Bereits seit fast 200 Jahren ist der Kellerwald Forchheims grünes Wohnzimmer. Nach so langer Zeit ist es kaum verwunderlich, dass es hier und da etwas bröckelt. Um das Ambiente zu erhalten, will die Stadt im Sinne des Denkmalschutzes Hand anlegen – mit einem „Masterplan Kellerwald“.
Um diesen umsetzen zu können, muss zunächst jedoch Klarheit über die historische Bausubstanz des Areals geschaffen werden. Diese Aufgabe übernimmt der Bamberger Denkmalpfleger Bernd Marr. Am Freitagabend hat er im Zuge einer Führung durch den unteren Kellerwald Stadträten und Pressevertretern einen Einblick in seine Arbeit gegeben.
„Unsere Aufgabe ist im Prinzip eine historische Kartierung des Geländes und der zahlreichen darauf befindlichen Einzeldenkmäler“, erklärte der Experte. Dabei würden zunächst nur die oberirdischen Anlagen des Kellerwaldes begutachtet. Das Endergebnis werde sowohl ein Baualtersplan als auch ein denkmalpflegerischer Interessenplan.
Stollen bereits lange Lagerstätte
„Die erste Nutzung der Stollen im Kellerwald als Lagerort ist bereits 1690 belegt“, berichtete er. Ausgehoben worden seien sie unter anderem, um Steine für den Bau von Gebäuden zu gewinnen. Damals habe man sie jedoch zudem sowohl zur Aufbewahrung von Bier als auch von anderen Lebensmitteln genutzt.
Die heutige gastronomische Nutzung habe jedoch erst um 1840 begonnen, als man angefangen habe, die Annaprozession durch den Kellerwald zu leiten. Infolgedessen habe man auch begonnen, die steinernen Mauern vor den Felswänden zu platzieren sowie erste Ausschank- und Sitzflächen einzurichten. Bühnen und Bierhallen seien aber erst später dazugekommen.
Mehrere Bauphasen
Ein Beispiel für eine der frühesten Kellermauern sei die vom Fritz-Schneider-Keller. „Hier hat man den Sandstein so geformt, dass er aussieht wie eine Festungsmauer“, berichtete Marr. Tatsächlich habe dies jedoch lediglich dekorative Gründe gehabt. Zur Verteidigung seien diese Mauern nie gedacht gewesen. In der Folgezeit habe es immer wieder Erweiterungen der Flächen sowie Verschiebungen von Grenzen gegeben.
Auch seien mit der Zeit weitere Bauten hinzugekommen. Im Rahmen der zweiten Bauphase seien so etwa auf zahlreichen Kellern Ausschankhäuschen errichtet worden. Viele von ihnen gebe es heute nicht mehr. Eines, welches heute noch erhalten sei, sei der Ende des 19. Jahrhunderts entstandene sechseckige Ausschankkiosk des Fässla-Kellers.
Ursprüngliche Bausubstanz schützen
Auch später sei jedoch viel im Kellerwald umgebaut worden. Grund hierfür seien nicht nur wechselnde Geschmäcker, sondern auch Beschädigungen. „Die Schadensthematik gab es auch schon in der Vergangenheit“, erklärte der Denkmalpfleger. So etwa hätten Mauern sich gelegentlich schon abgesenkt oder seien aufgrund von aufgestautem Schmelzwasser aus den Kellern umgestürzt.
„Unser Plan soll später als Grundlage dafür dienen, zu identifizieren, was ursprüngliche Bausubstanz ist und daher erhalten bleiben muss“, betonte Marr. Darüber hinaus könne man die Unterlagen auch nutzen, um Flächen zu identifizieren, auf denen Neues entstehen könne. Nicht jede Neuerung auf dem Kellerwald sei schließlich schlecht. „Ursprünglich gab es hier beispielsweise keine Toiletten“, erklärte er. Für ihr Geschäft seien die Leute folglich einfach in den Wald gegangen.
Naturschutz muss berücksichtigt werden
„Letztendlich sind wir hier in einem Bereich, in dem neben der Denkmalpflege auch andere Interessen eine wichtige Rolle spielen“, fügte Rene Franz, Leiter des städtischen Bauamtes, hinzu. So etwa müssten unter anderem auch die Interessen der Wirte, des Naturschutzes sowie städtebauliche Pläne berücksichtigt werden. Der Plan sei für diese Diskussion eine wichtige Grundlage. Darüber hinaus sei er aber auch in Bezug auf Förderanträge für Sanierungsprojekte wichtig.
„Die Arbeit, die uns hier bevorsteht, ist sehr groß“, betonte Franz. Es sei aber gut, dass die Stadt diese Aufgabe annehme. Hätte man noch weitere fünf Jahre gewartet, wäre die Bausubstanz mit Sicherheit in noch deutlich schlechterem Zustand. Forchheim habe es verdient, dass sein grünes Wohnzimmer wieder in neuem Glanz erstrahle.
„Der Plan hilft uns übrigens auch bei der Erarbeitung neuer Leitlinien für Bauten, die im Kellerwald künftig mitunter entstehen“, erläuterte der Amtsleiter. So sei es das Ziel, dass ein einheitliches Bild entstehe.
Gemeint sei damit keinesfalls jedoch eine Verpflichtung zu einer historisierenden Bauweise. „Es soll hier schließlich auch nicht aussehen wie in Disneyland“, betonte er. Nach den Außenanlagen sollen übrigens auch die Keller untersucht und kartiert werden.
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