Im Moment fällt es nicht besonders sehr auf. Der Sommer hält, Draußenveranstaltungen halten über Wasser. Aber sobald die Tage kürzer und die Abende kühler werden, zieht es die Forchheimer Kulturfans wieder zurück in die heimeligen Hallen. Zumindest in der Theorie.
Keine Veranstaltungshalle in Forchheim
Denn eine solche gibt es in der Großen Kreisstadt aktuell nicht. Und das wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern. Für die Kulturschaffenden und Vereine ein Desaster.
Närrische Siedler Lichteneiche: „Genervt“
Betroffen und genervt sind etwa die Närrischen Siedler Lichteneiche. Deren Vereinsvorsitzender Bernd Uttenreuther bangt erneut darum, die groß angelegte Prunksitzung auf die Bühne zu bekommen.
„Wir hoffen derzeit, dass wir übergangsweise eine Turnhalle im Stadtgebiet nutzen können“, sagt er. In trockenen Tüchern sei das noch nicht. Man werde sich professionell vorbereiten; habe es aber nicht alleine in der Hand.
Prunksitzung früher im Kolpingshaus
Früher trafen sich die feierfreudigen Narren im Kolpingshaus. Zuletzt vor zwei Jahren, als Corona erst langsam ein Thema zu werden begann.
Nur kurz darauf wurde das Kolpingshaus wegen großer baulicher Schäden und Schädlingsbefalls plötzlich stillgelegt. Die schnelle Sanierung der Spielstätte war vom Tisch.
Philosophenviertel und Rathaus Forchheim
Das traf Forchheims Kulturszene wie ein Schock. War doch zugleich bereits klar, dass die ehemalige Jahnhalle einmal dem Philosophenviertel weichen sollte (der Abriss begann dann im März 2021) und auch das Forchheimer Rathaus frühestens im Frühjahr 2025 als Veranstaltungsort zur Verfügung stehen dürfte.
Soccerhalle: Erst Hoffnung, dann Posse
Aber Uttenreuthers Truppe und andere Forchheimer Kulturgrößen schöpften Hoffnung. März 2021, der Stadtrat will Teile der Soccerhalle zur Eventhalle umbauen.
Soccerhalle von Beginn an umstritten
Ein von Beginn an umstrittenes Millionenprojekt, das aber den Kulturschaffenden zeitnah als Übergangslösung hätte dienen können. Hätte. Denn passiert ist dann erst einmal lange nichts.
Der nächste Schock dann ein gutes Jahr später. Ein 7:7-Patt im Planungs- und Umweltausschuss reicht im Mai diesen Jahres aus, um das Projekt Soccerhalle endgültig zu kippen.
Den Gegnern waren die nunmehr angestiegenen Kosten für eine Interimslösung zu hoch und Lärmschutzauflagen doch zu knackig.
Forchheims Vereine: „Desaster“
Für die Vereine bleibt das Soccerhallen-Aus eine Desaster. „Wer solche Projekte angeht, muss vorher alles prüfen“, sagt Uttenreuther. „Leider wurde bei dem Projekt zu viel verschlafen.“
Er ärgert sich, schließlich hängt an einer raschen Kulturhallen-Lösung langfristig das Überleben seiner Närrischen Siedler.
Musikverein Buckenhofen ärgern bloße Lippenbekenntnisse
Heinrich Kredel teilt den Ärger. „Lippenbekenntnisse gab es viele“, sagt der Sprecher des Musikvereins Forchheim-Buckenhofen.
„Aber passiert ist nicht viel.“ Ausnehmen wollen beide Bürgermeisterin Annette Prechtel (FGL), die sich wie weitere politische Kräfte in der Stadt „stark für eine Lösung einsetzten“.
OB Uwe Kirschstein nach wie vor irriert wegen Soccerhallen-Aus
Und die Stadtspitze? Zeigt sich angesäuert. Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) bleibt irritiert über die beinahe geräuschlose Abwicklung der Soccerhallen-Idee.
„Das Kolpingshaus wird 2026 nicht fertig sein, da dürfen wir uns nichts vormachen. Und selbst wenn, wird es keine große Veranstaltungshalle ersetzen können.“
Das bedeutet: In den nächsten Jahren stehe laut OB somit für kulturelle Großveranstaltungen keine städtische Alternative zur Verfügung.
Wird neue Stadthalle gebaut?
Zwar hat der OB den möglichen Bau einer neuen Stadthalle – etwa auf dem ehemaligen Jahn-Gelände – ins Spiel gebracht. Und eine ungewöhnliche stadtpolitische Allianz aus Freien Wählern, SPD und Jungen Bürgern machen sich für eine ähnliche Idee stark.
Aber das schwarze Kulturhallen-Loch vermag diese Vision in den kommenden Jahren auch nicht zu füllen.
Concertbüro Franken: Kulturentwicklung beginnen
Zudem sei es nicht damit getan, einfach eine Halle zu bauen. „Danach fängt die Kulturentwicklung erst an“, sagt Veranstaltungsexperte Guido Glöckler vom Concertbüro Franken.
„Forchheim hat eine undankbare Lage wegen der starken Nachbarn in Bamberg und Erlangen. Trotzdem braucht es eine eigene Stätte. Reichen würden 500 bestuhlte und 900 unbestuhlte Plätze.“ Nur dann würde Forchheim auch für überregional agierende Künstler interessant.
„Schwach für Stadt wie Forchheim“
„Keine ausreichend große Veranstaltungshalle zu haben, ist schwach für eine Stadt wie Forchheim mit mehr als 30.000 Einwohnern.“ Das sagen Bernd Uttenreuther und Heinrich Kredel unisono.
Der Musikverein Forchheim-Buckenhofen muss 2023 nun selbst bei seinem 50-jährigen Jubiläum auf umliegende Städte und Gemeinden ausweichen. Das sei den Forchheimern auf Dauer schwer zu vermitteln, dass sie für solche Events immer erst aus der Stadt pendeln müssten, sagt Kredel.
Nur: In den nächsten Jahren wird ihnen nichts anderes übrig bleiben.
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