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CSU wagt neuen Vorstoß
Spielt im Kellerwald die Musik bald wieder bis 23 Uhr?
Sehr beliebt war die 4 Kings Party im Forchheimer Kellerwald - doch 2024 wird es nicht stattfinden? Gibt es eine Zukunft?
Sehr beliebt war die 4 Kings Party im Forchheimer Kellerwald - doch 2024 wird es nicht stattfinden? Gibt es eine Zukunft? // Adam Tobolski
Forchheim – In diesem Jahr wird es keine 4-Kings-Party im Forchheimer Kellerwald geben. Grund ist das in der Kellerwaldsatzung vorgeschriebene Ende um 22 Uhr. Das könnte jedoch bald Geschichte sein.

Update vom 19. März, 16.45 Uhr:

Kellerwaldsatzung: CSU-Antrag ist Ausschuss verwiesen

Neues Kapitel im Sperrstunden-Streit? Aktuell sieht die Kellerwaldsatzung vor, dass Musikdarbietungen außerhalb des Annafestes um 22 Uhr beendet sein müssen. Nun beantragt die CSU-Fraktion im Forchheimer Stadtrat, dass die Zeit um eine Stunde nach hinten auf 23 Uhr verschoben werden soll. Der Tagesordnungspunkt währt an diesem Dienstag allerdings nur kurz, weil er zur weiteren Bearbeitung in eine der nächsten Sitzungen des Haupt-, Personal- und Kulturausschusses (HPKA) verwiesen wurde.

Seit dem 9. Mai 2019 müssen Kellerwaldwirte ihren Musikern um 22 Uhr den Stecker ziehen. Mit sechs zu drei Stimmen hatte der HPKA diese Zeit seinerzeit festgelegt. „Gegen den Willen der CSU“, wie der christsoziale Fraktionsführer Josua Flierl auf Anfrage unserer Redaktion erzählt. „23 Uhr halten wir für praktikabel, zumal eine Stunde mehr für die Wirte und Veranstalter viel ausmachen könnten“, sagt er, schiebt aber schnell hinterher: „Natürlich nicht an jedem Tag. Aber hin und wieder.“

Wie es nun weitergeht mit der Kellerwaldsatzung und ob die Musik im Kellerwald künftig wieder länger spielen wird, könnte sich eventuell schnell entscheiden. Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) verkündet am Dienstagnachmittag, das Thema sei „verwaltungsintern bereits angestoßen und unterschrieben“ worden. Gespannt wird Forchheims Kultur- und Veranstaltungsszene also auf den 11. April schauen, wenn der HPKA das nächste Mal öffentlich tagt.


Lesen Sie hier den ursprünglichen Artikel vom 13. Februar, 17 Uhr:

4-Kings-Party: Nach Absage werden Forderungen laut

Der Kellerwald kann mehr als Annafest. Kürzlich erst tanzten die Forchheimer während des Winterzaubers in der Silent Disco, im Sommer vergangenen Jahres wurden die Kulturfans Zeugen des fantastischen Theaterstücks „Tod im Kellerwald“ und sie tanzten am 20. Mai 2023 auf der 4-Kings-Party unter dem Motto #love beer hate racism“ auf der Winterbauerbühne unter anderem zum Sound von Smokestack Lightnin‘. Vor allem die 4 Kings gelten seit vielen Jahren als wahrer Hidden Champion der Forchheimer Kulturszene. Doch, so scheint es, die Könige haben ausgetanzt.

„Liebe Freunde und Begleiter unserer 4-Kings-Party, leider müssen wir euch mitteilen, dass wir das Fest nicht weiter organisieren können“, schreibt die Gruppe vor einigen Tagen auf ihrer Facebookseite. Sofort regt sich große Anteilnahme, das Thema wird heiß in Forchheims Kulturszene debattiert.

Was steckt dahinter?

Tobias Kaufmann von den 4 Kings Forchheim: „Nicht wie 2023"

Anruf bei Tobias Kaufmann, der zusammen mit Matthias Zipfel und Sebastian Kist die Partys organisiert. „Wie das 2023 gelaufen ist, können und wollen wir nicht noch einmal so durchziehen“, sagt er. Eigentlich waren alle heiß auf die Party, nach Corona sei das auch kein Wunder. Doch die Veranstalter mussten umplanen, hauptsächlich deshalb, weil die geänderte Kellerwaldsatzung Musikdarbietungen im Kellerwald (außerhalb des Annafestes) generell ab 22 Uhr den Stecker ziehen sollte. Und das auch tat.

„Ein paar Minuten nach 22 Uhr stand vorigen Mai bereits Polizeibeamte vor der Bühne“, erinnert sich Kaufmann. Das frühe Party-Aus habe den Gästen nicht gefallen, ebenso wenig den Kellerwirten. „Für die 4 Kings bedeutet dieser Beschluss nun leider das Aus, sie wird vorerst nicht wieder stattfinden. Der Versuch, die Veranstaltung unter den aktuellen Regeln umzusetzen, ist bedauerlicherweise gescheitert.“ So steht es in einem schriftlichen Statement der Veranstalter, das unserer Redaktion vorliegt. Drei Livebands kostendeckend bei freiem Eintritt und einem strikten Musikende um 22 Uhr, das sei schlicht nicht möglich.

