Die Themen des Stücks könnten allzeitlicher und zugleich aktueller nicht sein: der Sinn des Lebens, Zerbrechlichkeit des Wohlstands, das unausweichliche Eintreten des Todes.
Frei nach Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ von 1911 hat sich das Junge Theater (JTF) für sein anstehendes Mega-Projekt die fränkische Adaption Fitzgerald Kuszs erwählt: „Der Fränkische Jedermann“.
Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren – denn obwohl die Premiere erst am 12. Juli 2024 stattfinden wird, gibt es für künstlerischen Leiter des JTF Martin Borowski noch viel zu tun. Dieses Stück, das Kusz einmal selbst als „Stationendrama vom Sterben des reichen Mannes“ genannt hatte, suchte sich Borowski aus, weil er „unbedingt einmal die Forchheimer Kaiserpfalz in den theatralen Mittelpunkt“ stellen wollte.
Selbst für echte Kulturprofis keine alltägliche Herausforderung.
Zwölf Theatergruppen aus Region Forchheim dabei
Aus zwölf Theatergruppen des gesamten Landkreises Forchheim haben sich mehr als 40 Menschen bei Borowski gemeldet, weil sie bei seinem Stück dabei sein wollen. „Das ist Wahnsinn“, sagt er erfreut. Und als Herr über sein erstes Forchheimer Großprojekt als Regisseur sei es für ihn das große Ziel, allen Interessenten auch einen Platz in seinem Stück zu geben.
Benjamin Bochmann aus Bamberg übernimmt Hauptrolle
Einzig bei der Hauptrolle setzt Borowski auf einen Profi. Immerhin müsse der es schaffen, den herzlosen „Jedermoo“ zu verkörpern, der es nur dank der beiden allegorischen (also rhetorischen) Figuren „Gwissen“ und „Glaum“ schafft, dem Teufel zu entkommen.
Mit dem seit über 30 Jahren in Franken wohnenden Benjamin Bochmann hat er auch die für ihn perfekte Besetzung gefunden. Zwar ist der 43-jährige Bochmann in Dresden geboren und sieht selbst die Dialektfassung als größte Herausforderung, wie er unserer Redaktion vorab verrät.
„Aber diese Herausforderung nehme ich gerne an.“ Tatkräftige Unterstützung bei den Mundartübungen erwarte er sich unter anderem bei seiner Bamberger Frau.
Restliche Charaktere im Jedermann durch Laien besetzt
Die restlichen Charaktere, darunter sehr viele Statistenrollen, will Borowski von Laien aus der Region ausfüllen lassen.
So wird zwar unter anderem der erfahrene Rainer Streng von der Forchheimer Literaturbühne den Gott verkörpern – aber eben nicht alleine. Zugleich sowohl durch eine Frau als auch ein Kind will Borowski den Schöpfer theatralische in die Moderne hieven.
Professionelle Unterstützung erfährt das Projekt darüber hinaus von der Bamberger Schneidermeisterin Christine von Roit (Kostüme) und dem Forchheimer Liedermacher René „DerEnte“ Kraus (musikalische Leitung).
Beide freuen sich auf die Aufgabe. Wenngleich Kraus kurz ob der „Mammutaufgabe“ überlegen musste, hat er schließlich gerne zugesagt. Er wird sowohl die Sounds als auch die Musikstücke innerhalb des Stücks und für die Pausen selbst schreiben.
Kooperation der Theatergruppen Forchheims: Zukunft der Kultur
Doch hinter Borowskis Herzensprojekt steckt noch mehr als nur purer dramaturgischer Wille. „Diese Kooperation soll zeigen, wie viele Theatergruppen es im Landkreis Forchheim gibt. Und diese bestenfalls auf eine nachhaltige Weise vernetzen.“
Denn, davon ist Borowski überzeugt, nur eine fruchtbare Zusammenarbeit kann für die noch immer von den Corona-Nachwehen gebeutelte Kulturszene der richtige Weg für die Zukunft sein.
Wie für viele Ensembles ist auch die finanzielle Zukunft des Jungen Theaters nicht in Stein gemeißelt.
Förderung des Bayerischen Kunstministeriums für Junges Theater
Im Oktober werde man sich laut Borowski wieder mit Stadt und Vertretern der Lokalpolitik zusammensetzen und über künftige Geldmittel des Forchheimer Theaterhauses diskutieren. Immerhin, die Finanzierung des knapp 40.000 Euro teuren Jedermann-Projekts ist gesichert. Größte Stütze: eine stattliche Förderung des Bayerischen Kunstministeriums in Höhe von gut 36.000 Euro.
Großprojekt-Fortsetzung im Wechsel mit ZirkArt?
Bis Ende des Jahres will Borowski die Vorbereitungen abgeschlossen haben, im Februar 2024 sollen die Proben beginnen. Und sein Traum geht weiter. Borowski könne sich gut vorstellen, Projekte wie den Jedermann regelmäßig in Forchheim zu veranstalten.
Zum Beispiel im Wechsel mit dem alle zwei Jahre stattfindenden Festival ZirkArt. Doch auf solche staatlichen Fördergeld-Hauptgewinne wie jetzt könne man nicht immer bauen, sagt er. Dafür gestalte sich die deutsche Förderkulisse zu bürokratisch, zu undurchsichtig.
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
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