen:

Wie kam es eigentlich dazu, dass Ihr den Hofmannskeller übernommen habt?

Wir haben den Hoffmannskeller interimsmäßig betreut. Ursprünglich wollte die Brauerei Nikl den Hofmannskeller pachten und somit war das Annafest für uns nur für ein Jahr angedacht. Im zweiten Jahr wurden wir gefragt, ob wir das Ganze nicht nochmal machen würden, weil die Brauerei Nikl es weiterhin nicht betreiben wollte. Somit hatten wir die Chance, das Annafest im zweiten Jahr noch besser zu machen und aus unseren Erfahrungen zu lernen. Und das lief sehr gut, weil wir gemerkt haben, dass das mit der Zeit immer besser wird, wir alles professionalisieren und auch langfristig auf die Beine stellen können.  

Wieso verabschiedet Ihr Euch jetzt aus dem Kellerwald?

Aufgrund des Eigentümerwechsels.

Es hatte sich ein gewisser Investitionsstau angesammelt und wir konnten keine Investition tätigen, ohne die Gewissheit zu haben, den Hofmannskeller über mehrere Jahre zu machen. Deshalb waren wir mit den damaligen Eigentümern in Verhandlungen, ob wir das Annafest in den nächsten fünf Jahren so weitermachen können.

Auflagen der Stadt sorgten für Unsicherheit

Dann hätte es sich für uns auch gelohnt, in neue Krüge etc. zu investieren. Da fanden wir leider keine direkte Einigung und es wurde uns mitgeteilt, dass der Keller verkauft werden soll. Daraufhin haben wir versucht, den Keller selbst zu kaufen. Da gibt es einige Unwägbarkeiten, unter anderem die Auflagen der Stadt Forchheim.

Welche Auflagen sind das?

Einige Auflagen sind natürlich wichtig und richtig. Aber mit einer Auflage in Bezug auf den Fettabscheider, der schon platziert wurde, aber leider nicht auf Eigentumsgrund, hatten wir das Problem, dass der hätte versetzt werden müssen oder sich die Erbpachtsgrundlage geändert hätte.

Zeit als Wirte auf dem Annafest war tolle Erfahrung

Das führt zu einem großen Wertverlust der Immobilie und deshalb haben wir es leider nicht finanziert bekommen, den Keller so zu übernehmen. Den Preis, der vom jetzigen Käufer genannt wurde, konnten wir aufgrund dieser Auflagen nicht mitgehen.

Hättet Ihr den Keller gerne weitergeführt?

Ja, hätten wir gerne, weil wir nach zwei Jahren gewisse Erfahrungen gesammelt haben, wie wir ein Annafest ausrichten können. Wir haben das stimmungstechnisch, wirtschaftlich und organisatorisch in einem sehr guten Rahmen halten können und die Flagge für Forchheim hochhalten können.

Wie blickt Ihr zurück?

Es war eine mega Zeit. Wir wollten das Annafest mit aufs nächste Level heben. Wir wollten es über Social Media über die Tore Forchheims hinaus bekannt machen. Für uns war das ein Event, das wir zusammen mit unserem Netzwerk, unseren Gästen, unseren Forchheimern feiern wollten. Auch wenn es nicht immer wirtschaftlich war.

Was lief nicht so gut?

Ja, man muss sich einfach dran gewöhnen, was es rund ums Annafest für Auflagen gibt und wie die Dynamik zwischen den Wirten ist. Das ist oftmals nicht immer ganz einfach. Aber nach zwei Jahren weiß man, wie das Ganze so ablaufen sollte.

Ist es völlig ausgeschlossen, dass Ihr den Hofmannskeller nicht doch nochmal betreibt?

Völlig natürlich nicht, aber ich glaube nicht, dass der neue Käufer Bedarf hat.

Was fehlt im Kellerwald?

Ich glaube, dass nicht viel fehlt. Aber was ihm fehlt, sind Leute, die wirklich was bewegen wollen und frischen Wind mit reinbringen. Die sich aber auch bereit erklären, hier langfristig ein Konzept vorzulegen, wie so etwas genutzt wird. Und das sollte im Idealfall übers Annafest hinausgehen.

Kellerwald braucht Politik der Ermöglichung

Und egal ob es für Geburtstage oder Feiern ist oder ob es ein Saison- oder Ganzjahresbetrieb ist, es muss halt geklärt sein, was gut funktioniert. Es sollten Leute sein, die Lust und Potenzial haben. Und diese Leute sollte man bestenfalls nicht vergraulen und schauen, was man von der Stadt tun kann, um sie zu unterstützen. Also weniger eine Verhinderungspolitik, sondern mehr eine Ermöglichungspolitik.

Mir geht es hier nicht darum, irgendwie nachzutreten. Wir wünschen dem Annafest und dem Kellerwald alles Gute und hoffen, dass das alles gut ausgeht und sich die neuen Käufer mit genauso viel Liebe und Leidenschaft kümmern, wie wir das gemacht haben. Wir können jeden einzelnen Schritt verstehen, sowohl von der Stadt, als auch von den ehemaligen Besitzern und jetzigen Pächtern.

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