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FT-Serie Ortsnamen
Spannende Geschichte: Wie Trainmeusel zu seinem Namen kam
Rund um Trainmeusel gibt es wunderbare Wanderwege, auf denen man Sagen über Eppelein nachspüren kann.Forchheim & Fränkische Schweiz
Rund um Trainmeusel gibt es wunderbare Wanderwege, auf denen man Sagen über Eppelein nachspüren kann. // Manfred Franze
Der Trainmeuseler Brunnen war wichtig für die Wasserversorgung.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der Trainmeuseler Brunnen war wichtig für die Wasserversorgung. // Manfred Franze
Angeblich die stehengebliebene Wand von Eppeleins SchlossForchheim & Fränkische Schweiz
Angeblich die stehengebliebene Wand von Eppeleins Schloss // Manfred Franze
Signet des Fränkischen Tags von Manfred Franze
Trainmeusel – Der ungewöhnliche Name des Wiesenttaler Gemeindeteils Trainmeusel sorgt für intensive Recherchen. Dazu kommen noch die Sagen um den Raubritter Eppelein von Gailingen und sein „Schloss“.

In einem „Leitfaden zur Erdkunde von Baiern für Schulen“ aus dem Jahre 1822 heißt es, in Nürnberg erinnere man sich „immer noch“ an zwei alte Reime:

„Eppela von Dramaus /

reit allzeit zu vierzehnt aus.“

Und:

„Da reit der Nürnberger Feind aus /

Eppela Gaila von Dramaus.“

Der „alte Raubritter Eppelein von Gailingen“ sei in ständiger „Fehde“ mit der Reichsstadt gelegen, habe „im 16. Jahrhundert“ (!) gelebt und sei dann nach seiner Gefangennahme „1581“ in Neumarkt „mit dem Rade hingerichtet“ worden. Der Autor, seines Zeichens „Vorsteher und Oberlehrer an der königlichen höhern Bürgerschule und Mitglied der naturhistorischen Gesellschaft in Nürnberg“ vertut sich um glatte zwei Jahrhunderte und zitiert die Reime auch nur, um zu erklären, wo Streitberg und der Ort liegt, in dem Eppelein zu Hause war.

Trainmeusel in der Nähe der Burgen Neideck und Streitberg

Streitberg sei ein „Dorf“, das „8 Stunden von Bayreuth“ entfernt „am Abhange eines hohen Berges“ an der Wiesent liege und „eine ungemein entzükkende, weite Aussicht in den Thalgrund von Ebermannstadt“ gewähre. „Die Reste der geschichtlich merkwürdigen Burgen Neidek und Streitberg liegen wenige Schritte von hier. In der Nähe liegt Draimeysel oder Dramaus, zerstörte Burg des alten Raubritters Eppelein von Gailingen.“

Ortsnamenforscherin Dorothea Fastnacht klärt auf

In „Draimeysel“ klingt das heutige Trainmeusel noch erkennbar an. So taucht es ab und zu auch in alten Urkunden auf. Aber „Dramaus“? Das ist, wie die Ortsnamenforscherin Dorothea Fastnacht erklärt, eine Mundartwendung, in der das „-meysel“ irrtümlich als „Maus“ verstanden wurde. So hat es 1889 auch schon ein Nürnberger Gelehrter zu Eppelein angemerkt: „Aus dem Namen seiner einen Burg Drameysel bei Muggendorf in der Fränkischen Schweiz wurde im Volksmunde ,Dramaus‘.“ Die seltsame Ortsbezeichnung „Dramaus“ ist also durch Umlautung im Dialekt entstanden.

Die anfangs zitierten Reime hätten „Nürnberger Gassenjungen“ bis vor kurzem noch gesungen, schreiben die Brüder Grimm 1816 über „Eppela Gaila“ im ersten Band ihrer „Deutschen Sagen“. Die Verse tauchen aber bereits vorher auf und werden durchweg in der umfangreichen Literatur über den „wundersamen Ritter und Schwarzkünstler Eppele von Gail“ wiedergegeben.

Ernst Moritz Arndt (1769 – 1860) bezeichnet ihn so und schreibt im Bericht über seine „Reise von Baireuth bis Wien im Sommer 1798“, dass ihm die Leute hier „wunderbare und abentheuerliche Dinge“ über den „Eppele“ erzählt hätten. Beim Wandern habe ihm dann der „alte Wunder“ – das war der offiziell als Höhleninspektor eingesetzte Johann Georg Wunder (1725 – 1799) aus Muggendorf – gezeigt, wo der Raubritter „rings umher seine Burgen“ hatte, von denen er „wie ein Sturmwind von einer zur anderen“ flog – „doch zu Gailenreuth war sein Hauptsitz“.

13 Verbündete und er selbst

Andere Autoren wiederum meinen, er habe auf seinem „Schloß Drameysel“ die „Verbündeten“ für seine „Streifzüge“ gesammelt. Das seien immer dreizehn gewesen und er selbst der Vierzehnte. So erklärt sich auch der Vers „reit allzeit zu vierzehnt aus“. Warum gerade vierzehn?