Kritik an Kellerwaldsatzung, die Musik nur bis 22 Uhr erlaubt

Alternativen blieben den 4 Kings laut eigener Aussage kaum. „Man müsste entweder das Programm kürzen, um Kosten zu sparen oder die Preise deutlich anheben. Beides widerspricht dem Sinn der Veranstaltung.“ Dabei üben sie deutliche Kritik an der bestehenden Kellerwaldsatzung: „Eine Unterscheidung zwischen Kulturveranstaltungen mit Livemusik und einem Junggesellenabschied mit Ghettoblaster wurde kaum gemacht, der genervte Bürger wollte schlicht seine Ruhe“, so lautet ihr Fazit. „Aktuell zeigten sich viele politische Akteure traurig über unsere Absage, auch welche, die damals mitgestimmt hatten. Und Schuld daran will nun keiner sein.“  

Dabei gehe es gerade bei den 4-Kings-Partys um so viel mehr als nur ein alternatives Musikprogramm für junge Leute. Angefangen hatte alles im Jahr 2005, als vier Freunde auf dem Kratzer gemeinsam ihren Geburtstag feierten. Es gab 400 Liter Freibier, ein Notstromaggregat versorgte die Turntables und Verstärker mit Strom. Der Ansturm war riesig, eine Neuauflage im Jahr darauf schnell ausgemacht. Die Party wuchs und zog 2007 auf den Schlößla-Keller um. „Drei Livebands, freier Eintritt und drei Euro für die Maß Bier – unsere Party war und ist sei jeher nicht auf Profit ausgerichtet“, so Kaufmann.

4-Kings-Party in Forchheim sammelt seit 2016 für soziale Projekte

Seit 2016 sammeln die 4 Kings überdies sogar noch Spenden für soziale Projekte. Um die 2000 Euro sind auf diese Weise pro Jahr zusammengekommen, beispielsweise für die Lebenshilfe oder für Fördervereine der Forchheimer Kindergärten. „Das wird in diesem Fall ebenso ausfallen“, sagt Kaufmann.

Über 2100 Euro konnten sich die Verantwortlichen der Lebenshilfe Werkstätten und des ASB Forchheim freuen. Unser Bild zeigt (von links) Tobias Kaufmann, Sebastian Kist und Matthias Zipfel (alle 4 Kings), Thomas Link und Peter Pfann (Lebenshilfe Werkstätten Forchheim) sowie Sebastian Beetz und Claus-Peter Leicht vom ASB Forchheim.
Über 2100 Euro konnten sich die Verantwortlichen der Lebenshilfe Werkstätten und des ASB Forchheim freuen. Unser Bild zeigt (von links) Tobias Kaufmann, Sebastian Kist und Matthias Zipfel (alle 4 Kings), Thomas Link und Peter Pfann (Lebenshilfe Werkstätten Forchheim) sowie Sebastian Beetz und Claus-Peter Leicht vom ASB Forchheim. // Martin Rossol

Mit der Kritik an dem generellen Musik-Aus ab 22 Uhr stehen die 4 Kings nicht alleine. Matthias Erlwein, Inhaber des Glockenkellers und Sprecher der Kellerwald-Wirte, schreibt auf Facebook: „Wir verstehen die Veranstalter. So etwas auf die Beine zu stellen, um dann um 22 Uhr Schluss zu machen, macht keinen Sinn. Auch wir Kellerwirte haben das gleiche Problem und müssen von solchen Veranstaltungen absehen.“

Denn natürlich spielen auch an einem gemeinnützigen Gig die Kosten eine Rolle. Kellerwirte und Bedienungen müssten auf ihre Kosten kommen, sagt Kaufmann, außerdem wollten Bands eine Gage, und auch die aufwendige Technik stehe nicht kostenfrei zur Verfügung.

Das sagt die Stadt Forchheim zur Zukunft der Kellerwaldsatzung

Tobias Kaufmann würde sich wünschen, der Stadtrat höbe die Änderung der Kellerwaldsatzung auf, erlaube das Musizieren bis 23 Uhr wieder. Doch ist das realistisch? Sowohl Kulturbürgermeisterin Annette Prechtel (FGL) als auch Kellerwaldbürgermeister Udo Schönfelder (CSU) machen Hoffnung. „Das Thema Kellerwaldsatzung wird vermutlich noch im ersten Halbjahr auf die Tagesordnung des Kulturausschusses kommen“, sagen sie. Das heißt aber nicht, dass eine Verlängerung der Musikzeiten sicher ist.

„Damals hatten sich einige Anwohner über die Lautstärke beschwert“, erinnert sich Schönfelder. Er selbst habe nichts gegen 23 Uhr, das sei aber Sache des Rates. Annette Prechtel, Vorsitzende des Kulturausschusses, erinnert an die lebhafte Diskussion rund um die Kellerwaldsatzung. Diese erwarte sie auch heuer. „Wir müssen die Frage stellen, wie sich eine erneute Änderung auf den Kellerwald und die Anwohner auswirken könnte. Und eine Lösung finden, die generell tragen könnte.“

Tobias Kaufmann verspricht indes etwas: „Wenn wir wieder länger spielen und danach in einer Bar weiterfeiern dürfen, dann wird es auch wieder die 4 Kings geben.“

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