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Nicht die Realität
Königinnen kritisieren „Tatort“: Verharmlost Belästigung
Luisa Zametzer aus Kersbach ist Forchheims zehnte Bierkönigin.Forchheim & Fränkische Schweiz
Luisa Zametzer aus Kersbach ist Forchheims zehnte Bierkönigin. // Ronald Rinklef
Forchheim – Beim „Tatort“ von Sonntag drehte sich alles um Produktköniginnen und sexuelle Belästigung. Die gewählte Darstellung ruft Kritik hervor - ausgerechnet bei jenen, die es am besten beurteilen können.

Bier, Spargel, Honig – Produktköniginnen repräsentieren eine Spezialität ihrer Region. Genau in diesem Umfeld spielte der jüngste „Tatort“, der unter dem Titel „Königinnen“ am vergangenen Sonntag im ARD lief.

Während sich die „echten“ Königinnen grundsätzlich über die Aufmerksamkeit für ihr Amt freuen, gibt es auch Kritik. Der Vorwurf: Der „Tatort“ verharmlose sexuelle Belästigung.

Darum geht es in „Königinnen“

Beim Gipfeltreffen der bayerischen Produktköniginnen gibt es einen Vorfall: Der Präsident des Bavaria-Bunds wird in seinem Hotelzimmer mit einem Bolzenschussgerät angegriffen. Die Kommissare ermitteln wegen versuchten Mordes.

Nach und nach kommt heraus, dass das Opfer seine Position ausgenutzt hatte, um Königinnen sexuell zu belästigen. Immer wieder gibt es Szenen, bei denen die Kamera langsam über die jungen Frauen fährt, Nahaufnahmen von Füßen in glitzernden Highheels oder Schärpen über dem Dekolleté sind zu sehen.

Bierkönigin kritisiert Darstellung

Direkt nach der Veröffentlichung äußerten sich etliche reale Produktköniginnen auf Instagram dazu. Darunter auch die Forchheimer Bierkönigin Luisa I. „Ich bin ehrlicherweise etwas geschockt über die Darstellung sexueller Belästigung“, schreibt Luisa Zametzer.

Grundsätzlich finde sie es wichtig, dass auch schwierige Themen wie sexuelle Belästigung besprochen würden. Doch das sei ein sensibles Thema, mit dem es behutsam umzugehen gelte. „Wie die sich haben antatschen lassen“, kritisiert Zametzer eine Szene, bei der gezeigt wird, wie die Königinnen im Film übergriffige Berührungen lächelnd erdulden. So eine Darstellung zeichne ein völlig falsches Bild.

Eine Aussage ist ihr besonders negativ im Gedächtnis geblieben. Sylvia, die Chefin des Organisationskomitees, sagt: „Die Mädchen wissen doch, worauf sie sich einlassen. Wer sich die Brüste so hochschnürt, der verbindet damit eine Absicht.“

Ein Dirndl ist keine Einladung

Auch Lena Mirschberger sieht den „Tatort“ kritisch. „Klar, die meisten haben Dirndl an, aber das ist keine Einladung für Leute“, stellt die amtierende Kirschenkönigin klar. Die Aussage der Chefin hätte aus ihrer Sicht nicht unkommentiert bleiben dürfen.

Dass das Thema Belästigung so stark im Vordergrund gestanden habe, entspreche ihrer Erfahrung nach nicht der Realität. „Klar, es kommen mal ein paar Sprüche“, sagt Mirschberger. Doch jede Königin würde sich trauen, „nein“ zu sagen. Eine Darstellung wie im „Tatort“ könne abschreckend auf zukünftige Produktköniginnen wirken.

Lena I., Kirschenkönigin der Fränkischen SchweizForchheim & Fränkische Schweiz
Lena I., Kirschenkönigin der Fränkischen Schweiz // Walther Appelt

Trotz der Kritik findet Mirschberger auch positive Worte: „Grundsätzlich hat man gemerkt, dass sich die Drehbuchautoren mit dem Thema Produkthoheiten beschäftigt haben.“ Das sei ihr durch Details aufgefallen, wie das Buch, in das die Königinnen sich gegenseitig zur Erinnerung hineinschreiben.

Das bestätigt auch Luisa Zametzer. Einzelne Aspekte hätten sie positiv überrascht. Zum Beispiel, dass sich die Frauen oft unterstützen und dass betont worden sei, dass es bei dem Amt um mehr als einen „Prinzessinnentraum“ gehe.

BR: Darstellung ist Kritik an derartigem Fehlverhalten

Christian Dück, stellvertretender Pressesprecher des Bayerischen Rundfunk, schreibt auf Anfrage des Fränkischen Tag: „Diese Aussage wird von der Antagonistin des Films getätigt (Anmerkung der Redaktion: Sylvia, dargestellt von Veronica Ferres), die sich durch eben diese Haltung der Duldung von sexuellen Übergriffen mitschuldig macht. Die Aussage einer antagonistischen, amoralischen, gewissermaßen ‚bösen‘ Filmfigur entspricht natürlich nicht der Haltung der Filmemacher […].“

Der Film bemühe sich um eine respektvolle Darstellung. Nahaufnahmen der Königinnen sollten den Blick des „Übeltäters“ zeigen und seien „ein Kommentar gegen derartiges Fehlverhalten“.

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