Wer einen Ausflug in den Wildpark Hundshaupten macht, der sollte gut zu Fuß sein. Um alle Tiere bestaunen zu können, müssen Besucher einen steilen Anstieg in Kauf nehmen. Das kann mit Kinderwagen oder im Rollstuhl zur Herausforderung werden. Wer das nicht auf sich nehmen wollte, muss bislang auf manche Gehege verzichten.
Das soll künftig anders sein: Eine Brücke soll Wolfsgehege und Wildplateau miteinander verbinden. So bleibt Besuchern das bisherige Auf und Ab erspart. Gleichzeitig ermöglicht die Brücke eine völlig neue Aussicht auf den Park.
Wie das zukünftige Bauwerk aussehen soll, dazu gab es verschiedene Entwürfe. Die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Versionen stellte Max Brust vom Ingenieurbüro Weyrauther den Kreisräten bei der Sitzung des Ausschusses für Bauangelegenheiten vor. Vom extravaganten, modernen Riesenbau bis zur schlichten Eleganz war alles dabei. Drei der sechs Entwürfe schieden direkt aus, da sie nicht für eine Förderung infrage kamen.
Drei Entwürfe in der engeren Wahl
Zur Auswahl blieb eine Hängebrücke, die mit ihren zwei großen Pfeilern an die weltberühmte „Golden Gate Bridge“ erinnert. Diese sei von der Montage her relativ aufwendig und auch sehr windempfindlich, gab Brust zu bedenken.
Variante zwei, die S-förmige Schrägseilbrücke, würde wohl dem ein oder anderen Wildtier die Show stehlen: ein riesiges „S“, das die Schlucht überragt und von unzähligen schrägen Seilen gehalten wird. Auch bei dieser Brücke wären zwei Pylone, also große Pfeiler, nötig. Durch ihre Form und die Abspannung brauche diese Variante besonders viel Platz, so Brust.
Bei der letzten Version, der Bogenbrücke, sei das Gegenteil der Fall. Diese brauche keine Stützen, wodurch nicht in das Tal eingegriffen werde. „Bei allen anderen muss ich irgendwo im Wildpark riesige Türme bauen“, erklärte Brust.
Hundshaupten: Bogenbrücke am günstigsten
Auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten lag die unscheinbare Bogenbrücke vorne. Laut dem Ingenieurbüro wäre die schlichte Version mit 2,4 Millionen Euro netto rund halb so teuer wie die imposante Schrägseilbrücke mit 4,6 Millionen. Die Hängebrücke läge mit 3,3 Millionen irgendwo dazwischen. Auch der Aufwand beim Unterhalt der Brücke sei bei der Bogenbrücke am geringsten, erklärte Brust.
Schlichte Brücke macht das Rennen
Das Ziel der Barrierefreiheit würden alle drei Brücken erfüllen. Daher stellte sich die Frage, wie attraktiv die Konstruktion sein müsse. Auch, wenn die aufwendigeren Varianten von der Optik durchaus ihre Fans hatten, war für die anwesenden Kreisräte die Bogenbrücke die erste Wahl. „Sie passt vom Stil her zum Wildpark“, erklärte stellvertretende Landrätin Rosi Kraus.
„Trotz des guten Fördersatzes von 80 Prozent müssen wir die Kosten verantworten“, sagte Helmut Taut (FW). Auch, wenn man zwischenzeitlich bei den anderen Entwürfen ins Träumen gerate, siege am Ende die Vernunft. Nicht begeistert von der generellen Brücken-Idee zeigte sich Konrad Rosenzweig (CSU). „Wir bräuchten gar keine Brücke“, erklärte er. Die Bogenbrücke sei das kleinste Übel, da möglichst wenig in die Natur eingegriffen werde. Aus dem Wildpark solle schließlich kein Freizeitpark werden.
2026 soll die Brücke fertig sein
Nach der einstimmigen Entscheidung für die Bogenbrücke geht die Planung nun in die nächste Phase. Der Baugrund ist bereits vermessen und untersucht worden. Im kommenden Jahr beginnt die konkrete Planung, im Sommer 2024 könnte die Ausschreibung stattfinden. Bis 2026 soll die Brücke fertig sein.
Finanzielle Unterstützung gibt es vom bayerischen Umweltministerium im Rahmen der „Richtlinien zur Förderung öffentlicher touristischer Infrastruktureinrichtungen“ (RÖFE). Der Fördersatz liegt voraussichtlich bei 60 Prozent. Obendrauf gibt es 20 Prozent von der Oberfrankenstiftung.
Stück für Stück zur Barrierefreiheit
Die Brücke ist der letzte von drei Bauabschnitten im Wildpark Hundshaupten. Bereits 2022 hatte der Kreisrat für einen barrierefreien Rundweg gestimmt. Im ersten Abschnitt wurde der Weg von den Rentieren hinunter zum Weiher überarbeitet.
Schritt zwei ist der Baumstockwerkpfad zwischen dem neuen Rentier- und dem Luchsgehege. Hier sind die Arbeiten schon angelaufen.
Der Wildpark hat trotzdem täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Unter der Woche gibt es kleinere Einschränkungen, am Wochenende und an Feiertagen sind alle Wege wie gewohnt begehbar.
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