Es sind Männer wie Felix Graf und Helmar Fasold, die Forchheims Stadtförster nachts ruhiger schlafen lassen.
Seit Tagen sind die beiden zusammen mit weiteren Baumpflegern im Kellerwald unterwegs und durchforsten die Waldfläche nach Totholz, Pilzbefall und beschädigten Bäumen.
Beauftragt hat sie Leonhard Hümmer, Amtsleiter der Stadtförsterei in Forchheim. Wie jedes Jahr.
Denn auf Hümmer und das Wohl „seines“ Waldes wirft Forchheims größtes Event bereits seine Schatten voraus: das Annafest.
Kellerwald: Bald schon startet das Annafest 2023
Der Kellerwald ist mehr als nur ein gut 30 Hektar großes Stadtwald-Idyll. Er ist ein Ort, an dem vom 21. Juli an wieder elf Tage lang Hunderttausende Menschen zusammen feiern wollen.
Friedlich. Und sicher.
Spätestens nach dem tragischen Unglück in Weißenohe, wo an Fronleichnam ein Achtjähriger von einer umfallenden Esche erschlagen worden war, fragen sich auch viele Forchheimer: Wie sicher ist der Kellerwald?
Baumsicherung im Kellerwald Forchheim 2023
Gefahr im Kellerwald durch Eschen?
„Alles in allem geht es dem Kellerwald gut“, sagt Leonhard Hümmer.
Ungefähr 3000 Bäume strecken sich dort zum Licht empor, teils seit Jahrzehnten. Hauptsächlich Eichen, Winterlinden, Kastanien, Buchen.
Und Eschen? Europaweit leidet diese Art seit Jahren unter einem asiatischen Baumpilz. Sterben die Bäume, kann es schnell gefährlich werden. Wie in Weißenohe am 8. Juni.
„Eschen gibt es hier kaum. Zumindest nicht auf dem Annafestgelände und entlang der Wanderwege. Allerhöchstens an den Randgebieten des Kellerwaldes stehen ein paar Exemplare“, erklärt der Forstexperte.
Und doch sind auch andere Arten nicht vor Problemen gefeit. „Vor allem der trockene Sommer 2018 hat bei uns vielen Buchen zugesetzt“, so Hümmer. Bei ihnen und anderen Arten merke er die Auswüchse des Klimawandels deutlich.
2005 hatte es einen tragischen Unfall auf dem Annafest gegeben
Und es hatte ja bereits einmal eine schlimme Tragödie während eines Annafestes gegeben.
31. Juli 2005, 21.30 Uhr: Bei einem Unwetter brach in der Nähe des „Gottla-Kellers“ der Ast einer großen Kastanie ab und fiel auf eine Personengruppe.
Ein 43-Jähriger überlebte das Unglück nicht, ein damals fünfzehnjähriges Mädchen aus Effeltrich wurde lebensgefährlich verletzt, sitzt seither im Rollstuhl. 19 weitere Verletzte mussten in umliegenden Krankenhäusern versorgt werden.
Stadtverwaltung Forchheim nach Unfall sensibilisiert
Dieses Unglück hat die Stadtbewohner bis heute traumatisiert – und die Stadtverwaltung sensibilisiert.
Nicht nur wegen des jahrelang durch alle Gerichtsinstanzen ausgetragenen Streits um die Schuldfrage. Erst sieben Jahre später stellte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe endlich klar: Weder die Stadt noch der Grundstücksbesitzer können für die Tragödie haftbar gemacht werden.
Und doch: Noch akribischer als vorher begutachtet das Forstamt seither seine Bäume. Vor allem im Kellerwald, durch den auch ohne Annafest jährlich Tausende Menschen spazieren. Insgesamt etwa 100.000 Euro lässt sich die Stadt ihre Baumpflege im Jahr kosten.
„Aktuell untersuchen wir rund um das Annafestgelände mehr als 400 Bäume“, so Hümmer. In zwei bis drei Wochen wolle man fertig sein, allerspätestens natürlich bis zum Annafest.
Kellerwald-Bäume und ihr Sonnenbrand
Die angeheuerten Baumpfleger untersuchen die Gewächse nach Pilzbefall, morschen Ästen und anderen Krankheiten.
Dafür klettern die Profis bis in teils 30 Meter hohe Kronen, weil manche Schäden wie der Befall der Massariakrankheit (ein Pilz, der sich durch Braunfärbung des Astes zeigt) nur von oben erkennbar ist. Diesen haben sie heuer zwar nicht ausmachen können, dafür leiden einige Gewächse unter Sonnenbrand (die Rinde wird zu heiß, schlimmstenfalls können ganze Stammteile absterben).
Mit Spezialwerkzeugen schwingen sich die Baumpfleger dann in schwindelerregender Höhe von Baum zu Baum, begutachten die Kronen, entfernen Totholz, schneiden ganze Äste ab. „Ausschneiden“, nennen sie das. Stück für Stück retten sie damit jedes Jahr zahlreiche Bäume vor dem Absterben.
15 Bäume müssen heuer im Kellerwald gefällt werden
Für manche ist es jedoch zu spät. Dann kommen wieder Leonhard Hümmer und sein Forstteam zum Einsatz. 15 Bäume müssen sie in diesem Jahr fällen, aus Sicherheitsgründen.
Manche Schäden lassen sich gar nicht sehen. Wie 2005. Der spätere Unglücksbaum sei laut Gutachtern gesund gewesen, regelmäßig kontrolliert worden.
„Eine einhundertprozentige Sicherheit wird es in einem Wald nie geben können“, sagt Stadtförster Hümmer. Daher appelliert er an die Menschen, stets mit offenen Augen durch die Wälder zu streifen, diese bei Gewitter und Sturm ganz zu meiden.
Auch die Holzzäune und andere Absperrungen, wie es sie zum Beispiel im Kellerwald viele gibt, sollten die Besucher beachten. „Die haben alle einen Sinn“, sagt Hümmer.
“Holzzäune und Absperrungen haben in einem Wald immer einen Sinn.
”

Um die insgesamt 650 Hektar große Baumflächen Forchheims gesund zu erhalten, setzt der Stadtförster bei Neupflanzuungen vermehrt auf einen noch gemischteren Wald. Zudem erstellt er gerade eine GPS-gestützte Kartierung des gesamten Gebietes.
Das soll seinen Mitarbeitern die Begutachtung und Pflege in Zukunft noch einfach gestalten – und die Sicherheit für die Besucher erhöhen.
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