Eine Familie möchte ein Haus bauen. Eine andere ihren Hund anmelden. Oder einen Pass beantragen. Oder nachfragen, ob der knorrige Baum im Garten gefällt werden darf.
Hunderte Anliegen tragen allein die mehr als 32.000 Bürger Forchheims tagtäglich an die Mitarbeitenden der Forchheimer Stadtverwaltung heran. Hinzu kommen unzählige städtische Vorhaben, welche in die Tat umgesetzt werden müssen. Sozialwohnungen bauen, Kindertagesstätten errichten, Straßen reinigen, Kultur- und Sportvereine beraten und betreuen. Zu tun gibt es genug.
Stadtverwaltung Forchheim: „Mehr Aufgaben und komplexer"
„Die Aufgaben haben in den vergangenen Jahren zugenommen und sind komplexer geworden", sagt die Leiterin des städtischen Personalamts Marianne Bernard. Drum sei es unerlässlich, in nahezu allen Referaten, also den einzelnen Fachbereichen der Verwaltung neue Stellen zu schaffen. Manche der neuen Gesichter sollen helfen, die Mehraufgaben zu schultern, andere sollen Krankheitsfälle kompensieren.
In der Gesamtübersicht des Stellenplans der Stadt steht fürs Jahr 2024 eine beachtliche Zahl: 702. So viele haben noch nie in der Stadtverwaltung gearbeitet. Zwar hatte es in den vergangenen Jahren schon einige Steigerungen gegeben. Aber aktuell liest sich das Stellen-Plus enorm (2023: 647).
Haushalt der Stadt Forchheim angespannt - trotzdem mehr Personal
Die Personalkosten werden den Stadtsäckel spürbar noch stärker belasten. Genau könne OB Kirschstein die Teuerungen bis Redaktionsschluss zwar noch nicht beziffern. „Aber sie werden steigen, das ist sicher." Als Gründe nennt er die Tarifsteigerungen, die ab März im öffentlichen Dienst gelten sollen, sowie Inflationsausgleichs- und Energieprämien. Aber selbstverständlich werden auch die Stellenmehrungen zu Buche schlagen.
Verwaltungsbeamte betonen es zu jeder Gelegenheit, und auch der Stadtrat schlägt beständig Alarm: Die Haushaltslage der Stadt Forchheim ist derzeit angespannt. Jede einzelne Stelle mehr kostet bares Geld. Drum wurde und wird mehr denn je um jede einzelne Position gerungen.
Einige Stellen bereits in Vorberatungen für 2024 gestrichen
So standen auf dem Wunschzettel von Verwaltungs-Chef und Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) eigentlich noch einige Posten mehr. Schon vor der Sondersitzung des Personalausschusses habe man innerhalb der Verwaltung priorisiert, um die notwendigsten Bedarfe anzuzeigen. Manche vakante Positionen sind aufs nächste Jahr verschoben. Auf der Streichliste finden sich beispielsweise ein weiterer Jurist fürs Rechtsamt, ein Veranstaltungstechniker sowie Stadtplaner für den Kellerwald oder Handwerker zur Umsetzung der „fahrradfreundlichen Kommune".
Im Plan sind die Kann-Stellen so vermerkt: „Nicht in 2024 realisierbar (eventuell 2025 möglich)". Dann wird es einen neuen Wunschzettel geben. Einen neuen Haushalt. Neue Diskussionen.
Kirschstein: Fokus auf Kitas, Digitalisierung, Ausbildung
Den Fokus bei den heuer umzusetzenden Stellenmehrungen habe man vor allem auf Kinderbetreuung, Ausbildung und Digitalisierung gelegt, sagt Kirschstein. Das heißt konkret, dass der Bereich der städtischen Kindertagesstätten personell besser aufgestellt werden soll. Baulich hatte sich einiges getan, weitere Einrichtungen sind geplant. Für die brauche es ständig neue Fachkräfte. Mehr pädagogisches Personal bringe ein besseres Betreuungsangebot mit sich.
Selbiges gilt für den Bereich der digitalen Verwaltung. Klappt die besser, kommt auch das dem Bürger direkt zugute. Kirschstein geht es darum, endlich die Vorgaben des Onlinezugangsgesetzes (OZG) umzusetzen, laut dessen eigentlich bereits seit 2023 alle Verwaltungsleistungen auch elektronisch angeboten werden müssten. 575 Leistungen gibt es bundesweit, etwa 150 bis 200 entfallen auf die Kommunen.
Laut dem offiziellen „Dashboard Digitale Verwaltung in Bayern" bietet Forchheim aktuell lediglich 23 Online-Verfahren an. Zum Vergleich lohnt sich ein Blick in die Verwaltungsgemeinschaft Dormitz, zum Spitzenreiter des Landkreises. Und selbst dort sind nur 85 Bürgerdienste online.
Und die dritte große Säule ist die Ausbildung. Auf dem Plan finden sich etliche neue Ausbildungsstellen. Dank der Ausbildung im eigenen Hause erhofft sich Kirschsteins Verwaltungsapparat, den flächendeckenden Fachkräftemangel zu kompensieren. Nachhaltig, aus eigener Hand.
Personalausschuss: Mammutsitzung zurrt Stellenplan für 2024 fest
Mehr als drei Stunden tagen die Stadtrats-Mitglieder des Personalausschusses am Donnerstagabend hinter verschlossenen Türen, erst zu vorgerückter Stunde wird die Öffentlichkeit wieder zugelassen. Das Votum steht an und damit die Frage, ob die Lokalpolitiker Kirschsteins Liste das Vertrauen aussprechen. Das Ergebnis: einstimmig ja.
Ausgeschrieben hat die Stadt aktuell einige offene Posten, zum Teil schon länger. Dass nun der papiergewordene Plan besteht, die Verwaltung personell noch weiter aufzustocken, ist das Eine. Das heißt noch nicht, dass auch jede Stelle zeitnah besetzt werden kann. Beispielsweise die lange währende Hängepartie ums Citymanagement sowie der chronisch leergefegte Bewerberinnenmarkt im Erziehungswesen könnten sich für die städtische Personaloffensive als Hürden erweisen.
Aber vorher muss erst noch der Stadtrat dem Votum des Ausschusses folgen und grünes Licht geben und - noch wichtiger - der Haushalt muss endlich final stehen.
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