Das kann nur vermutet werden: 1383 – zwei Jahre nach Eppeleins Tod – entführte Fritz von Streitberg aus dem nürnbergischen Gräfenberg 14 Geiseln nach Burggaillenreuth. Sie wurden aus der Burg befreit, ihre Bewacher nach Nürnberger verbracht und hier schwer bestraft. Dreizehn von ihnen – darunter auch Adlige – wurden enthauptet, Fritz von Streitberg aber war nicht unter ihnen (13+1). Eventuell war diese grausame Bestrafung der historische Hintergrund für den Vers, den die „Nürnberger Gassenjungen“ von der „immer zu vierzehnt“ ausreitende Eppelein-Truppe sangen.

Nächtlicher Spuk

Dramaus/Trainmeusel taucht in mehreren Sagen als Eppeleins Zuhause auf. Von hier aus reitet er nach Muggendorf zum Gottesdienst, mit einem legendären Sprung vom Frauenstein über die Wiesent, hier gründet er – angeblich 1339 – den „Bund der Zwanzig“, um die alten Adelsrechte gegen Kaiser Ludwig und die Reichsstädte zu wahren, hier stirbt seine Ehefrau Kunigunde, die Nürnberger brennen seine Burg nieder, und in den Ruinen baut nach Eppeleins Tod ein Bauer sein Haus auf, muss es aber wieder einreißen, weil er und seine Familie den nächtlichen Spuk nicht aushalten.

Tatsächlich hat es zu Eppeleins Lebzeiten auch gar keine Burg in Trainmeusel gegeben. Ein ritterlicher „Ansitz“ entstand nach alten Urkunden erst zwischen 1399 und 1425. Als Lehen des Bamberger Bischofs ging er an die von Egloffstein. Allerdings vermutet der Burgenforscher Gustav Voit, dass das Geschlecht der Schlüsselberger schon davor zur Verteidigung ihrer Burg Neideck in Trainmeusel einen Vorposten errichtetet hatten, der 1347 beim Angriff auf ihren Stammsitz niederbrannte. Den späteren bischöflich-bambergischen Ansitz zerstörten 1430 die Hussiten.

Eine Wand von Eppeleins Burg

Von einer Scheune in Trainmeusel erzählt man sich, dass eine Wand von Eppeleins Burg stamme. Wilhelm Malter (1900 – 1993), Nürnberger Mundartdichter und Schriftsteller, schreibt 1965 in seinem Reiseführer durch „Oberfranken West“, im zweiten Geschoss der Scheune befinde sich eine „steinerne Sitznische, wie man sie in Schlössern antrifft“. Ein Stein in der „stehengebliebenen Hauswand“ trage „eine Jahreszahl 13...“ Und „im Keller gegenüber“, der zum Anwesen gehöre, habe nach der Sage „Eppelein das silberne Vogelhaus verwahrt, das er den Nürnbergern gestohlen“ habe. „Hinter der Kellermauer soll es verborgen sein, und wenn diese Wand geöffnet würde, würde großes Unheil geschehen.“ Im Internet ist unter burgenwelt.de die Scheunenwand noch ganz zu sehen. Heute schließt sie direkt an ein Wohnhaus an.

Brunnen und Ortsgründung

Nur wenige Hundert Meter entfernt befindet sich auf dem Wanderweg zur Ruine Neideck der Trainmeuseler Brunnen. Er soll über Eichenröhren die 1300 Meter entfernte Neidecker Hauptburg versorgt haben. Insofern war Trainmeusel für den Schlüsselberger Stammsitz nicht nur militärisch von Bedeutung, sondern auch wegen seiner Versorgung mit dem notwendigen Frischwasser. Die Quelle war aber nicht nur für die Burgherren von Bedeutung. Hier holten sich die Trainmeuseler bis zum Anschluss ihres Orts an die Wiesent-Gruppe (1923) ihr Wasser. Nur in heißen Sommern, wenn der Brunnen versiegte, mussten sie mit Butten ihr Wasser unten im Tal holen.

Slawische Gründung

Ähnlich wie Eschlipp oder Moggast geht Trainmeusel auf eine slawische Gründung zurück. Nach Dorothea Fastnacht bedeutet der Ortsname „Ort des Dragomysl“ und ist in der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts entstanden. Die Schreibweise des Namens ist in den Urkunden sehr unterschiedlich. Einmal wechselt der Anfangsbuchstabe von D zu T, also von „Drago-“ zu „Traga-“ sowie zwischen „-mysl“ und „-meussels“. Der im Dialekt ausgesprochene Personenname hat im Laufe der Jahrhunderte die schriftliche Fixierung etwas schwierig gemacht. Seit der Gebietsreform 1972 gehört das Dorf zur Marktgemeinde Wiesenttal.

 

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