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Gastro-Beben in Forchheim
Insolvenz! Der bittere Fall von Urgestein Christoph Kauer
Christoph Kauer gilt in Forchheim als Gastro-Original. Er hat unter anderem das Stadtlokal in Forchheims Fußgängerzone betrieben. Mit dem FT hat er exklusiv über seine ungewisse Zukunft gesprochen und warum er nicht aufgeben will.Forchheim & Fränkische Schweiz
Christoph Kauer gilt in Forchheim als Gastro-Original. Er hat unter anderem das Stadtlokal in Forchheims Fußgängerzone betrieben. Mit dem FT hat er exklusiv über seine ungewisse Zukunft gesprochen und warum er nicht aufgeben will. // Stephan Großmann
Forchheim – Christoph Kauer hat in Forchheim das Stadtlokal betrieben sowie sechs Keller und den Laden Mauerscheißer geführt. Nun meldet der 54-Jährige Insolvenz an. Wie es dazu kam und wo er seine Zukunft sieht.

Kaum ein Forchheimer Genussmensch ist bisher an Christoph Kauer vorbeigekommen.

Sei es in der Fußgängerzone oder im Kellerwald, der umtriebige 54-Jährige hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten unzählige Gäste bewirtet. Oftmals agierte er dabei im Hintergrund, hatte aber stets und gerne seine Finger im Spiel. Kauer war nicht immer bei allen unumstritten, gilt aber als wahrer Tausendsassa in der Forchheimer Gastronomieszene.

Doch damit ist Schluss. Von Tausend auf Null in nur wenigen Monaten. Was ist passiert?

Christoph Kauer erzählt seine Geschichte im FT

Es ist ein sommerlicher Septembertag, Christoph Kauer schließt noch einmal seinen Geschenkeladen in der Hauptstraße auf. Bald schon wird der „Mauerscheißer“ in der Innenstadt von einer neuen Pächterin geführt.

Hier, zwischen bereits gepackten Kisten und alten Erinnerungen, erzählt er von den Strapazen seiner vergangenen Jahre und warum ihn sein gastronomischer Ehrgeiz letztlich in die Insolvenz geführt hat. Und warum dieser herbe Rückschlag auf keinen Fall bedeuten werde, dass er seine Leidenschaft aufgeben wolle.

Stadtlokal Forchheim: Christoph Kauer war 21 Jahre lang Pächter

Den meisten Forchheimern wird Christoph Kauer so im Gedächtnis sein – hinter der Theke des Stadtlokals.Forchheim & Fränkische Schweiz
Den meisten Forchheimern wird Christoph Kauer so im Gedächtnis sein – hinter der Theke des Stadtlokals. // FT/privat/Archiv

Bekannt war der gebürtige Forchheimer den meisten wohl durch „sein“ Stadtlokal, welches er in der Hauptstraße von 2002 an bis vor kurzem gepachtet hatte.

Wo er oft selbst hinter dem Tresen stand, gerne in der Küche arbeitete, immer selbst mit angepackte. Dort, wo er mit seiner kritischen Meinung zu Corona und den Schutzmaßnahmen nie hinterm Berg hielt.

Zudem hat er nicht nur den „Mauerscheißer“ betrieben, sondern seit vielen Jahren auch sechs Keller für die Annafestzeit gepachtet.

Die Geschichte des wirtschaftlichen Abstiegs von Kauers Gastro-Reich

Der Anfang vom Ende setzte 2017 ein. Laut Kauer hatte es für seine Unternehmungen seinerzeit eine Steuerprüfung gegeben.

Das Problem: „Alle Umsätze und Kosten liefen über das Stadtlokal, ich musste auf Grund der Steuerschätzung eine hohe Nachzahlung leisten. Schon damals hatte ich überlegt, das Handtuch zu werfen.“

Hat er aber nicht.

Eine Zeit lang sah es auch so aus, als könnte der gelernte Handelsfachwirt seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. „Die Umsatzkurven waren gut.“ Doch dann kam alles anders.

