Jedes Jahr feiert der Verein „Dampfbahn Fränkische Schweiz“ (DFS) ein Bahnhofsfest am Ebermannstadter Bahnhof, bei dem es auch Fahrten mit der Dampfbahn zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle gibt. Am Sonntag herrschte bei bestem Wetter ein Massenandrang an der Bahnsteigkante, denn jeweils rund 450 Menschen fuhren bei den mehrmaligen Fahrten des nostalgischen Zugs in den zehn Waggons hin und her.
Bahnhofsfest Ebermannstadt: Historische Züge begeistern
Eigentlich sollte die historische Dampflok 64 491, die den Spitznamen „Bubikopf“ trägt und das Prunkstück des Dampflokvereins ist, den historischen Zug ziehen, denn sie wird heuer 85 Jahre alt. Allerdings war eine der beiden Speisepumpen, die für die Wasserversorgung gebraucht werden, kaputt. Eine am Freitag eingetroffene Ersatzpumpe funktionierte nicht, weshalb die Lok im Schuppen bleiben musste.
„Wir haben versucht, die Pumpe noch rechtzeitig zu reparieren, was aber dann doch nicht möglich war“, erklärte Dampflokführer Ulrich Bahr. Nachbauen kann man so eine Pumpe heute nicht mehr, weil es die Spritzgussformen dafür nicht mehr gibt. Bahr ist aber guter Hoffnung, dass dieses Teil repariert werden kann.
Ersatzweise kam die kleinere und mit 102 Jahren noch ältere Dampflok mit der Bezeichnung „Lok 2“ zum Einsatz, die der Dampfbahnverein 1978 von den Gaswerken Nürnberg erworben hatte. Sie hat 900 PS und kann eine Höchstgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern fahren. Auf der historischen und inzwischen denkmalgeschützten Bahnstrecke, die sich im Eigentum des Vereins befindet, wird aber nicht schneller als 40 gefahren.
Diesellok zur Unterstützung
Weil die Lok 2 zu schwach wäre, einen Zug mit zehn Waggons zu ziehen, fuhr eine historische Diesellok zur Unterstützung mit. In der Zugmitte befand sich ein historischer Speisewagen, in dem es Wiener Würstla gab. Und zudem gab es das eigens von der Ebermannstädter Schwanenbräu gebraute „Dampfbahn-Bier“ in hell und dunkel.
Unter den vielen Schaffnern sind der Ebermannstäder Gymnasiast Leon-Maxim Prell, der vom Schaffnerdasein in seiner Freizeit total begeistert ist, und sein älterer Kollege Peter Pauls, der ebenfalls sehr viel Freude an seinem Freizeithobby hat.
Wir trafen auch „illustre Reisende“ – und zwar die Community-Mitglieder der „Fränkischen Aether-Gesellschaft“. Sie waren nach viktorianischer Mode gekleidet und im Modus von Jules Verne unterwegs, der den Begriff „Steampunk“ erfunden hat, was so viel bedeutet wie „Dampf und Community“, sagte eine Dame, die das Pseudonym Ana Adele von Schafhausen führte.
Die Mitglieder der Gruppe kamen aus Pottenstein, Bamberg, Schweinfurt und Nürnberg. Sie nennen sich Ludmilla von Gobelin, Principe et Principessa Faleri de Lavapore, Lucretia von Merkwürdig, Luna-Nightmare, Professor Dr. Erwing Finkel oder Heinrich Freiherr von Babenberg mit Gemahlin Genoviève Freifrau von Babenberg.
Zwei Waggons der Königlich-Bayerischen Staatsbahn
Dann gibt es noch den Stand mit historischen Eisenbahn-Accessoires, der ständig dicht umlagert war. Vereinschef Uwe Völkel erklärt die Vereinsziele. Zum einen sei es der Erhalt der historischen Bahnstrecke, zum andern der Betrieb mit der Dampfbahn. Man habe aktuell sogar zwei restaurierte Waggons der ehemaligen Königlich-Bayerischen Staatsbahn in Betrieb.
Die Bahnstrecke zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle ist die einzige in Oberfranken, wo noch Dampfloks im Einsatz sind. Der erste Zug zwischen Ebermannstadt und Forchheim fuhr am 1. Juni 1891. Erst am 4. Oktober 1930 konnte die Bahnstrecke bis Behringersmühle eröffnet werden, die dann von der Bundesbahn am 30. Mai 1976 stillgelegt wurde. Die Wiedereröffnung erfolgte durch die Museumsbahn des Vereins DFS am 9. August 1980.














