Grün. Laut Farblehre wirkt es beruhigend, hoffnungsvoll, aber auch statisch. Politisch provoziert es manchen und klimatologisch steht ein sattes Grün für eine der letzten Chancen auf Zukunft.
Wie grün ist der Landkreis Forchheim?
Besonders in den Fokus geraten ist das Grün in den vergangenen Jahren dort, wo viele Menschen zusammenkommen; in den Städten und Gemeinden. Stellt sich die Frage: Wie grün ist unser Landkreis?
Viele Wälder und Äcker
Auf den ersten Blick zeichnen die Daten ein grünstichiges Bild. Zumindest was die reine Fläche anbelangt, die das Statistische Landesamt in Fürth im Landkreis als grün ausweist.
85 Prozent der fast 65.000 Hektar großen Landkreisfläche besteht aus Wäldern, Ackerflächen, Wiesen, Gärten und Ähnlichem.
Bayerisches Landesamt für Statistik liefert Daten
Als Grundlage für die Datenanalyse dient die Tabelle der „Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung“, in welcher die Fürther Statistiker alles auflisten, was die Gemeindeflächen bedeckt: Häuser, Straßen, Industrie, aber auch Felder und Wiesen.
Wie die exklusive FT-Auswertung dieser Daten ergibt, dominieren vor allem Wälder und Ackerflächen das gründe Landschaftsbild. Und in den Städten?
Forchheims Grün von Waldflächen dominiert
Auch dort stehen die Waldflächen in aller Regel auf Platz eins der Grünskala. Beispiel Forchheim: Alleine der Stadtwald, in dem auch der Kellerwald zu finden ist, umfasst 93 Hektar. Umgerechnet ungefähr 130 Fußballfelder. Waldanteil insgesamt: fast 38 Prozent.
Hetzles, Gößweinstein und Leutenbach an der Spitze
Die laut FT-Flächenberechnung grünsten Gemeinden sind Hetzles, Gößweinstein und Leutenbach (alle über 90 Prozent Anteil).
Wälder spielen sowieso stets die Hauptrolle: In Gößweinstein zum Beispiel nehmen die Baumreihen mehr als die Hälfte der gesamten Gemeindefläche ein.
Schlusslicht in der landkreisweiten Betrachtung ist die Kreisstadt Forchheim mit einem Grünanteil von zwei Dritteln.
Bamberg, Erlangen und Coburg sind Schlusslichter
Immerhin noch mehr als etwa die Städte Bamberg, Erlangen, Coburg und Bayreuth, aber viel weniger als beispielsweise Lichtenfels, Kulmbach und Bad Kissingen.
Universität Bayreuth sammelt neue Daten
Nun sagt eine reine Flächenanalyse noch nichts über Beschaffenheit des Grüns aus. Dies könnten Klimatologie-Professor Cyrus Samimi und sein Team von der Universität Bayreuth schon bald nachholen.
Während eines Fluges über den Landkreis haben sie vor kurzem sogenannte Multispektraldaten gesammelt (Messung elektromagnetischer Strahlung unterschiedlicher Wellenlängen; sichtbar wird so zum Beispiel die Zusammensetzung von Lichtstrahlen). Deren Auswertung könne aber noch dauern.
Hitze, Trockenheit: Grün wird bedeutender
„Die Bedeutung von Grün in den Städten wird wegen der zunehmenden Hitze und Trockenheit immer wichtiger“, sagt Franz Ullrich.
Der Regierungsbaumeister, Architekt und Stadtplaner beschäftigt sich schon lange mit der Entwicklung von Städten und konstatiert der Region nicht das beste Zeugnis.
Franz Ullrich: „Oberfranken noch nicht sehr weit“
„Keine Stadt in Oberfranken ist besonders weit, wenn es um das Thema Stadtgrün geht.“
Viele Akteure vor Ort bemühten sich zwar, auch machten sich teils neue politische Färbungen in manchen Rathäusern bemerkbar. Aber zu oft würden noch andere Prioritäten gesetzt. Die falschen?
Mehr Grün, mehr Lebensqualität
Das lässt sich pauschal nicht einfach beurteilen. Eins dagegen schon: Laut Franz Ullrich bringen höhere Grünanteile mehr Lebensqualität mit sich.
„Viel Grün in einer Stadt zu haben, ist aus vielen Gründen wichtig“, sagt er. „Pflanzen produzieren Sauerstoff, Bäume spenden Schatten, produzieren somit Kühle. Außerdem fördert eine vielfältige Flora die Biodiversität.“ Außerdem stehe ein grüner Ort besonders für Stadtmenschen sinnbildlich für eine Art Rückzugsort.
Flächenversiegelung sehr hoch in Bayern
Vor allem historische Städte würden laut Ullrich damit kämpfen, dass die Planer vor Jahrhunderten wenig Augenmerk auf Stadtgrün gelegt hatten. Warum auch; ringsum gab es genügend Natur.
Heute verlaufen dort Straßen, schwellen Industriegebiete an und Wohnquartiere schießen auf ehemals grünen Wiesen empor. Laut Umweltministerium wurden im Jahr 2020 in Bayern 11,6 Hektar Fläche versiegelt – jeden Tag.
Sind Schwammstädte die Lösung?
„Städte müssen zu Schwammstädten werden“, mahnt Ullrich. Heißt: Mehr Grünflächen, die Wasser aufnehmen und speichern können. Das oberste Ziel: eine blau-grüne Infrastruktur.
„Bei guter Planung ist die sogar bei der wie etwa in Forchheim forcierten Nachverdichtung möglich.“
Wie? Mit begrünten Flachdächern, weniger Versiegelung von Freiflächen, einer in der Bauleitplanung festgelegten Brauchwassernutzung, Straßenränder mit Versickerungsstreifen.
Alles Dinge, welche die lokalen Lenker selbst in der Hand haben könnten. Und müssten. Denn, sagt Franz Ullrich mit vollster Überzeugung: „Es führt schon lange kein Weg mehr an ausreichender Stadtbegrünung vorbei.“
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