Den „Fünf-Seidla-Steig“, Brauereiwanderweg von Weißenohe nach Gräfenberg, gibt es bald zwanzig Jahre. Nun erhöht Helmut Haberkamm die Genussreise auf „Sieben Seidla – Brautradition in der Fränkischen Schweiz“ in einem großartigen Bildband zusammen mit Fotograf Paul Mayer. Dessen Anliegen ist, seinen Sehnsuchtsort mit einmaliger Landschaft und vielen einzigartigen Brauereien und Braugasthöfen zu dokumentieren. Nicht als Reiseführer, sondern als Appetithappen.
Autor Helmut Haberkamm liest in Forchheim über Brautradition
„Hier läuft der Weg von einem Paradies durchs andere“ hat der fränkische Dichter Jean Paul einst sehr treffend beschrieben, von großformatigen Stimmungsbildern eindrucksvoll bestätigt. Die phantastische, einfühlsame Inszenierung wundert nicht, Mayer ist auch Geograph. Diesem Augenschmaus hat Haberkamm ausführliche Essays über sieben exemplarisch ausgewählte Familienbrauereien beigefügt, in liebevoller Kleinarbeit recherchiert und am Abend des 21. Oktober. als jüngst erschienenes Werk im Forchheimer Hebendanz vorgestellt. Die Zuhörerschaft erfährt nicht nur, was Brauereien machen, sondern auch von kuriosen Namen mancher Orte und ebensolcher Brotzeiten sowie von kostbaren Hintergründen der Brautradition in einer eher kargen, wasserlosen Landschaft mit vielen Brunnen.
Hübner-Bräu in Steinfeld, Klosterbrauerei Weißenohe bis zur Nikl-Bräu Pretzfeld
Der kulturgeschichtliche Spaziergang führt vom Aufseßer Brauereigasthof Rothenbach über die Hübner-Bräu in Steinfeld, Klosterbrauerei Weißenohe mit besonderer Historie, Lindenbräu Gräfenberg, Held-Bräu Oberailsfeld mit alten Brauereiutensilien und außergewöhnlichem Schokoaroma mit Schinkenspeck, Höhn in Memmelsdorf mit historischer Brauereimanufaktur schlussendlich zur Nikl-Bräu Pretzfeld. Luthers Spruch an einer Wirtsstubenwand ist nun, auch vom anwesenden Chef Fritz Hebendanz leicht nachvollziehbar: „Wer kein Bier hat, hat nichts zu trinken.“. Aufgelockert werden die intensiven Informationen durch launige Mundartgedichte, wie „Zwaarala Frankn“, treffende Charakteristik und augenzwinkernde Erkenntnis inbegriffen: „Frankn gibbds auf zwaarala Oard: offen und als Flaschen.“
Im zweiten Teil des Abend wird die andere Neuerscheinung präsentiert: „Der Baron im Blauen Haus“, einem Roman über Johann Kalb (1721-1780), Bauernsohn aus Hüttendorf bei Erlangen. Adel, Wohlstand, angenehmes Leben sind wohl erste Assoziationen bei diesem Buchtitel. Weit gefehlt. Nach akribischer Spurensuche und mit fundiertem Hintergrund deckt der Autor ein von wechselvoller Karriere begleitetes Leben auf. Keine einfache Kost, keine einfache Lektüre, Kriegsgeschehen in all seiner grausamen Realität eindringlich geschildert.
Helmut Haberkamm in Forchheim: Geschichte mit George Washington
Tödlich verwundet, lässt er Kalbs Leben auf dem Sterbebett an ihm vorüberziehen. Begegnungen mit La Fayette oder Baron von Steuben, die Ehre der Berufung durch George Washington, zuletzt zum amerikanischen Generalmajor, werden enttäuscht durch miserable Bedingungen und aussichtslos stümperhafte Kriegsführung im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Ein von Ehrgeiz Besessener gibt ein glückliches Familienleben mit Frau Anna und drei Kindern auf, um in die Schlacht zu ziehen, sich im echten Kampf zu bewähren, mit stetem Hunger auf Tätigkeit und Auszeichnung per Feldzug. Das Schicksal lässt ihn „bluten, für all die Vermessenheit“.
Trotzdem ist es für ihn kein bitteres Ende, er darf den Tod eines Soldaten ehrenhaft sterben. Als versöhnlichen Ausklang liest Haberkamm noch mundartliche Beiträge - selber lesen ist „challenge“. Die konzentrierte, pointierte Versprachlichung seiner Beobachtungen ist immer wieder faszinierend und bewundernswert. Das „viktorisch verscheffelte“ Frankenlied in einem Fränkisch, was es nicht gibt, war der letzte Höhepunkt, bedacht mit herzlichem Applaus in der vollgefüllten Wirtsstube.