Corona zieht die Schlinge fester

Juli 2020, der erste Coronasommer sucht Deutschland heim. Statt während des Annafestes den Keller-Umsatz des ganzen Jahres zu machen, blieben die Kassen im Kellerwald leer. 2021 auch.

Ebenso ließen sich während der Hochphase der Pandemie keine, später nur zu wenige, der wichtigen Busreisegruppen in seinem Innenstadtlokal nieder.

„Schon in den guten Jahren war es keine Berufung zum Reichwerden“, so Kauer.

Corona habe ihn dann, wie so viele Gastronomen, in eine tiefe Krise gestürzt. Dass er in dieser Zeit mit fragwürdigen Aktionen teils sogar ehemalige Stammgäste verschreckte, sieht er seinem Temperament geschuldet. „Ich trage meine Meinung immer vor mir her. Das sollte ich vielleicht ändern.“

Christoph Kauer: „Schon in den guten Jahren war es keine Berufung zum Reichwerden“,Forchheim & Fränkische Schweiz
Christoph Kauer: „Schon in den guten Jahren war es keine Berufung zum Reichwerden“, // Stephan Großmann

Annafest 2023 hätte ihn retten können – hat es aber nicht

Nach einem, wie er es nennt, „ernüchternden“ Annafest 2022, den finanziellen Auswirkungen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und einem schwächelnden Start des Stadtlokals ins Jahr 2023 war sein letzter Strohhalm das diesjährige Annafest.

„Mit einem guten Annafest hätten wir das Ruder vielleicht noch herumreißen können. Aber es war vor allem wegen des vielen Regens eine Katastrophe.“ Weniger Einnahmen bei immer höheren Kosten – dann ging alles ganz schnell. Christoph Kauer muss den Schritt in die Insolvenz gehen.

Lösung bis zum Annafest 2024 möglich?

Der Geschenkeladen kommt bald in neue Hände, das Stadtlokal hat Little-India-Chef Navsherbir Singh bereits übernommen. Und die sechs Keller?

„Ich gehe davon aus, dass alle vakanten Keller bis zum Annafest 2024 einen neuen Pächter haben werden“, sagt CSU-Bürgermeister Udo Schönfelder auf Anfrage. Für vier der Keller (Mahrs Bräu, Fritz-Schneider, Nürnberger-Tor, Schäff Bräu) hat Ignaz Schneider noch ein Jahr die Schankplatzrechte inne, der sucht aber bereits gemeinsam mit der Stadt nach langfristigen Lösungen.

Auch für Kauers andere, von Friedrich Schneider gepachtete Kellern (Kaiser- und Fässla-Keller), liefen bereits Verhandlungen, so Schönfelder.

Selbstkritik und Zukunftssicht

Selbstkritisch gibt sich Kauer im FT-Gespräch eine Mitschuld an seinem Scheitern.

Er habe zu viel Energie in einzelne Projekte gesteckt, es sei ihm schwergefallen, loszulassen. Statt sich auf eine Sache zu konzentrieren, habe er sich schließlich verzettelt. Auch hätten ihm Buchhaltung und administrative Tätigkeiten nicht gelegen. Dies habe zusätzlich zu Kosten geführt, die er letztlich nicht mehr stemmen konnte.

Stehaufmännchen, nennt sich Christoph Kauer selbst: „Es geht immer weiter“.Forchheim & Fränkische Schweiz
Stehaufmännchen, nennt sich Christoph Kauer selbst: „Es geht immer weiter“. // Stephan Großmann

Zwar wurmt ihn die Insolvenz, weil er sich um seine Familie sorgt, aber auch weil er weiß, teils langjährige Geschäftspartner „vor den Kopf zu stoßen“.

Aber letztendlich begreift er den harten Schnitt auch als Chance. „Eine mentale Pause wird jetzt guttun“, sagt er, der sich als Stehaufmännchen versteht.

Dabei blickt er aus dem Ladenfenster, fixiert „sein“ Stadtlokal gegenüber, atmet tief durch. „Es geht immer weiter.“

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