„2019 war ein Prozent der Weltbevölkerung auf der Flucht. Fast die Hälfte davon waren Frauen. Für die gibt es dabei noch viel mehr Belastungen“, sagt die 26-jährige Erzieherin Katharina Weiß aus Ebermannstadt.
Deshalb beschloss sie, sich im August und September für den gemeinnützigen Verein „Rosa“ zu engagieren. Der fährt mit seinem „Rolling Safespace“, also seinem rollenden Sicherheitsraum, in Griechenland Flüchtlingslager an.
Die Politik kümmert sich zu wenig
„Das war dann auch noch, als die großen Feuer waren“, fügt sie hinzu. „Die Politik kümmert sich zu wenig. Für Frauen auf der Flucht ist es sehr schwierig“, sagt Weiß. Der „Rolling Safespace“ sei das einzige Projekt, das sich speziell um Frauen kümmere. Der Verein wurde 2021 gegründet.
Die Erzieherin berichtet, dass es für Frauen geschlechtsspezifische Fluchtursachen wie Genitalverstümmelung, Angst vor Femizid oder Zwangsverheiratung gebe. „Sie brauchen aber auch einen sicheren Raum, um mit anderen Frauen über ihre Traumata reden zu können. Schwangere brauchen mehr Hilfe. Oder sie brauchen Hygieneartikel“, zählt die 26-Jährige auf.
Medizinische Versorgung
Deshalb war Katharina Weiß mit dem „Rolling Safespace“ unterwegs, einem Truck, an dem ein Zelt angebracht werden kann. Dieser fährt auf der griechischen Halbinsel Attika, nördlich von Athen, drei Geflüchtetenunterkünfte an: Ritsona, Oinofyta und Malakasa.
„Der Truck hat ein kleines Behandlungszimmer. Eine Ärztin ist für die medizinische Versorgung mit dabei. Da gibt es Brustkrebs- oder Schwangerschaftsuntersuchungen“, erzählt Weiß. Es werden auch Workshops angeboten. „Die Frauen können ihren Schleier abnehmen und einfach nur reden“, fügt sie hinzu.
Da die meisten Frauen mit ihren Kindern fliehen, werden diese in der Zwischenzeit von ehrenamtlichen Erzieherinnen betreut. „Das war dann meine Aufgabe“, stellt sie fest und erzählt, dass die größte Herausforderung für sie war, keinen persönlichen Kontakt zu den Kleinen aufzubauen: „Das ist anders als hier in Deutschland, denn die Ehrenamtlichen sind nach einigen Wochen ja wieder weg. Deshalb haben sich auch die Kleinen einen Schutzpanzer aufgebaut und lassen niemanden an sich ran.“
Surreale Situation
Fünfmal in der Woche fährt der Truck die Camps an. Bis zu 40 Frauen kommen aus den Unterkünften zum „Rolling Safespace“ und bringen bis zu 45 Kinder mit. Als Weiß vor Ort war, brachen die Feuer aus und ein Lager wurde evakuiert.
„Wir haben auch diskutiert, ob wir das große Zelt aufbauen. Denn wenn wir übers Handy gewarnt worden wären, wären wir sofort weggefahren“, erinnert sich die Erzieherin. Sie habe die Situation als surreal empfunden, denn sie hätten wegfahren können, die Flüchtlinge nicht. „Wir wurden immer informiert, welche Strecken sicher waren und befahren werden konnten.
Das Feuer haben wir von weitem gesehen“, berichtet Weiß, die sich ehrenamtlich engagierte. Sie bezahlte beispielsweise ihren Flug selbst. Eine Frau hatte ihr Haus kostenlos als Unterkunft für die Helferinnen zur Verfügung gestellt. „Die Spenden werden für die Geflüchteten verwendet“, betont Weiß. Das hat sie überzeugt. Um den Verein weiterhin zu unterstützen, will die Erzieherin in Ebermannstadt eine Lokalgruppe gründen.
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