„Na, hast du dich nur verschluckt oder geht es dir nicht gut?“ Daniel Schäffer, Leiter des Wildparks Hundshaupten bleibt vor dem Gehege eines Schwäbisch-Hallischen Landschweins stehen und beobachtet es. Das hebt kurz den Kopf und frisst dann weiter. „Dann ist ja alles gut“, stellt der Tierarzt und Biologe Schäffer fest und läuft weiter zur Baustelle im Wildpark.
Hier entsteht ein Gehege für Wisente. „Unser letztes Wisent erreichte ein stattliches Alter. Der Bulle Josef war schon 17 Jahre alt und starb 2019“, erzählt der Wildparkleiter. Jetzt nimmt der vom Landkreis geführte Wildpark Hundshaupten an einem europäischen Projekt für Auswilderungszucht von Wisenten teil, das auch vom Förderprogramm „Leader“ unterstützt wird. Leader ist eine Abkürzung der französischen Begriffe: Liaison entre les actions de développement de l'économie rurale. Zu Deutsch bedeutet das: Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft.
Schäffer zeigt das Fundament für den Stall, der durch diese finanzielle Unterstützung gebaut werden kann. Er erklärt auch, dass das Gebäude so konzipiert wurde, dass man Tiere später einfach in den Stall bringen und auch abtransportieren könne. „Hier sollen ein Bulle und vier oder fünf Mädchen untergebracht werden“, berichtet der Parkleiter und zeigt wo zum Beispiel ein Bereich geplant ist, in dem kranke Tier untergebracht werden können.
Naturerlebnisse allen Menschen möglich machen
Das Gehege ist mit einem Hektar weitläufig und hügelig. Fertig ist bereits ein Tunnel für die zukünftigen Besucher. Dieser liegt tiefer als das Gelände und hat im oberen Bereich Öffnungen. „Hier kann man dann mal die Tiere aus Ameisenperspektive beobachten“, erklärt Schäffer und spricht dann über den Bildungsauftrag des Wildparks: „Wir sehen es als unseren Auftrag an, Naturerlebnisse allen Menschen möglich zu machen und verfolgen dabei einen edukativen Anspruch, indem wir die Erholung in der Natur, den Umweltschutz, die Wissenschaft und Forschung fördern.“
Besucher können auf einem Rundwegenetz den Tieren, es handelt sich dabei um Wild- und Haustiere, möglichst nahe sein. Daniel Schäffer umrundet das zukünftige Wisent-Gehege und begutachtet weiter oben den von Mitarbeitern ausgebrachten Mulch.
Da kommt auch schon eine Gruppe Besucher aus der Nähe von Zwickau, die Urlaub in der Fränkischen Schweiz machen, und begeistert sind von der Natur und dem schönen Gelände des Parks. Sie bewundern auch das riesige Wisent aus Holz. „An dem können die Kinder klettern oder sogar innen rein steigen“, erklärt der Parkleiter und sagt weiter: „Während die Kinder spielen, können die Eltern die Tafeln lesen und sich informieren.“ Ergänzend gibt es Führungen.
Es gibt nicht mehr viele freilebende Wisente
Dann erzählt er, dass Wisente genügsame und ruhige Tiere sind. Sie werden fast zwei Meter groß, bis zu drei Meter lang und können bis zu einer Tonne schwer werden. Sie ernähren sich pflanzlich und halten damit in der Natur Flächen wie Wiesen und Heiden offen.
Allerdings gibt es in Europa nicht mehr viele freilebende Wisente. Deshalb gibt es auch dieses Auswilderungsprojekt, an dem der Wildpark Hundshaupten teilnimmt. „Da sind wir stolz darauf“, meint Schäffer und erklärt, dass sämtliche lebende Wisente nur auf 12 Gründertiere zurückzuführen sind und der Genpool damit stark eingeschränkt ist. Die gezüchteten Tiere können später auch nicht einfach so und überall ausgewildert werden.
Das European Bison Conservation Centre in Donaumoos organisiert und koordiniert dieses Projekt und die Auswilderung. „Die gezüchteten Tiere gehen nicht an andere Zoos, sondern werden in Europa ausgewildert“, stellt Daniel Schäffer fest. Bis Wisente aus Hundshaupten in der Welt unterwegs sein werden, dauert es noch ein wenig, denn aktuell wird hier noch gebaut.
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